Auf der rot markierten Fläche werden die beiden Türme gebaut.
+
Auf der rot markierten Fläche werden die beiden Türme gebaut.

Stadtplanung

Superlative in Frankfurt: Schon wieder entsteht der höchste Wolkenkratzer Deutschlands

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
    schließen

An der Frankfurter Messe soll ein 260 Meter hoher Wolkenkratzer gebaut werden – geplant war er sogar noch deutlich höher.

  • Das Projekt soll auf zwei Türme verteilt neben dem Skyline Plaza an der Frankfurter Messe entstehen.
  • Konkrete Entwürfe gibt es noch nicht, der Auftrag soll über einen Architekturwettbewerb vergeben werden.
  • Der "Millenium Tower" wird das Stadtbild Frankfurts auf lange Zeit prägen.

Frankfurt - Es geht um Superlative im Kap Europa an der Frankfurter Messe, wo die Projektentwickler von CA Immo am Mittwoch ihr neues Vorhaben vorstellen. Zwei Hochhäuser sollen direkt gegenüber des Kongresszentrums, auf der Fläche zwischen Hohenstaufenstraße und Osloer Straße, gebaut werden. Eines davon soll der „nachhaltigste“, vor allem aber der höchste Wolkenkratzer Deutschlands werden, wie der Geschäftsführer von CA Immo in Deutschland, Matthias Schmidt, berichtet. 260 Meter soll das Gebäude messen – genau 1,30 Meter mehr als der Commerzbank-Turm, der bisher den Spitzenplatz belegt.

Donald Trump wollte ursprünglich den höchsten Wohnturm der Welt in Frankfurt bauen

Es hat eine gewisse Ironie, dass die Pläne für das höchste Haus Deutschlands tatsächlich schon stark abgespeckt wurden. Einst dachte man in der Immobilienbranche sehr viel größer. Kein Geringerer als Donald Trump wollte an der Frankfurter Messe einen 369 Meter hohen Millennium-Tower bauen. So kündigte er es zumindest Ende des Jahres 2000 an. Besagtes Gebäude wäre der höchste Wohnturm der Welt geworden. Doch dann kamen erst die Anschläge vom 11. September 2001, dann die Finanzkrise und schließlich die Erkenntnis, dass sich ein so großes Gebäude schlicht nicht finanzieren lässt.

Geblieben ist nur der Name. Bebaut wird das 8700 Quadratmeter große Millennium-Areal, den meisten Frankfurterinnen und Frankfurtern besser bekannt als das letzte Stück am einstigen Hauptgüterbahnhof, das noch frei ist. Nun entschieden die Projektentwickler, die geplante Bruttogeschossfläche von rund 185 000 Quadratmetern auf zwei Türme aufzuteilen. Neben dem 260-Meter-Hochhaus entsteht ein 150 Meter hohes Gebäude. Die Stadt Frankfurt und CA Immo haben über das Vorhaben einen städtebaulichen Vertrag geschlossen.

Entwürfe für die Türme gibt es noch nicht. Zunächst wurde ein Architekturwettbewerb gestartet, an dem sich sehr namhafte Büros beteiligen, wie Matthias Schmidt betonte. Etwa David Chipperfield aus London, Herzog & de Meuron aus Basel und die Frankfurter Architekten Schneider und Schumacher sowie Ferdinand Heide.

Wohnungen, Kindergarten, Geschäfte und Restaurants: Nicht nur Büros finden in den Türmen Platz

Etwa die Hälfte der Nutzfläche ist für Büros vorgesehen. Auf 21 000 Quadratmetern entsteht zudem ein Hotel. Der kleinere Turm ist fast komplett für Wohnungen reserviert. 500 Einheiten sollen entstehen, davon 200 als geförderter Wohnraum, „so dass die Wohnungen auch für die Mittelschicht bezahlbar sind“, wie Planungsdezernent Mike Josef (SPD) erklärte. Außerdem vorgesehen sind Restaurants und Geschäfte in den unteren Stockwerken sowie eine Kindertagesstätte mit 1000 Quadratmetern im Hochhaus und 600 Quadratmetern Außenfläche. Die Kinder sollen in vier Gruppen betreut werden. Auf dem Dach soll es eine Aussichtsplattform geben.

Besonders an den geplanten Gebäuden sei auch das „innovative Energiekonzept“, sagte Schmidt. Ein Großteil der Energie werde im oder am Gebäude selbst entstehen. So sollen großflächige Photovoltaikanlagen zum Einsatz kommen. Im Haus sind die „Speicherung und Nutzung innerer Wärmequellen“ geplant.

Einweihung der Wolkenkratzer wird noch dauern: Baubeginn erst 2023 geplant

Bis der Commerzbank-Turm nicht mehr das höchste Haus in Deutschland ist, wird es jedoch noch dauern. Erst in acht oder neun Jahren werden die beiden Türme fertig sein, schätzt man bei CA Immo. Zwar soll der Architektenwettbewerb bereits im Januar kommenden Jahres entschieden werden. Der Baubeginn ist allerdings frühestens für 2023 vorgesehen.

Die Skyline, die nun also um zwei weitere Türme wachsen wird, sei ein wichtiges Identifikationsmerkmal für Frankfurt, sagte Josef. Der Planungsdezernent nannte sie in einer Reihe mit Paulskirche, Römer und Dom. Derzeit gibt es in Frankfurt knapp 40 Häuser, die höher sind als 100 Meter.

Die Akzeptanz von Hochhäusern sei in der Stadtbevölkerung in den vergangenen Jahren enorm gestiegen, so Josef. Das liege vor allem daran, dass die Wolkenkratzer eben nicht nur als Bürogebäude genutzt würden, sondern mittlerweile auch als Wohnfläche dienten – und das nicht nur für Superreiche. (Von Georg Leppert)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare