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Das Gelände des ehemaligen KZ Katzbach im Gallus.

KZ-Außenlager Katzbach

Frankfurter Grünen-Chef: „Eine Gedenkstätte ist längst überfällig“

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Grünen-Chef Bastian Bergerhoff im Interview darüber, dass eine Gedenkstätte für das KZ-Außenlager Katzbach in Frankfurt-Gallus einen festen Ort haben sollte.

Wie soll das Gedenken an das frühere KZ-Außenlager Katzbach im Frankfurter Gallus aussehen? Nach teils scharfen Angriffen von SPD, Linken und dem DGB auf CDU und Grüne im Römer wünscht sich der Kreisvorsitzende der Grünen, Bastian Bergerhoff, eine Klarstellung.

Herr Bergerhoff, unterstützen die Frankfurter Grünen eine feste Gedenkstätte für das KZ-Außenlager Katzbach?

Ja, das tun wir. Eine solche Gedenkstätte ist längst überfällig. Deshalb gibt es ja einen gemeinsamen Etatantrag der Römer-Koalition, der 20 000 Euro für eine solche Gedenkstätte vorsieht. Klar kann das nur ein Anfang sein. Aber auf jeden Fall plädieren wir Grünen für eine feste Gedenkstätte.

Ihr Fraktionsvorsitzender im Römer, Sebastian Popp, hat aber auch infrage gestellt, ob ein fester Ort die richtige Form des Gedenkens ist.

Das stimmt so nicht. Auch Sebastian Popp lehnt einen festen Gedenkort natürlich nicht ab. In dieser Frage wurde er missverstanden oder falsch zitiert, und es wäre in so aufgeregten Zeiten wie diesen sicherlich besser gewesen, wenn andere politische Akteure mal bei uns nachgefragt hätten, bevor sie daraus eine aufgeregte politische Diskussion machen. Das Gedenken an Katzbach eignet sich jedenfalls nicht für den Wahlkampf.

Aber die Grünen haben die Frage des Gedenkens ja durchaus thematisiert – zuletzt auch in einer Pressemitteilung der Fraktion im Römer.

Bastian Bergerhoff, Frankfurter Grünen-Chef

Richtig ist, dass wir darüber reden müssen, wie wir an den Nationalsozialismus erinnern. Besonders emotional sind stets die Berichte von Zeitzeugen, aber leider werden diese mehr und mehr entfallen. Wir werden uns deshalb Gedanken darüber machen müssen, wie wir sie ersetzen, wie wir diese Emotionen transportieren können. Aber das heißt doch nicht, dass wir gegen eine Gedenkstätte sind. Ganz im Gegenteil. Darüber wird seit 35 Jahren diskutiert, nun muss sie endlich umgesetzt werden.

Sie haben aber selbst gesagt, dass eine Finanzierung mit 20 000 Euro nur ein Anfang sein kann. Warum haben die Koalitionsfraktionen nicht eine viel höhere Summe gefordert?

Ich bin nicht Mitglied der Kommission, die über Etatanträge entscheidet, aber prinzipiell liegt die Verantwortung für eine solche Gedenkstätte im Kulturdezernat, und da sollten dann auch die nötigen Mittel bereitgestellt werden.

Der öffentlich ausgetragene Streit über die Gedenkstätte fiel in die Zeit der Trauerfeier für die Opfer des rechtsextremen Terrors in Hanau …

Und das ist ein großes Problem. Wir Demokraten können uns einen solchen Streit derzeit nicht leisten. Wir müssen jetzt zusammenstehen gegen Menschenfeindlichkeit. Das KZ Katzbach zeigt das Ende einer Entwicklung, die wir um jeden Preis verhindern müssen.

Interview: Georg Leppert

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