Mahnwache am Flughafen.
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Mahnwache am Flughafen.

Fraport

Flughafen Frankfurt: Geplante Deponie für verseuchte Erde in der Kritik

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Kritiker befürchten, dass das Lager für verseuchte Erde zum Dauerzustand wird. Das wurde bei der Erörterung zum Antrag von Fraport deutlich.

Ist es rechtens, eine ansehnliche Schar von Behördenmitarbeitern mit dem Antrag auf ein Bauvorhaben auf Trab zu halten, das man gar nicht realisieren will? Mit dieser Frage beginnt die Erörterung zum Genehmigungsverfahren für ein Lager mit verseuchter Erde auf dem Flughafengelände. Ursula Philipp-Gerlach hat sie gestellt, die Rechtsvertreterin der Stadt Mörfelden-Walldorf, auf deren Gemarkung Fraport die Deponie beantragt hat – für insgesamt 600 000 Kubikmeter PFC-belasteten Erdaushub von der Baustelle des dritten Terminals.

Bislang waren es nach Konzernangaben allerdings lediglich 400 000 Kubikmeter, die neben der Baustelle zunächst als ein provisorischer Berg aufgeschüttet wurden. Ein Drittel soll bereits fachgerecht entsorgt worden sein, der Rest im Herbst folgen. „Um im Falle von Verzögerungen verantwortungsvoll mit der Situation umgehen zu können“, zieht Fraport dennoch den Bauantrag durch. Mit einem fünfköpfigen Team ist die Firma bei der Erörterung am Mittwoch in Frankfurt vertreten. Sie soll dem Regierungspräsidium Darmstadt als Genehmigungsbehörde dazu dienen, sich ein umfassendes Bild machen kann.

Es geht um eine rund sechs Hektar große Fläche, die laut Planfeststellungsbeschluss zum Flughafenausbau eigentlich dem Luftverkehr dient. Jetzt soll sie also zum Standort für eine Deponie werden. Geht das ohne Änderung, fragt Philipp-Gerlach. Zwei Lagerboxen sind vorgesehen, mit flüssigkeitsundurchlässigen Asphaltböden zum Schutz von Erdreich und Grundwasser. Eine Polyäthylenfolie sorgt dafür, dass bei Regen keine Flüssigkeit abgetragen wird. „Es wird keine schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt durch Lärm und Staub geben“, versichert Markus Bernhard von Fraport bei der Präsentation des Vorhabens. Überwiegend soll dort Erdaushub plus maximal 5000 Kubikmeter Bauschutt von Terminal 3 gelagert werden und von „anderen Baumaßnahmen“. Keine Charge länger als drei Jahre, nach fünf Jahren sollen die Boxen wieder verschwunden sein.

Das bezweifeln die Einwender. Philipp-Gerlach verlangt eine Rückbauverpflichtung nach fünf Jahren und die Garantie, dass es keine Änderungen gibt „hinsichtlich Material und Dauer“. Der Anwalt der Stadt Neu-Isenburg unterstützt sie: „Wir sehen das Problem, dass Fraport sich hier wieder etwas auf Vorrat besorgt.“ Schon für die nicht benötigten A380-Hallen sei wertvoller Bannwald gefallen, sagt Thomas Mehler. „Wir haben mit Fraport ganz schlechte Erfahrungen.“

Im Publikum und auf Corona-Abstand haben rund ein Dutzend gut informierter Ausbaugegner Platz genommen. Ein Teil hat sich zuvor an der Mahnwache vor dem Behördengebäude beteiligt. Da ist Sascha Friebe aus Mörfelden-Walldorf. Seit Jahrzehnten sei bekannt, dass das einstige Gelände der US-Airbase mit Schadstoffen belastet sei, sagt er. „Dieses Lager müsste es gar nicht geben.“ Laut Wolfgang Heubner von der Bürgerinitiative Sachsenhausen sind es mehr als 30 giftige Chemikalien, die in dem Boden zu finden sind. Franz Urhahn aus Mörfelden-Walldorf fordert den Verzicht auf eine weitere Versiegelung der Flächen. „Der Wald ist eh schon so kaputt, die Grundwassersituation wird sich noch weiter verschlechtern.“

Sitzungsleiterin Beate Bartke vom Regierungspräsidium in Darmstadt mahnt immer wieder, dass es hier nicht generell um den Flughafenausbau geht, sondern einzig um das Bodenlager. Aber hängt das nicht alles zusammen, fragt Philipp-Gerlach.

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