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Frankfurter Grüne Hose

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Von: Thomas Stillbauer

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Mode und Design made in Frankfurt auf dem Pop-up-Markt.
Mode und Design made in Frankfurt auf dem Pop-up-Markt. © Rolf Oeser

Der Pop-up-Markt im Bethmannhof macht Spaß, zeigt spannendes Design – und das meiste kann man anfassen.

Der Weihnachtsmarkt schläft noch – und doch wuselt es am Wochenende nahe dem Römer ganz ordentlich: beim Pop-up-Markt für nachhaltige Kleidung und Designerware im Bethmannhof. Beziehungsweise nicht im Hof, sondern im Haus. Es ist letztlich doch noch November geworden, und der mag mitunter keine Menschen draußen.

Drinnen gibt’s loungige Musik, Geldbörsen aus Bio-Leder, viel Schmuck und Kleidung, Kerzen aus recyceltem Wachs (auch in O-Form), Offenbacher Limoncello aus Bio-Zitronen, Keramik, lederne Feuerzeugetuis zum Umhängen (auf Wunsch mit Fransen), Wasserhäuschen-Kalender, und Sakkos schneidern lassen kann man auch.

Oder das Mysterium NFT endlich verstehen. Adi Oohgaga bietet solche Non-fungible Tokens an; deutsch etwa: nicht austauschbare Zeichen oder Wertmarken, seit einiger Zeit das heiße neue Ding auf dem Kunstmarkt. Die NFTs an Oohgagas Stand sind sich wiederholende Bewegtbilder auf Monitoren. Sein Werk „Inherent Change“ etwa zeigt eine Frau in verschiedenen ineinander fließenden Posen vor Hintergründen. Hat er sie gefilmt? Oohgaga lächelt. Und erklärt: Er habe ein Data-Set aus 400 Fotos mit sogenannter Künstlicher Intelligenz manipuliert. „Die KI lernt wie unser Gehirn“, sagt er. „Wir helfen dem Computer zu sehen und zu verstehen.“

Dem Reporter auch. Das NFT der fließenden Frau erhält man nicht mit dem Monitor, sondern: „Man kauft es als Token und kann es in einer digitalen Geldbörse speichern.“ Das habe den Vorteil, dass digitale Kunst erstmals nicht einfach beliebig kopierbar sei, sondern eine Signatur habe, die sie als Original erkennbar mache und als Eigentum dessen, der sie geschaffen hat. Oder gekauft. In diesem Fall für 490 Euro. Es geht aber auch weitaus teurer. Schön aussehen tut es in jedem Fall. Wieder was gelernt.

40 Kreativschaffende haben sich seit Freitag bei Bethmann verdingt, alles made in Frankfurt, na, fast alles, alles nachhaltig, schön anzusehen, und gelohnt habe es sich auch, sagt Andreas Diefenbach in seinem Raum mit Bildern und Kleidern. Viele Jahre Galerist in Frankfurt, macht er jetzt unter anderem neue Hemden aus alten Hemden: Entwirft Schnitte, um ein schickes Kleidungsstück aus gutem Stoff zu machen, der sich in seiner bisherigen Daseinsform nicht mehr modern gefühlt hat. Das Schneidern übernimmt eine Dame im Hintertaunus, die sich eigentlich bereits zur Ruhe gesetzt hatte. Wenn das nicht nachhaltig ist. Wiederverwertung von Material und Kompetenz, was will man mehr.

„Die Stoffe sind hochwertig und viel zu schade zum Wegschmeißen“, sagt Diefenbach. Er verwendet auch Material von Jil Sander und Hermès. Und hat eine ziemlich witzige Produktidee in Angriff genommen: die „Frankfurter Grüne Hose“. Das Pilotprojekt in seinem Pop-up-Store ist tatsächlich kritzegrün, aber die Idee soll eigentlich eher den Umweltgedanken transportieren: grün im Sinne von nachhaltig.

Außerdem zeigt Diefenbach verkleinerte Drucke seiner eigentlich sehr großformatigen Bilder. „Ich habe hier gutes Feedback bekommen“, sagt er, „und Bekannte wiedergetroffen.“

Das Publikum amüsiert sich offenbar ebenfalls. Das Pop-up-Format tut Frankfurt gut, jedenfalls an diesem Wochenende.

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