Fast 5000 Objekte sind in der Onlinesammlung erfasst.
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Fast 5000 Objekte sind in der Onlinesammlung erfasst.

Kultur

Frankfurter Geschichte virtuell entdecken

  • Anja Laud
    vonAnja Laud
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Das Historische Museum Frankfurt bietet eine umfangreiche Onlinesammlung und eine interaktive Stadtkarte an. Unter den fast 5000 Objekten finden sich auch einige Kuriositäten.

Wohl mit einem Brillantring ritzte Leopold Mozart, der Vater von Wolfgang Amadeus, am 12. August 1763 ins Fenster des Gasthauses in der Bendergasse 3 ein, dass die Familie auf ihrer Europatournee Station in Frankfurt mache. Das Gasthaus gibt es längst nicht mehr, wohl aber den Fensterflügel, in dessen Glas der Vizekapellmeister aus Salzburg das Graffito hinterließ. Wie es kam, dass er erhalten blieb, lässt sich auf der Homepage des Historischen Museums nachlesen. Zu den digitalen Angeboten des Hauses gehört eine Onlinesammlung, in der fast 5000 Objekte verzeichnet sind.

Dank dieser Onlinesammlung können sich Besucher auf einen virtuellen Museumsbesuch begeben. Alle Objekte, die dort erfasst sind, finden sich auch in der Dauerausstellung des Historischen Museums, ebenso die erklärenden Texte. „Ich weiß von Besuchern, die nach ihrem Besuch im Museum, zu Hause in der Onlinesammlung in aller Ruhe die Objektlegenden nachlesen“, berichtet Kuratorin Nina Gorgus. Zum Entdecken gibt es in der Onlinesammlung, die nach Angaben von Nina Gorgus nach und nach auch um Objekte aus Sonderausstellungen erweitert werden soll, jede Menge. So ist beispielsweise die Totenmaske von Karl Konstanz Viktor Fellner zu sehen, dem letzten Bürgermeister der Freien Stadt Frankfurt, der sich wegen der hohen Geldforderungen der preußischen Besatzungsmacht an die Stadt am 24. Juli 1866 in seinem Wohnhaus in der Seilerstraße aus Verzweiflung tötete.

Auch Kurioses gehört zur Onlinesammlung, etwa der zerbrochene Schirm der Frankfurter Revolutionärin Henriette Zobel, die damit auf Abgeordnete der Nationalversammlung eingedroschen haben soll und deswegen 1853 zu 16 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde.

Onlinesammlung und  Multimediaguide

Neben der Onlinesammlung und einem Multimediaguide, mit dem Interessierte über Bilder und Tonaufnahmen auf einen virtuellen Rundgang durch das Historische Museum gehen können, bietet das Haus unter dem Titel „Stadtlabor Digital“ eine interaktive Frankfurt-Karte, auf der – nach Kategorien wie „leben“, „arbeiten“ oder „erforschen“ geordnet – Orte markiert und mit Geschichten und Wissen der Frankfurter und Frankfurterinnen erweitert worden sind, darunter etwa ein Video der Sprengung des 116 Meter hohen AfE-Turms im Jahr 2014.

Das Stadtmodell des Künstlers Herman Helle in der Dauerausstellung des Historischen Museums, das die Stadt so zeigt, wie sie 2015 von Frankfurtern beschrieben wurde, solle auf digitaler Ebene eine Entsprechung finden, erläutert Kuratorin Gorgus.

Die Beiträge zu der interaktiven Frankfurt-Karte stammen im wesentlichen von Frankfurtern, die sich am „Stadtlabor“ beteiligt haben, einem Projekt, das Bürger dazu einlädt, in Workshops oder auf Stadtspaziergängen gemeinsam mit dem Museum die Stadt zu erforschen. Unter dem Titel „Stadtlabor unterwegs im Gallus“ ist dazu auf dem Youtube-Kanal des Museums ein knapp 15-minütiger Film zu sehen. Im „Stadtlabor Digital“ können die Teilnehmer auf der interaktiven Karte in Video- und Audiobeiträgen, Fotos sowie Texten ihre Geschichten erzählen.

Daneben ist das Historische Museum in den sozialen Medien aktiv. Ein Blog gibt etwa Einblicke in den Museumsalltag, wie Nina Gorgus sagt. Zurzeit informiert er über die Ausstellung „Kleider in Bewegung – Frauenmode seit 1850“, die Anfang März eröffnet werden sollte. Ein Einspieler zeigt sie fertig aufgebaut und ausgeleuchtet. Die wertvollen, auf Puppen aufgezogenen Kleider sind mit Seidenpapier abgedeckt, damit sie vor Staub geschützt sind. Aber der Film gibt schon mal einen Vorgeschmack auf bessere Zeiten, wenn die Museen wieder geöffnet sind.

www.historisches-museum-frankfurt.de

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