dpa_20090101_200825-90-0209
+
Martina Döpfner, Inhaberin des Hotels „Maingau“ in Sachsenhausen übernimmt gemeinsam mit ihrem Mann zahlreiche Aufgaben in dem Hotel selbst.

Hotellerie

Hotels weiterhin in der Krise

  • Helen Schindler
    vonHelen Schindler
    schließen

Die Sommerferien haben sich nicht positiv auf die Übernachtungszahlen in Frankfurt ausgewirkt. Der Dehoga Hessen befürchtet massenweise Insolvenzen zum Jahresende.

Für die Hotellerie ist die Corona-Krise noch lange nicht überstanden. Laut dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Hessen kämpft insbesondere die von Geschäftsreisenden und dem Tagungsgeschäft abhängige Stadthotellerie mit den akutesten Existenzsorgen. Die kürzlich veröffentlichten Zahlen der Stadt Frankfurt untermauern dies.

Demnach hat die Corona-Krise die Gäste- und Übernachtungszahlen in Frankfurt im ersten Halbjahr dieses Jahres stark einbrechen lassen. Im April verbuchte die Metropole 90 Prozent weniger Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahr. Im Juni, nach Aufhebung des Verbots von Übernachtungen für touristische Zwecke, lagen die Übernachtungen mit rund 231 000 noch immer 75 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats. Von den 300 im Vorjahreszeitraum geöffneten Beherbergungsbetrieben waren im Juni nur knapp 84 Prozent geöffnet.

Laut Kerstin Junghans, Geschäftsführerin des Dehoga Frankfurt, haben insbesondere einige größere Häuser in der Mainmetropole noch nicht wieder geöffnet, weil sich das Anwerfen des Kostenapparats nicht rechne. Die durchschnittliche Bettenauslastung lag im Juni bei knapp unter 30 Prozent.

„Der Hotelmarkt in Frankfurt ist abhängig von Businessübernachtungen“, sagt Junghans. „Doch selbst wenn Messen und Kongresse wieder stattfinden würden, könnten internationale Touristen aufgrund der aktuellen Reiserestriktionen nicht einreisen. Deswegen ist die Entwicklung des Hotelgewerbes geknüpft an die Entwicklung der internationalen Infektionszahlen.“ Damit, dass Hotels in Frankfurt in diesem Jahr noch Gewinne machen, rechne Junghans aktuell nicht. Die Prognosen sind alarmierend: Laut des Dehoga Hessen gibt rund ein Viertel der Hotellerie in Hessen an, bis zum Jahresende Insolvenz anmelden zu müssen.

Auch die Sommerferien haben in Frankfurt keinen Boom bei den Übernachtungszahlen ausgelöst. „Von einigen kleineren Häusern haben wir das Feedback bekommen, dass die Belegung an den Wochenenden zugenommen hat“, sagt Langhans. Der Effekt sei aber überschaubar gewesen. Ländliche Bereiche profitierten von den Urlaubern im eigenen Land mehr.

Inhaber Jörg Döpfner serviert das Gästefrühstück im Speiseraum seines Hotels „Maingau“ in Sachsenhausen selbst.

Diesen Eindruck kann Florian Steinmaier, General Manager der Villa Kennedy, bestärken. „Frankfurt ist keine klassische Staycation, die Menschen fahren lieber in die Berge oder an die Küste“, sagt er. In seinem 5-Sterne-Hotel hätten sich die Sommerferien nicht positiv ausgewirkt. „Wir leben hauptsächlich von Geschäftsreisenden und von Touristen, die sich auf der Durchreise befinden. Beides fällt momentan weg.“ Aktuell mache die Villa Kennedy ein Drittel der Umsätze zu vergleichbaren Zeiträumen.

Und die Krise hat auch Auswirkungen auf die Preisgestaltung. „Wir sehen, dass sich die Preise für Hotelzimmer im Markt um circa 20 Prozent niedriger als im Vorjahr einpendeln“, sagt Steinmaier. Der Hoteldirektor hat schon vieles erlebt, was der Hotelbranche zeitweise Probleme bereitete, unter anderem die Anschläge in London 2005. „Daraufhin sind die Übernachtungszahlen für zweieinhalb Monate eingebrochen, aber sie haben sich eben auch relativ schnell wieder erholt. Diese Perspektive haben wir in der Corona-Pandemie nicht.“ Die Pandemie sieht er als größte Herausforderung für die Villa Kennedy seit ihrer Eröffnung. Aber Steinmaier betont auch, dass er mit der GEG als Eigentümer einen Partner habe, der verständnisvoll reagiere und helfe, die Last auf zwei Schultern zu verteilen. Auch sei er erfreut zu sehen, wie „außerordentlich positiv“ seine Mitarbeiter füreinander einstünden.

Benedikt Roos ist General Manager der beiden „25hours Hotels“ in Frankfurt. Während das „The Trip“ durchgehend geöffnet war, hat sein zweites Haus, das „Goldman“ auf der Hanauer Landstraße, erst vor einer Woche wiedereröffnet. „Wir wollten die Nachfrage zunächst auf ein Hotel konzentrieren, haben uns jetzt aber entschieden, das Goldman mit einer Minimalbesetzung wieder zu öffnen. So können wir die Kosten gering halten.“

Im Juli lag die Auslastung bei 40 Prozent

Vor einer Insolvenz muss Roos keine Angst haben, seine beiden Hotels sind Teil der „25hours Hotel Company“, die auch Häuser in Hamburg, Berlin, Köln und Düsseldorf hat, wo das Sommergeschäft deutlich besser lief als in Frankfurt und das Geschäft langsam wieder anzieht.

Der Sommer sei, wie üblich in Frankfurt, auch in diesem Jahr schwach gewesen, im Juli lag die Auslastung bei 40 Prozent. An Preisdumping denkt Roos dennoch nicht: „Es gibt andere Hotels, die mit geringeren Raten an den Start gehen. Wir gehen den Preiskampf nicht mit“, so der Hoteldirektor. Roos hofft, dass das Geschäft mit der Buchmesse wieder anzieht. Und er resümiert: „Es ist ein Blick in die Glaskugel, aber es bleibt spannend.“

Martina Döpfner, Chefin des Hotels Maingau in Sachsenhausen, blickt sorgenvoll in die Zukunft. Nach Beginn der Corona-Krise mussten sie und ihr Mann Jörg Döpfner die 22 Beschäftigten ihres Hotels in Kurzarbeit schicken und das Haus für einige Tage im April ganz schließen. Seither übernehmen die beiden zahlreiche Aufgaben selbst, kümmern sich um die Organisation, bereiten Frühstück zu, stehen an der Rezeption. Trotzdem könne man mit einer Auslastung von 20 bis 30 Prozent derzeit nicht kostendeckend arbeiten, sagt Döpfner. „Ohne die Kurzarbeit könnten wir keine Arbeitsplätze sichern.“

Dass das Kurzarbeitergeld nun verlängert werden soll, dürfte bei vielen Unternehmen gerade aus dem Gastgewerbe für Aufatmen sorgen. Deutschlandweit hat die Pandemie die Branche in die tiefste Krise der Nachkriegszeit gestürzt, wie Julius Wagner sagt, Hauptgeschäftsführer des Dehoga Hessen. Von den rund 184 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der Branche in Hessen dürften gut 40 Prozent derzeit in Kurzarbeit sein. Gerade in einem Wirtschaftszweig mit vergleichsweise niedrigem Durchschnittseinkommen bereitet das vielen Arbeitnehmern Probleme. (Von Helen Schindler mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare