Neben der Baustelle von Terminal 3 stehen ungenutzte Flugzeuge.
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Neben der Baustelle von Terminal 3 stehen ungenutzte Flugzeuge.

Flughafen

Frankfurter Großbaustelle mit parkenden Flugzeugen

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Das neue Terminal 3  wächst - auch wenn es derzeit nicht gebraucht wird.

Die Baustelle brummt. Die Nachfrage nach Flügen darbt zwar, Terminal 2 ist stillgelegt. Doch das neue dritte Gebäude im Süden des Flughafengeländes wächst weiter. Auch wenn dessen Sinn angesichts des Einbruchs im Flugverkehr so mancher infrage stellt. Fraport hingegen ist sicher, dass spätestens 2024 die rund 70,5 Millionen Fluggäste vom vergangenen Jahr wieder erreicht sind. Und dass es dann wieder so eng wird in den vorhandenen beiden Terminals, dass das dritte gebraucht wird. Selbst wenn dem nicht so ist, hätte Fraport dafür eine Verwendung, sagt Pressesprecher Christian Engel. Das neue Terminal 3 könnte als Entlastung dienen in der Zeit, in der das in die Jahre gekommene Terminal 1 modernisiert wird.

Als Infrastruktur-Experte in der Kommunikationsabteilung der Fraport führt Engel am Donnerstag die Baustellenführung für die Presse an. Vorbei an Stelzen des neuen Skyline-Trains geht es in Richtung Süden. Zum Teil wird das Bähnchen die bis zu 4000 Passagiere pro Stunde auch ebenerdig entlang der A5 transportieren, erläutert Engel. Eine Kranlandschaft steht über dem Areal im Süden. Vier große Zylinder ragen in die Luft. Ein Betonwerk. Hier werden bis zu 800 Kubikmeter Beton pro Tag gemischt. Der Kies und Sand kommen aus der gesamten Republik – per Lastwagen, zum Teil auch über den Schienenanschluss von Cargo-City Süd.

Aus Betonfertigteilen ist einzig Pier G zusammengesetzt. Hier sind schon Scheiben montiert.

Von dort gehen auch Teile des mit PFC-verseuchten Aushubs zur Entsorgung auf die Reise in andere Bundesländer. 600 000 Kubikmeter Erde waren es insgesamt. Der Berg, auf dem ein Bagger gerade Boden auf einen Lastwagen schaufelt, sei schon erheblich geschrumpft, versichert Engel. Der Großteil soll im Herbst verschwunden sein. Trotzdem hält Fraport am Bauantrag für ein auf fünf Jahren befristetes Erdlager fest. Man weiß ja nie.

Und schon kommt der erste imponierende Bau: Ein riesiges Stahlskelett mit zwei Treppenhäusern. 8500 Stellplätze soll dieses achtstöckige Parkhaus bieten. Auf der Straße davor stehen zwei orangefarbene Lastwagen mit riesigen Betonteilen. Gegenüber erheben sich V-Träger mit Stahlstreben in den blauen Himmel: Das ist die Rampe, auf der die Passagiere sich von ihren Lieben vor das Hauptgebäude fahren lassen können. Oben Abflug, unten Ankunft: „Das“, sagt Pressesprecher Dieter Hulick, „ist der internationale Standard.“

Terrminal 3

Mit vier Milliarden Euro ist das Bauprojekt laut Fraport das größte privat finanzierte in Europa. Flugsteig G könnte zum Sommerflugplan 2022 in Betrieb gehen. Das Hauptgebäude mit den Flugsteigen H und J wäre zum Winterflugplan 2024 oder Sommerflugplan 2025 startklar.   Die Grundfläche des gesamten Bauprojekts von 176 000 Quadratmetern entspricht 25 Fußballfeldern. An Beton werden täglich 800 Kubikmeter gemischt und verbaut, das entspricht 5000 Badewannen. 

45 Hochkräne sind derzeit im Einsatz, der höchste misst 100 Meter.  

Am weitesten sind die Arbeiten am zweistöckigen Flugsteig G gediehen. Im Januar sollen sie abgeschlossen sein. Die Fertigstellung war vorgezogen worden, unter anderem für die Billig-Airlines, deren Passagieren bis zur Eröffnung des Hauptgebäudes laut Fraport weniger Komfort zumutbar ist. Arbeiter montieren auf den Dachaufbauten schon die Lüftungsanlage und andere Technik. Zum Teil fehlen noch Fenster. In der Farbgestaltung fällt Flugsteig G aus dem Rahmen. Bei Terminal 3 setzt der Architekt eigentlich komplett auf sandsteinfarbene Fassaden und Böden. Doch Flugsteig G bleibt so grau wie die Betonfertigteile, die wegen des Zeitdrucks komplett angeliefert wurden. Auf der Piste davor parken mehr als ein Dutzend Flugzeuge mit zum Schutz eingepackten Turbinen: Irgendwo müssen sie hin, die Maschinen, die Lufthansa aktuell nicht benötigt.

Von dem künftigen Hauptgebäude sind bislang nur die Keller zu sehen. 14 Meter tief gehen sie in die Erde, in der Baugrube stand lange das Grundwasser. Die Wände sind dicht, jetzt gehe es an die erste Etage. Ein Kran schwenkt ein rechteckiges Betonteil ein.

Auch an Pier J braucht es noch viel Fantasie, um sich vorstellen zu können, wie hier künftig die Flugzeuge Richtung Asien, USA oder Afrika andocken. An Flugsteig H hingegen haben die Arbeiter schon mit der Fassadenverkleidung begonnen, das Dach über den zwei Etagen ist so gut wie komplett. Es gib schon einzelne Räume im Inneren und ein großes langes Loch im Boden, auf dem das Laufband künftig die Menschen flott zum Gate transportiert. Hier wird mit 69 Meter auch der höchste Punkt sein: der Flugfeldkontrollturm.

Wegen Corona gab es zeitweise Probleme mit der Organisation von Baustoffen und Bautrupps, sagt Engel. Der Kostenrahmen bleibe davon unberührt.

Mehr als 1000 Männer arbeiteten derzeit jeden Tag auf der Baustelle. Für sie stehen Container bereit, in denen sie sich verpflegen und umziehen können. Viele verbringen ihre Frühstückspause an diesem sonnigen Donnerstag lieber daneben im Schatten. Für die Zeit nach den Rohbauarbeiten rechnet Engel mit bis zu drei Mal so vielen Arbeitern. Wenn sie alle abgezogen sind, könnte der Flughafen 40 Prozent mehr Passagier abfertigen. Die Belastung für die Anwohner werde sich in Grenzen halten, denn es gebe dann „sehr, sehr lärmoptimierte Flugzeuge“.

Mehr Informationen: www.terminal.3.info

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