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Radeln im grünen Gürtel, hier bei Bonames.

Hintergrund

Frankfurter Grüngürtel in Gefahr

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Immer wieder wird der Grüngürtel rund um die Stadt von Bauprojekten angeknabbert. Der Frankfurter Nabu-Vorsitzende mahnt, dass die Bürger wachsam bleiben müssen.

Frankfurt ist eine grüne Stadt, zumindest sagen das die meisten. Auch Volker Bannert, erste Vorsitzender des Naturschutzbund (Nabu) Frankfurt findet das. Doch was sagen die Zahlen zur subjektiven Wahrnehmung? Der Grüngürtel hat nach Zahlen des Umweltamtes von 2017 eine unversiegelte Fläche von 7068 Hektar. Zum Stichtag 31.12.2018 lebten in Frankfurt 747 848 Menschen. Wobei die Zahl aktuell zu niedrig gefasst sein dürfte, da die Stadt bereits im Februar dieses Jahres verkündete, dass die 750 000-Marke geknackt sei. 

Rechnen wir trotzdem mit der Zahl von Ende 2018 weiter, ergibt sich pro Einwohner eine Fläche von 0,00945 ha. Etwas griffiger: 94,5 Quadratmeter Grüngürtel würden jedem Frankfurter zustehen. Das klingt durchaus großzügig. Kommen allerdings noch Touristen (536 645 im Monat Juni), Einpendler (362 450 täglich laut IHK-Studie) und Menschen aus dem Umland, die etwa am Wochenende in die Mainmetropole kommen, hinzu, wird der Platz im Grüngürtel auf dem Papier gesehen plötzlich immer kleiner. Müssten der Grüngürtel und die Grünflächen allgemein nicht also eher wachsen, um der steigenden Bevölkerung gerecht zu werden?

„Die Bedeutung des Grüngürtels für die Menschen ist gar nicht groß genug einzuschätzen“, sagt Volker Bannert. Er sei ein Rückzugsort für Tiere. Denn die Zahlen vieler Arten, vor allem Insekten, seien rückläufig. Zudem sei sein klimatologischer Effekt wichtig für die Stadt. Im Grün gebe es Abkühlung und es bringe frische Luft in die Stadt. „Schließlich ist da noch die Naherholung für Menschen. Der Grüngürtel ist Lebensqualität.“

Kontakt zu Tieren

Bannert verdeutlicht auch, dass das grüne Band rund um die Stadt ein wichtiger Ort für die Menschen sei, um noch Berührungspunkte mit Tieren zu haben. Wenn man an der Nidda auf Nutrias treffe oder der Biber an vielen Stellen zurückgekehrt sei, dann merke der Mensch erst wieder, „dass er in der Natur lebt“. Der Nabu-Vorsitzende würde sich noch häufiger ein Nebeneinanderleben wünschen.

Dass der Grüngürtel unantastbar sein soll, ist für Bannert nicht selbstverständlich. „Noch ist das Realität, aber die politischen Bestrebungen sind glasklar.“ Er meine damit die Bauwut, die eine Gefahr darstelle, sobald sich die Stadt in der Fläche vergrößern wolle. „Die Bürger müssen wachsam sein“, mahnt der Vorsitzende. Das Heiligtum Grüngürtel dürfe nicht angefasst werden, auch wenn der Druck und Ruf nach mehr Wohnraum bleiben werde.

Doch nicht nur von Seiten der Stadt drohe dem Grün Gefahr, auch andere Faktoren machen Pflanzen und Tieren das Leben schwer. Bannert nennt beispielhaft den Niddapark, der von immer mehr Menschen genutzt würde. Und nicht alle gehen achtsam mit der Natur um, es werde gegrillt. „Der Nutzungsdruck steigt.“ Ein weiterer Faktor ist das Klima. Der Stadtwald habe mit Trockenheit zu kämpfen, viele Bäume sind nicht mehr so resistent. „Wir brauchen noch mehr Grün, weil Betonwüsten für den Menschen nicht mehr erträglich sein werden.“

Genau solche Betonwüsten will das Stadtplanungsamt aber auch nicht mehr. Mark Gellert, Referent von Planungsdezernent Mike Josef, berichtet: „Wenn wir einen Bebauungsplan erarbeiten, gibt es keine Vorgabe, wie viel Grün enthalten sein muss.“ Es sei aber seit Jahren planerischer Standard auf gemischte Quartiere zu setzen. Das bedeute, dass es sowohl Wohnungen als auch Gewerbe, Freiflächen, Sportflächen und eben auch Grünflächen geben soll. Die Nutzungsmischung sei wichtig. „Wir knallen nicht alles mit Wohnungen voll.“ Auch beim neuen Stadtteil, der im Nordwesten geplant ist, seien Grünflächen von Anfang an mitgedacht, verspricht Gellert.

Mehr Grün in der Stadt

Mit Blick auf bereits bestehende Quartiere, sagt der Referent, dass es durchaus Chancen gebe, dass im Stadtbereich mehr Grün entstehe. Gellert nennt beispielhaft den ehemaligen Betriebshof nördlich des Günthersburgparks. Dort soll eine Grünfläche entstehen, der Park somit wachsen und perspektivisch sei sogar eine durchgängige Grünverbindung vom Günthersburgpark bis zum Lohrberg denkbar. Darin enthalten wären auch Grünflächen auf der Einhausung der A661. Ein gutes Beispiel für mehr Grün, sei auch der Hafenpark, der in der Stadt neu entstanden war. Gellert hält eine Anbindung an den Ostpark für möglich, da die Stadt das Speichen- und Strahlenkonzept verfolge. Dies bedeute, dass sukzessiv grüne Verbindungen vom Grüngürtel in die Stadt ragen sollen.

Apropos Grüngürtel. Dieser solle in der Regel nicht angetastet werden. Wenn es Fälle gibt, wo doch im Grüngürtel gebaut wird, finde stets ein Ausgleich statt. Dieser könne sich entweder in Ausgleichsflächen oder in Ausgleichsmaßnahmen äußern. Bei den Flächen würden bisher nicht zum Grüngürtel gehörige Flächen eingegliedert. Bei den Maßnahmen werden bestehende Flächen im Grüngürtel ökologisch aufgewertet. „Das kann wertvoll sein und die Qualität der Grünfläche steigern“, so Gellert. Ein Beispiel dafür ist das Bauprojekt „Am Römerhof“. Dort werde ein kleines Stück des Grüngürtels bebaut. Die sei aber eine nicht so qualitative Fläche. Im Norden würde dafür eine neue Fläche in den Grüngürtel integriert, die qualitativ auch noch höherwertiger sei. „Der Grüngürtel hat sich durch viele solcher Maßnahmen in den zurückliegenden Jahren sogar vergrößert“, resümiert Gellert.

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