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Der 88-jährige Schwanheimer ist Dichter, Autor und Entdecker. Seine Exponate hat er dem Heimatmuseum geschenkt.

Geschichte

Frankfurter gräbt bei Wind und Wetter

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Der Heimatforscher Norbert Müller gibt Einblicke in seine archäologischen Fundstücke aus Schwanheim.

Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast“, schreibt Antoine de Saint-Exupéry in seinem Kleinen Prinzen. Das erklärt vielleicht, warum Norbert Müller so an seiner Heimat hängt. „Ich liebe mein Schwanheim“, sagt der Heimatforscher und Laien-Archäologe. Er hat sich die Gemarkung so vertraut gemacht wie vielleicht kein anderer Mensch jemals zuvor. Müller hat sie sozusagen Stein um Stein umgegraben und ausgebuddelt. Davon zeugen unzählige Exponate im Heimatmuseum im Kobelt-Haus, Alt-Schwanheim 6.

Einblicke in diese intensive Zeit gibt Müller am Mittwoch, 20. Februar, im Vortrag „Archäologische Entdeckungen“. Sein ganzes „Ausgräberleben“ will er der Nachwelt präsentieren. „Ich weiß ja nicht, wie alt ich noch werde“, sagt er und zwinkert.

88 Jahre hat er bereits hinter sich. Zeitlebens ist er sportlich gewesen, als Boxer, Handballer, Leichtathlet. Er ist auch viel mit dem Klapp-Spaten in der Hand durch die Lande gezogen und hat gebuddelt. So fit ist er heute nicht mehr. Das ficht ihn aber nicht an. Jetzt trainiere er eben für seinen Vortrag, sagt er und lacht.

Das tut er gerne. Er redet auch gerne, selbst wenn er schreibt. Sechs Bücher über Schwanheim hat er verfasst, Geschichte in Schwanheimer Dialekt. Bücher haben ihm die Welt der Archäologie näher gebracht. Germanen und Römer „haben mich als Bub schon interessiert“, sagt er. Das hat sein Nachbar mitbekommen, der in Frankfurt ein Antiquariat führt, und hat ihm immer Bücher „zugesteckt“. So hat sich der zwölfjährige Müller „schmökernd weiter gebildet“. Später treibt ihn die „Abenteuerlust“ hinaus. Er gräbt bei Wind und Wetter, im strömenden Regen bis zu den Knien im Schlamm. Immer mehr Bücher besorgt er sich, immer professioneller geht er bei seinen Ausgrabungen vor. „Ich habe mich richtig reingekniet, als ich 20, 21 war.“

Seine Funde stellt er in seiner Wohnung an der Silcherstraße aus. Privat. Eine Vitrine zimmert er sich selbst, über die Zeitung lädt er Leute ein. „Es gab ja noch kein Heimatmuseum, das ist erst in den 70er Jahren entstanden“, sagt er kokett. Müller ist Gründungsmitglied und späterer Ausgrabungsleiter. „Schwanheim ist eine alte Gemarkung“, doziert der Experte. An der Hölle über dem Wartweg liegen Hügelgräber aus der Jungsteinzeit und Bronzezeit. Der Flurname Hölle ist eine mundartliche Abwandlung des Wortes Halde.

In seinen wilden Zeiten hat Müller auch einmal eines der Gräber geöffnet. Steinkeile hat er entdeckt. Es sind spannende Zeiten. Müller arbeitet für den Autommobilmagnaten Georg von Opel. „Der hat seine Leute auch zum Bau des Opel-Zoos in Kronberg eingesetzt.“ So verschlägt es Müller mit seinem Klapp-Spaten in den Taunus. Er buddelt unter anderem an der mittelalterlichen Burg Falkenstein in Königstein. Einen Schädel aus Ton hat er dort entdeckt, mit „wunderbaren Ornamenten“.

Mit 24, 25 ist er auch mal von der Polizei geschnappt worden. Doch Ulrich Fischer, der damalige Leiter des Museums für Vor- und Frühgeschichte, setzt sich für ihn ein. Der studierte Gelehrte findet Gefallen am jungen Abenteurer. „Wenn sie noch einmal wild graben, dann ist was los“, hat er ihn ermahnt. „Ich bin ja nie ein Grabräuber gewesen“, sagt Müller. Seine Funde hat er nicht verkauft, er hat sie größtenteils dem Schwanheimer Museum geschenkt.

Archäologische Entdeckungen auf Schwanheimer Gemarkung, Mittwoch, 20. Februar, 18.30 Uhr, Wilhelm-Kobelt-Haus, Alt-Schwanheim 6, Eingang Heimatmuseum (Am Abtshof).

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