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Corina Haurová ist Vorsitzende des Vereins Bienen-Baum-Gut, der sich um den Frankfurter Garten kümmert.

Ostend

Frankfurter Garten kämpft noch mit Altlasten

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"Ein Ort zum Wohlfühlen": Hessens größtes Urban-Gardening-Projekt soll ein Aushängeschild von Frankfurt werden. Die neuen Betreiber müssen sich jedoch noch um Altlasten aus der Insolvenz kümmern.

Der Frankfurter Garten ist das größte Urban-Gardening-Projekt der Stadt. 2013 von Gärtnern auf dem Danziger Platz initiiert, wurde es mehrfach erweitert und umgestaltet. Auch bewirtschaftete die Gruppe weitere Orte in der Stadt. Der bisherige Träger meldete im April 2017 Insolvenz an, dem Garten drohte das Aus. Seit August betreibt der Verein Bienen-Baum-Gut auf dem Areal einen Bienenbaum.

Frau Haurová, am kommenden Samstag übernehmen Sie mit Ihrem Verein den ehemaligen Frankfurter Garten offiziell. Was erwartet die Besucher?
Wir haben in den vergangenen Monaten mit Hilfe von 25 Ehrenamtlichen knapp 1000 Arbeitsstunden investiert. Mit Unterstützung des Grünflächenamts und der FES konnten wir 20 Lastwagen mit morschem Holz, Sperrmüll und nicht weiter verwendbarer Erde entsorgen. Zahlreiche der rund 100 Beete haben wir bereits repariert beziehungsweise neu gebaut, insgesamt wurden mehr als 60 Tonnen Erde und Holzschnitzel bewegt. Noch ist nicht alles fertig. Da brauchen die Leute entweder Geduld oder müssen einfach selbst mit anpacken. Solch ein umgestalteter Parkplatz kann und soll schließlich kein englischer Garten sein. Sondern ein Ort zum Wohlfühlen, der Gemeinschaftlichkeit und des natürlichen Gärtnerns.

Der erste Garten hat 2017 Insolvenz angemeldet. Was hat das für Auswirkungen auf Ihren Verein?
Leider ist die Insolvenz noch nicht abgeschlossen. Nach wie vor ist offen, was wir übernehmen können. Im Zweifelsfall haben wir aber Ideen und zum Teil Inventar, um den Garten und das Café weiterzubetreiben.

Bekommen Besucher künftig in Ihrem Café Bienenstich serviert?
Geplant ist eine Art Vereinscafé, das als Begegnungsstätte allen offensteht. Hier wird es vor allem Kleinigkeiten wie Kuchen und Getränke geben. Manchmal werden wir auch grillen.Wir freuen uns aber, wenn sich die Leute mehr für Pflanzen und Bienen interessieren als für Essen und Trinken. Und wenn man sich dann noch zusammensetzt und ein Austausch stattfindet, haben wir alles richtig gemacht.

Sie möchten sich dafür einsetzen, dass der neue Garten noch nachhaltiger wird?
Wir engagieren uns für Biodiversität der Pflanzen- und Tierwelt. So pflanzen wir zum Beispiel alte, widerstandsfähige Bohnen-, Kürbis- und Kartoffelsorten. Auch achten wir darauf, dass in den Gemeinschaftsbeeten Blumen wachsen, die unseren Bienen Nahrung bieten. Im Café stellen wir auf Bioprodukte um, möglichst selbst gemacht und aus eigener Erzeugung. Leider fehlt uns noch ein entsprechender Apfelweinanbieter. Der Garten ist auch nach außen geöffnet. Wir möchten alle einladen, das Thema Nachhaltigkeit zu erleben. Bioerzeuger mit einem Stand sind bei uns willkommen.

Im August haben Sie einen Bienenbaum-Wipfelpfad eingerichtet. Wird er ausgebaut?Interessierte können hier weiterhin spannende Einblicke in den natürlichen Lebensraum der Honigbiene gewinnen – nämlich die Bäume. In unserem Programm bieten wir Workshops und Führungen für Interessierte aller Altersklassen an. Welche Räume wir in Zukunft den Bienen noch zusätzlich einräumen können, wird von eingebrachten Wünschen und finanziellen Mitteln abhängen. Die Bienen breiten sich ohnehin durch ihren natürlichen Schwarmtrieb munter bei uns aus.

In der Vergangenheit gab es Streit mit Anwohnern. Wie möchten Sie diese einbeziehen?
Wir stehen für Offenheit. Wenn den Leuten etwas nicht gefällt, können sie jederzeit zu uns kommen und mit uns eine Lösung entwickeln. Schon als wir den Bienenbaum-Wipfelpfad gebaut haben, sind wir auf die Anwohner zugegangen und haben gefragt, ob es zu laut ist. Zur Eröffnung haben Ehrenamtliche Einladungen in der Nachbarschaft verteilt.

Zuletzt gab es eine Zusage der Bahn, dass der Frankfurter Garten bis 2019 auf dem Platz vor dem Ostbahnhof bleiben kann. Was passiert danach?
Wir möchten, dass der Neue Frankfurter Garten als Hessens größtes Urban-Gardening-Projekt ein Aushängeschild von Frankfurt wird – also auch unverzichtbar. Wenn die Bahn das Areal benötigt, werden wir mobil sein. Derzeit können wir uns gut vorstellen, dass der Danziger Platz bis 2021 erhalten bleibt.

Interview: Boris Schlepper 

Nach einer Serie von Einbrüchen in eine gemeinnützige Garten-Anlage in Frankfurt bangt der Verein um seine Zukunft. Schon acht Mal verwüsteten Täter das Areal.

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