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Frankfurter Gesundheitsdezernent: „Wir haben es selbst in der Hand, dass die Pandemie endet“

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Von: Georg Leppert

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Stefan Majer ist seit Beginn der Pandemie der gefragteste Frankfurter Dezernent.
Stefan Majer ist seit Beginn der Pandemie der gefragteste Frankfurter Dezernent. © Oeser

Der Frankfurter Gesundheitsdezernent Stefan Majer spricht im FR-Interview über die hohe Inzidenz in der Stadt, die Belastung im Gesundheitsamt und das Hygienekonzept der Eintracht.

Herr Majer, die Inzidenzwerte steigen wegen Omikron und Treffen an Weihnachten bundesweit. In Frankfurt aber sind sie besonders hoch. Wieso ist Frankfurt von dieser Welle derart betroffen?

Mit allem Vorbehalt: Unter Omikron-Bedingungen scheinen die Infektionen in Metropolen besonders schnell zu steigen. Frankfurt ist sehr international und Pendlerhauptstadt. Hier treffen viele Menschen aus beruflichen, schulischen oder privaten Gründen jeden Tag zwangsläufig aufeinander. Da ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion folglich automatisch höher. Und übrigens: Frankfurt hat durchgehend auch über die Feiertage die Infektionszahlen gemeldet.

In den sozialen Medien gab es eine Debatte darüber, ob der Weihnachtsmarkt mitverantwortlich ist für die hohen Zahlen. Halten Sie das für möglich?

Das halte ich drei Wochen nach Ende des Weihnachtsmarkts für unwahrscheinlich. Es gab ein gutes Hygienekonzept für den Weihnachtsmarkt. Die Menschen haben sich weitgehend daran gehalten und wenn nicht, waren Sicherheitskräfte und Mitmenschen vor Ort und haben daran erinnert, die Maske doch bitte ordentlich aufzusetzen.

Als Hotspot hat Frankfurt die Regeln verschärft. Offenbar hatte sich aber zum Beispiel die Maskenpflicht in der Innenstadt noch nicht herumgesprochen; zumindest am Wochenende gab es auch noch keine Hinweisschilder. Fehlt es hier an Kommunikation?

Die Schilder hängen inzwischen größtenteils. Ich habe jedoch im Verwaltungsstab den Auftrag gegeben, noch intensiver die Regeln zu kommunizieren, vor allem aber auch die Impfmotivation weiter zu befördern.

Reichen die derzeit bestehenden Maßnahmen Ihrer Meinung nach aus oder muss es Verschärfungen geben?

Alle wissen, was zu tun ist, um sich und andere zu schützen und damit einen erneuten Lockdown zu verhindern. Wir haben es selbst in der Hand, dass die Pandemie zu Ende geht: indem wir Maske tragen, uns bei sozialen Kontakten vor allem in geschlossenen Räumen zurückhalten und vor allem, indem sich alle, die können, endlich impfen und boostern lassen. Damit schützen wir die wenigen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können.

Wie ist Ihre Prognose: Wie hoch wird die Inzidenz in Frankfurt noch steigen?

Wir rechnen auch für die kommenden Wochen mit einem rasanten Anstieg der Fallzahlen. Hier reicht ein Blick beispielsweise nach Großbritannien, wo die Entwicklung schon einiges weiter ist.

Welche Inzidenz ist überhaupt noch messbar? Sprich: Wie viele Tests lassen sich machen, auswerten und melden?

Noch gibt es genug PCR-Kapazitäten, um einen Verdachtsfall zu bestätigen. Zwei Millionen PCR-Tests sind in Deutschland pro Woche durchführbar. Das würde theoretisch einer Inzidenz von 2500 entsprechen. Die Frage ist aber, wie viele PCR-Tests zukünftig wofür verwendet werden. Sicherlich sollten wir bei milden Verläufen bei Geimpften die PCR-Tests nicht zum Freitesten verwenden. Derzeit ist die Inzidenz noch mit großen Kraftanstrengungen realistisch darstellbar, aber es kann auch hier der Punkt kommen, an dem wir noch größere Fallzahlen nur zeitverzögert melden können.

Es heißt immer, Omikron verlaufe milder. Welche Entwicklung erwarten Sie in den Kliniken?

