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Frankfurter Flughafen: Hier geht die Post ab

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Die importierten Sendungen müssen viele Stationen durchlaufen, bevor sie an ihre Zieladressen in Deutschland weitergeleitet werden können.
Die importierten Sendungen müssen viele Stationen durchlaufen, bevor sie an ihre Zieladressen in Deutschland weitergeleitet werden können. © Michael Schick

Das Internationale Postzentrum am Frankfurter Flughafen gibt es seit 25 Jahren. Hier zeigt sich, wie Altbewährtes und technische Innovationen funktionieren können.

Ein unaufhörliches Summen und Knattern liegt im Raum, und im ersten Augenblick ist nicht ersichtlich, wo sich die Menschen zwischen den Maschinen befinden, die sich über die große Fläche der Halle verteilen. Eine ständige Bewegung ist hier im Internationalen Postzentrum (IPZ) am Frankfurter Flughafen zu spüren und das nun schon seit 25 Jahren. Kein Wunder – denn das IPZ schlafe nie, so Niederlassungsleiter Martin Wolf.

Das gilt auch für die sogenannte Bund- und Beutelöffnungsstelle, in der zwar schon lange nicht mehr die namensgebenden Briefbündel geöffnet werden, um sie dann einzeln zu sortieren, aber Beutel gibt es noch genug. Und diese Beutel werden schon seit der Eröffnung des IPZ im Jahr 1997 auf dieselbe Weise durch das 35 Meter hohe Gebäude transportiert. Die 4,5 Kilometer lange Beutelhängebahn ist dafür zuständig, alle aus dem Ausland eintreffenden Sendungen, die in Beuteln importiert wurden, in diese Halle zu bringen. Dort werden sie dann geöffnet und der Status jeder einzelnen Sendung zur Weiterverarbeitung festgestellt.

„Die Beutelhängebahn in dieser Funktion und wie sie hier eingebaut wurde, ist einmalig“, erzählt Martin Wolf. Die Verwendung von Beuteln sei international noch weitgehend etabliert, in Deutschland verwende man mittlerweile normierte Standards in Form von gelben Postboxen, erklärt er. „Übrigens, wenn Sie einen Postmitarbeiter nicht beleidigen wollen, nennen Sie diese Beutel niemals Säcke. Und die Mitarbeiter erst recht nicht“, schiebt er nach.

Am IPZ wird der Großteil der internationalen Briefpost und Luftpostpakete verarbeitet, sowohl für Import als auch für den Export. Hier in der Bund- und Beutelöffnungsstelle sind es mittlerweile immer mehr E-Commerce Sendungen aus dem außereuropäischen Ausland, die ankommen und deren Status festgelegt werden muss, bevor sie dann weitersortiert werden können. Seit kurzem gebe es die Pflicht, all diese Sendungen elektronisch zu erfassen, erklärt Wolf. Wenn also die Beutel an den Öffnungstischen ausgeleert werden, muss jede einzelne Sendung darin eingescannt werden. Danach können sie je nach Status entweder direkt zum sogenannten Sorter weitergeleitet werden oder müssen noch weiteren Prüfungen standhalten.

Das IPZ ist ein Beispiel dafür, welche technischen und logistischen Herausforderungen entstehen, wenn eine Branche ständigen Veränderungen unterworfen ist. Stefan Heß, der selbst seit 1980 für die Post tätig ist – zu Beginn als Briefträger und nun als Pressesprecher für das IPZ – zeigt sich überzeugt, dass sie immer versucht hätten, mit den Veränderungen Schritt zu halten. „Postgeschichte war auch immer Technikgeschichte“, sagt er. „Und dieses Haus ist vollgestopft mit Technik.“ Aber bei all dem seien die Mitarbeitenden entscheidend für einen reibungslosen Ablauf. Nicht alles könne gnadenlos digitalisiert werden, ist er sich sicher.

25 Jahre IPZ

Am 24. September 1997 wurde das Internationale Postzentrum (IPZ) der Deutschen Post am Frankfurter Flughafen in Betrieb genommen.

Rund 110 Millionen Euro wurden damals investiert, um eingehende und ausgehende internationale Sendungen an einem Ort bearbeiten zu können.

Etwa 1 500 Menschen aus 63 Ländern arbeiten am IPZ, die jeden Tag bis zu 300 000 E-Commerce Sendungen und 700 000 Briefsendungen verarbeiten.

