Frankfurt

Frankfurter Gastronom mit zu hohen Ausgaben

Der wegen Mordes im Niddapark angeklagte Jan M. soll auf zu großem Fuß gelebt haben.

Im Prozess um den Mord im Niddapark hat eine Sachverständige Auskunft über die Vermögensverhältnisse des Angeklagten gegeben. Die Wirtschaftsprüferin hatte sich intensiv mit den Finanzen des umtriebigen Gastronomen bis zu dessen Verhaftung im Mai 2018 beschäftigt. Demnach soll Jan M. monatlich etwa 15 000 Euro mehr ausgegeben haben, als ihm auf der Einnahmenseite zur Verfügung standen. „Jeden Monat war eine Liquiditätslücke zu stopfen“, sagte die Sachverständige am Montag. So habe M. zwischen April 2016 und April 2018 ein Minus von 400 000 Euro gemacht.

Die Expertin präsentierte zahlreiche Aufstellungen und Tabellen mit den Vermögenswerten, Ausgaben und Darlehen des Angeklagten. Auffällig dabei ist, dass Jan M. trotz seiner vielen Aktivitäten bis auf seine Beteiligung im Club Gibson zuletzt über kein regelmäßiges Einkommen verfügte. Seine Beteiligung an Restaurants oder Bars hatte er 2018 bereits verkauft, ein Gehalt als Geschäftsführer seiner Gesellschaften bezog er nicht. Die Gastro Group, zu der einst auch die Bar First In gehört hatte, stufte die Sachverständige ab Januar 2018 ohnehin als zahlungsunfähig ein.

Den hohen Verbindlichkeiten standen zum Zeitpunkt des Mordes im Mai 2018 aber Vermögenswerte in Höhe von 1,3 Millionen Euro gegenüber. So sollen dem Angeklagten die Hälfte eines Einfamilienhauses in Oberursel und eine große Wohnung im Westend gehören.

In dem seit August 2018 laufenden Mordprozess kümmert sich das Gericht intensiv um die Vermögensverhältnisse des Angeklagten, da ihm unter anderem Mord aus Habgier vorgeworfen wird. Er soll die 29-jährige Irina A. mit zahlreichen Messerstichen getötet haben, weil sie 150 000 Euro wiederhaben wollte, die sie in das First In investiert hatte.

Zeugin soll gelogen haben

Um einen Überblick über die Vermögensverhältnisse zu bekommen, hatte das Gericht für Montag auch M.s Steuerberater als Zeugen geladen. Der Angeklagte entband seinen Steuerberater aber nicht von dessen Verschwiegenheitspflicht. Auch eine von der Verteidigung angekündigte Einlassung zu den Vermögensverhältnissen kam nicht zustanden, weil eine Verteidigerin erkrankt ist.

Stattdessen stellte die Verteidigung weitere Beweisanträge, die vornehmlich dazu dienen sollen, eine Hauptbelastungszeugin als unglaubwürdig einzustufen. Stanislava T. hatte an einem der ersten Prozesstage ausgesagt, Jan M. habe sich am Tatabend mit dem späteren Opfer verabredet. In ihren insgesamt drei polizeilichen Vernehmungen soll sich T. nach Einschätzung der Verteidigung aber mehrmals widersprochen haben.

Der Mord im Niddapark wird die 21. Strafkammer noch eine Weile beschäftigen. Schon jetzt sind Verhandlungstermine bis Ende Februar kommenden Jahres festgelegt. Der Prozess wird am 16. Dezember fortgesetzt.

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