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Drei Tage durfte Fotografin Helga Kneidl im Mai 1973 mit Romy Schneider in Paris verbringen.

Fotografie

Frankfurter Galerist zeigt teils unveröffentliche Bilder von Romy Schneider

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Die Schauspielerin Romy Schneider hatte stets ein ambivalentes Verhältnis zur Kamera. Der Frankfurter Galerist Kai Middendorff zeigt nun teils unveröffentlichte Fotos der Filmlegende.

Im Frankfurter Bahnhofsviertel, in einem Hinterhof an der Niddastraße, ist ein kleiner Schatz zu entdecken. Der Galerist Kai Middendorff hat in seiner Halle Fotografien der Filmschauspielerin Romy Schneider versammelt, die zum Teil noch nie veröffentlicht worden sind. Romy Schneider, Fotografien? Gerade die österreichische Darstellerin ist bis zu ihrem frühen Tod 1982 so oft abgelichtet worden wie kaum ein anderer Star dieser Zeit. Sie selbst hat darunter gelitten, die Nähe der Kamera aber auch immer wieder gesucht. Die Arbeiten der Theaterfotografin Helga Kneidl aber, die Middendorff zeigt, ragen aus dieser Flut von Bildern deutlich heraus.

Es sind ausschließlich schwarz-weiße Aufnahmen, von einer ganz besonderen Ästhetik, mit einem ganz besonderen Blick. Es ist die Handschrift der großen Theaterfotografin, die hier spürbar wird. Kneidl hatte am Theater gelernt, lange abzuwarten, sich zurückzuhalten, auf ein ganz besonderes Bild hinzuarbeiten. In den drei Tagen der Begegnung mit Schneider und zeitweise auch mit deren damals siebenjährigem Sohn David hat die Künstlerin gerade einmal sechs Kodak-Kleinbildfilme belichtet, mehr nicht.

Drei Tage im Mai 1973: Schneider erlaubte in diesen Stunden eine ungewöhnliche Nähe, ließ Kneidl nah an sich heran, auch in ihrer Wohnung, nicht nur draußen am Ufer der Seine.

Der Fotografin kam dabei ihr Einfühlungsvermögen zugute, das im langen Umgang mit Schauspielerinnen und Schauspielern erprobt war. 1939 geboren, war Helga Kneidl zunächst in Dresden im Studio der großen Gret Palucca zur Tänzerin ausgebildet worden. In Zürich lernte sie 1969/70 Theaterfotografie. Es war der Beginn einer großen Karriere, die vom Schauspielhaus Zürich zur Schaubühne in Berlin, zum Hamburger Schauspielhaus, nach Rotterdam und zur Hamburger Staatsoper führte. Ihr Ehemann Karl Kneidl arbeitete als Bühnenbildner am Schauspiel Frankfurt mit dem Regisseur Hans Neuenfels zusammen.

Die Schau

Die Ausstellung  „Helga Kneidl: Romy Schneider Paris 1973“ ist in der Galerie Kai Middendorff zu sehen, in Frankfurt am Main, Niddastraße 84. Die Ausstellung ist bis zum 30. Mai verlängert worden.

Die Öffnungszeiten  sind Mittwoch bis Freitag von 14 bis 18.30 Uhr und Samstag von 11.30 bis 17 Uhr.

Die Galerie  ist telefonisch unter den Nummern 0170/ 313 2191 und 069/ 743 090 35 zu erreichen. Die E-Mail-Adresse lautet: galerie@kaimiddendorff.de. jg

Dass Kai Middendorff die Fotografien Kneidls jetzt in Frankfurt zeigen kann, ist Ergebnis einer langen familiären Verbindung. Denn der Kunsthistoriker ist mit der Tochter der Fotografin, der Frankfurter Malerin und Städelschul-Absolventin Franziska Kneidl, verheiratet. Im weißen Innenraum der Galerie zeigt er eine von ihm getroffene Auswahl von 25 Fotografien aus der Serie mit Romy Schneider. Als Helga Kneidl im Herbst 2019 ihren 80. Geburtstag feierte, entstand bei Mittendorff die Idee, diese Bilder endlich einmal öffentlich zu präsentieren.

Die Begegnung Kneidls mit Romy Schneider kam durch einen Zufall zustande. Sie begleitete in Paris die Journalistin Christiane Höllger, eine Freundin der Schauspielerin. Schneider durchlebte damals eine tiefe Krise, hatte sich gerade von ihrem Ehemann, dem Berliner Theaterregisseur Harry Meyen, getrennt. Sie zog mit ihrem Sohn David wieder nach Paris, in die Rue Berlioz im 16. Arrondissement, zwischen Arc de Triomphe und Bois de Bologne.

Ganze sechs Kleinbildfilme entstanden in diesen intensiven Tagen.

Dort sind viele der Aufnahmen entstanden, die jetzt in Frankfurt gezeigt werden. Kneidl und Schneider verstanden sich auf Anhieb, die Welt des Theaters verband beide. Die 34-jährige Schauspielerin reagierte damals in der für sie typischen Weise auf ihre Lebenskrise: Sie betäubte sich mit Arbeit, Alkohol und Tabletten. In kurzer Zeit entstanden vier Filme, darunter die Komödie „Das wilde Schaf“, die Groteske „Trio Infernal“ und der Antikriegsfilm „Le Train“.

Die Fotos, die jetzt in Frankfurt zu sehen sind, lassen durchaus Spuren dieser Lebenssituation erkennen. Sie zeigen aber auch eine Frau in trotziger Selbstbehauptung, nachdenklich vor dem Spiegel, glücklich beim Spielen mit ihrem Sohn. Jedes Bild steht für sich allein, keines ähnelt dem anderen, jedes bringt einen neuen Blick. Das unterscheidet diese Arbeiten von den endlosen Serien digitaler Fotografie.

Drei Tage in Paris im Mai 1973: Es ist sehr typisch für Schneider, dass sie diese Nähe zulässt und sucht, sie aber dann nicht weiter aufrechterhält. Gerade in diesen 70er Jahren pflegte die Schauspielerin sich unerkannt in Wohngemeinschaften einzuquartieren und dann nach einiger Zeit weiterzuziehen. Trotz ihrer intensiven Begegnung: Helga Kneidl und Romy Schneider haben sich danach nie wiedergesehen. Zu dem Mythos aber, der sich noch heute um den Star rankt, tragen die Fotografien von 1973 in erheblichem Maße bei.

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