In den letzten Jahren wurde der Fokus vermehrt auf die Bearbeitung internationaler E-Commerce-Sendungen gelegt, also Waren, die mittels Internet gekauft und dann über Ländergrenzen hinweg verschickt werden.

Bis zu 190 Tonnen Post können täglich vom IPZ aus direkt auf Flugzeuge am Frankfurter Flughafen verladen werden, um zu 266 Zielen weltweit verschickt zu werden.

24 Stunden am Tag wird am IPZ gearbeitet. Dabei wechseln sich eine Import- und eine Export-Schicht ab.

Etwas, was vor 25 Jahren im Postwesen noch keine Rolle spielte, nämlich die täglichen Bestellungen von Waren über das Internet und die logistische Herausforderung, all diese Sendungen schnellstmöglich zu den Empfänger:innen zu transportieren, ist heute der Fokus im IPZ. Deswegen wurde im Oktober 2019 ein neuer sogenannter Mittelformatsorter für 11 Millionen Euro in Betrieb genommen. Hier landen all jene Sendungen, die den Status zur Weiterleitung in der Bund- und Beutelöffnungsstelle erhalten haben.

In der Halle, in der die neueste Technik des IPZ steht, ist das Licht gedämpfter als in der Öffnungsstelle zuvor. Aber auch hier scheint alles pausenlos in Bewegung zu sein. Mehrere Mitarbeiter:innen sitzen an Arbeitsplätzen, die entfernt an eine Supermarktkasse erinnern. Eine Mitarbeiterin ist gerade damit beschäftigt, einen Berg von Sendungen, alle zwischen 20 Gramm und 6 Kilogramm, abzuarbeiten, der sich über den Tag stetig wieder auffüllt. Sie nimmt jedes einzelne Päckchen in die Hand und legt es dann in ausreichendem Abstand zum vorherigen auf das Laufband vor ihr. Links neben ihr befindet sich ein Schacht, der in die Etage darunter führt, in der alle Sendungen, die nicht maschinell sortiert werden können, manuell weiterverarbeitet werden. Das seien aber die wenigsten, erklärt Martin Wolf. Rollenförmige oder runde Pakete könne der Sorter beispielsweise nicht bearbeiten. Durchschnittlich 3000 Sendungen pro Stunde werden hier aufs Band gelegt.

Die endgültige Sortierarbeit folgt aber, nachdem alle Sendungen hier noch einmal durch menschliche Hände gegangen sind. Sie gelangen per Laufband in den Sechsseitenleser, der, wie der Name sagt, Barcodes und Adressen von sechs Seiten lesen und verarbeiten kann. Das rote Licht, das der Scanner kontinuierlich ausstrahlt, lässt den Raum futuristisch wirken, und der im nächsten Arbeitsschritt folgende Crossbelt vollendet jegliche Star-Trek-Fantasien, an die man sich hier als Laie erinnert fühlen kann.

Die Zieladressdaten, die vom Sechsseitenleser ausgewertet werden, befähigen Motoren unterhalb mehrerer kleiner Abschnitte auf einer Strecke des Laufbandes dazu, die Sendungen je nach Ziel in verschiedene Behältnisse zu sortieren. Sie stehen in der Etage unterhalb des Sorters bereit. 82 Behältnisse gibt es dort für die 82 Briefzentren Deutschlands, in die der Weitertransport der internationalen Sendungen dann gehen soll.

Bei all der technischen Innovation gibt es dennoch Konstanten. Trotz Veränderungen und verschiedenster politischer und gesellschaftlicher Schwankungen, denen auch das Postwesen unterliegt, werden wohl ein paar Dinge auch in den nächsten Jahren bleiben. Martin Wolf ist sich sicher: „Wir werden in 25 Jahren immer noch in diesem Gebäude sein. E-Commerce wird weiter wachsen, und die Postkarte, die wird es dann auch noch geben.“ Denn wenn es etwas gebe, das in Form und Inhalt kontinuierlich gleich geblieben ist, dann ist es die Postkarte aus dem Urlaub.

Die Beutelhängebahn ist einzigartig in der IPZ.
Die Beutelhängebahn ist einzigartig in der IPZ. © Michael Schick
Der Sechsseitenleser sorgt für eine automatisierte Sortierung dank extra für das IPZ entwickelter Technik.
Der Sechsseitenleser sorgt für eine automatisierte Sortierung dank extra für das IPZ entwickelter Technik. © Michael Schick

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