Digitalsitzung

130 Frankfurter Grüne im virtuellen Raum

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Die Parteimitglieder tagen im Internet. Das klappt erstaunlich gut.

Ein Witz über Offenbach geht immer. Findet Marcus Bocklet, der für die Frankfurter Grünen im Landtag sitzt. Es sei ja schon verwunderlich, dass Frankfurt so viel mehr Corona-Infizierte habe als Offenbach, sagt der Sozialpolitiker: „Aber das Virus hat eben auch seinen Stolz.“

Ob Bocklets Zuhörerinnen und Zuhörer lachen? Der Grüne kann das nur erahnen. Denn seinen Scherz macht er bei der ersten virtuellen Kreismitgliederversammlung der Grünen. Bocklet sitzt in seinem Wohnzimmer, die Kamera an seinem Computer ist angeschaltet. Bei den allermeisten seiner Parteifreundinnen und -freunde läuft die Kamera nicht – schließlich soll die Internetplattform nicht überlastet werden. Sie sehen Bocklet, sind aber selbst nicht zu sehen.

An die neue Situation gewöhnen sich die meisten Parteimitglieder erstaunlich schnell. Die Technik ist weitgehend stabil und so bekommen fast alle mit, wie Bocklet über die aktuelle Corona-Lage referiert und klar sagt, dass es bei den Lockerungen immer wieder zu Ungerechtigkeiten kommen werde. Warum dieses oder jenes Geschäft wieder öffnen dürfe, ein anderer Laden hingegen nicht, sei oft nicht nachvollziehbar.

Die Kreisvorsitzenden der Grünen, Beatrix Baumann und Bastian Bergerhoff, moderieren die Veranstaltung. Ihr Vorteil: Sie müssen niemanden wegen Zwischenrufen ermahnen. Wer will, kann sich in einer Kommentarfunktion im System äußern, der entsprechende Beitrag erscheint dann kurz auf den Bildschirmen aller Teilnehmer.

Drei Stunden sprechen die Grünen, zum einen über die Corona-Pandemie, zum anderen über Landespolitik. In der Spitze sind 130 Mitglieder online. Zu den meisten analogen Versammlungen kommen nur 80 Grüne.

Bis zum Sommer will die Partei ihre Veranstaltungen in dieser Form anbieten. Für die im Herbst geplanten Diskussionen über das Programm zur Kommunalwahl hofft der Vorstand aber wieder auf Treffen in Bürgerhäusern.

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