Inklusion

Gemeinsam lernen statt ausgrenzen

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Das Projekt „Modellregion Inklusive Bildung“ endet nach fünf Jahren. Fazit überwiegend positiv.

Es ist fast auf den Tag genau fünf Jahre her, da sind Frankfurts Süden und Frankfurts Westen als „Modellregion Inklusive Bildung“ des Landes Hessen gestartet. Das Ziel: Jedes Kind mit Behinderung soll die Möglichkeit bekommen, auf eine Regelschule zu gehen. Fünf Jahre danach fand am Montag die Abschlussveranstaltung statt. Ein Paradigmenwechsel sei in den fünf Jahren eingeleitet worden, sagte Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) im Clubhaus Germania der Frankfurter Rudergesellschaft. „Von der Separierung und Trennung hin zum gemeinsamen Lernen, Leben und Handeln.“

Den gesellschaftlichen Wandel dokumentieren für die Bildungsdezernentin allein schon die Zahlen. Während im Schuljahr 2012/2013 – vier Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention – nur 595 Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf Regelschulen besuchten, waren es im vergangenen Schuljahr 1753. Und: Die Zahl der Schulen, an denen sie unterrichtet werden, ist auf 120 gestiegen und hat sich damit mehr als verdoppelt. Anders als vor fünf Jahren könnten Eltern nun besser beraten, Netzwerke und Initiativen beteiligt werden, sagte Weber. „Ich denke, wir sind als Kommune heute besser in der Lage, inklusiven Unterricht zu ermöglichen.“ Die Erfahrungen, wie Netzwerke, Schulen, Eltern, Kinder und Jugendliche gestärkt und unterstützt werden können, sollen nun auf die anderen Frankfurter Bildungsregionen übertragen werden.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sprach am Montag von einem „gut durchdachten Prozess“ und einem Weg, „der schrittweise und mit Augenmaß“ gegangen werde. Und erfolgreich sei. An die Erfahrungen der Modellregion knüpften nun die inklusiven Schulbündnisse an, die dazu beitragen sollen, dass alle behinderten Kinder einen Platz an einer Regelschule bekommen.

Dieter Katzenbach, Professor am Institut für Sonderpädagogik der Goethe-Uni, zog ebenfalls ein positives Fazit, „auch wenn es nicht ganz so euphorisch ausfällt wie beim Kultusminister“. Er hatte evaluiert, wie sich die Modellregion entwickelte, und fand heraus: Die meisten Kinder – mit oder ohne Förderbedarf – fühlen sich an der Schule wohl. Die Lehrer klagten zwar zu Recht über eine hohe Belastung, aber die liege nicht an der Inklusion, sondern an der strukturellen Unterfinanzierung des Bildungssystems und den vielen Reformen wie Digitalisierung und Ganztagsunterricht.

Stadtelternbeirätin Julia Frank sagte, dass Lehrer durchaus durch die Inklusion belastet sind, weil sie dafür immer noch nicht ausgebildet würden. Und dass es weiterhin an Ressourcen für die Umsetzung der Inklusion in den Schulen fehlt.

Für Jan Kofranek, Leiter der Wallschule mit Beratungs- und Förderzentrum, sollten auch die Gymnasien inklusiv arbeiten. Das sieht die Bildungsdezernentin genauso. Grund- und Gesamtschulen würden derzeit den Hauptteil der Inklusion tragen. „Gymnasien müssen dazulernen und sich in der Pädagogik flexibel zeigen.“ Dieser Prozess stehe an, Vereinbarungen dazu seien der nächste Schritt. Außerdem müsse in der Schulentwicklungsplanung über die Schließung von Förderschulen ab 2022 nachgedacht werden. Denn die Inklusion solle schließlich keine Reformruine werden.

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