Zur Person

Stefan Majer ist seit 2016 Frankfurter Gesundheitsdezernent. Seit dem vergangenen Sommer ist der Politiker der Grünen auch Verkehrsdezernent. Den Posten hatte er bereits von 2011 bis 2016 inne.

Der studierte Theologe, der lange für die Aids-Hilfe arbeitete, ist 63 Jahre alt. Im Sommer 2023 wird er in Ruhestand gehen. Seine Nachfolge übernehmen seine Parteifreund:innen Elke Voitl (Gesundheit) und Wolfgang Siefert (Verkehr).

Klar ist doch: Wenn deutlich mehr Menschen erkranken, wird es – auch bei insgesamt milderen Verläufen – in der Summe mehr schwere Fälle in den Kliniken geben. Gerade hier beobachten wir intensiv die Lage beispielsweise in Großbritannien und erwarten bei derartigen Fallzahlen eine Zunahme auch auf den Normalstationen, aber hoffentlich keine Überlastung der Intensivstationen. Glücklicherweise sind unsere Prognose- und Steuerungsinstrumente, was die Auslastung der Kliniken angeht, in Hessen sehr gut.

Bundesweit klagen zahlreiche Gesundheitsämter über völlige Überlastung. Wie ist die Situation in Frankfurt?

In Frankfurt ist die Situation außerordentlich angespannt. Wir versuchen, alle über 60-Jährigen kurz telefonisch zu erreichen und schicken allen Betroffenen eine Isolationsverfügung mit ausführlichen Informationen sowohl für die Person selbst als auch für die Kontaktpersonen.

Bei der FR meldete sich kürzlich ein Leser, der am Freitagvormittag einen positiven Schnelltest hatte. Am Nachmittag wollte er an der Messe einen PCR-Test machen, doch dort war um 13 Uhr Feierabend. Der Leser wurde auf die Telefonnummer 116 117 verwiesen, die aber überlastet war. Wird Menschen, die positiv getestet sind, genug geholfen?

Aufgrund des hohen Bedarfs an PCR-Tests kann es derzeit zu Engpässen kommen. Für detaillierte Informationen zu Kapazitäten bei PCR-Tests bei den niedergelassenen Ärzt:innen und in ihrem Testzentrum ist die Kassenärztliche Vereinigung die richtige Ansprechpartnerin.

Die Bundesregierung will die Impfzentren mindestens bis Ende des Jahres finanzieren. Wird in Messehalle 1 also das ganze Jahr über geimpft?

Endlich haben wir die geforderte Planungssicherheit. Wir werden also bis mindestens Jahresende ein Impfzentrum in Frankfurt haben, sei es an der Messe oder an einem anderen zentralen Standort.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat dem FC Bayern kürzlich Hoffnung gemacht, dass der Verein bald wieder vor Zuschauer:innen spielen könnte. Welche Hoffnung können Sie der Eintracht machen?

Wir alle wünschen uns, dass wir bald wieder Zuschauer:innen in den Stadien und bei allen anderen Veranstaltungen wie in den Kultureinrichtungen sehen. Der schnellste Weg, das zu erreichen, ist: impfen, impfen, impfen, boostern, boostern, boostern!

Gibt es denn in einem Stadion wirklich eine erhöhte Infektionsgefahr? Zumal bei reduzierter Kapazität auch die Bahnen nicht voller sind als morgens im Berufsverkehr.

Eintracht Frankfurt hat hervorragende Hygienekonzepte, die sich bereits bewährt haben. Wir sind uns mit der Eintracht vollkommen einig, dass der größtmögliche Infektionsschutz gewährleistet wird. Aber absolut klar ist, dass wir den verbindlichen Vorgaben des Landes folgen müssen. Hier gelten die gleichen Regeln für alle.

Sie hören im Sommer 2023 als Gesundheitsdezernent auf. Wie ist Ihre Prognose: Wird Ihre Nachfolgerin, Elke Voitl, noch mit Corona zu tun haben?

Corona und dann vor allem die vielfältigen sozialen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen werden uns alle noch lange beschäftigen. Elke Voitl ist seit dem Beginn der Corona-Pandemie mit an Bord gewesen und koordiniert jetzt schon die dezernats- und ämterübergreifende Erarbeitung eines Coronafolgen- Aktionsplans.

Interview: Georg Leppert

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