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Frankfurter Filmproduzent Oliver Arnold über den Alltag beim Dreh und Nachwuchssorgen

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Von: Anja Laud

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Szene aus „Becoming Charlie“, eine Serie der U5-Filmproduktion, Ende Mai in der ZDF-Mediathek.
Szene aus „Becoming Charlie“, eine Serie der U5-Filmproduktion, Ende Mai in der ZDF-Mediathek. © Katrin Haase

Und über ein Angebot des Filmhauses Frankfurt, das über Berufsbilder und Ausbildungen in der Filmbranche informiert.

Schon kleine Mädchen und Jungen träumen davon, zum Film zu gehen? Trotzdem klagt die Filmbranche über Nachwuchsmangel. Der Frankfurter Filmproduzent Oliver Arnold spricht über Drehs in Zeiten von Corona und über ein Angebot des Filmhauses an alle, die sich für die Arbeit am Set interessieren.

Warum hat die Filmbranche ein Problem, Fachkräfte zu finden?

Die meisten haben, wenn sie an die Filmbranche denken, die Darsteller, Regisseure oder Kameraleute vor Augen. Ihnen ist nicht bewusst, dass es daneben noch viele andere Berufe und Tätigkeiten gibt, die für eine Filmproduktion notwendig sind. Erst wer sich nach dem Ende eines Kinofilms die Zeit nimmt, den Abspann zu lesen, der merkt, wie viele Personen an dessen Realisierung beteiligt sind.

Warum wollen so wenig junge Leute in die Filmproduktion?

Das hat im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen wissen, wie bereits gesagt, viele junge Leute nichts über die verschiedenen Disziplinen, die an einer Filmproduktion beteiligt sind. Zum anderen hat sich ihr Anspruch an den Arbeitsplatz und die Arbeitsbedingungen gewandelt. Für sie muss die Work-Life-Balance, also die Balance zwischen Arbeit und Freizeit, stimmen. Das ist bei einem Dreh schwierig. Da wird die Arbeit oft recht intensiv. Während einer Produktion kann es in Ausnahmefällen auch zu Dreharbeiten in der Nacht oder am Wochenende kommen.

Ist die Filmbranche etwas für Quereinsteiger oder gibt es auch klassische Ausbildungsberufe?

Die Filmbranche war früher eine Branche der Quereinsteiger. In den 90er-Jahren hat sich das mit der Gründung von Filmhochschulen und Akademien geändert. Der kleinere Teil des Teams, den wir Head of Department nennen, also etwa Regisseure und Kameraleute, haben eine Ausbildung. Der größere Teil des Teams, beispielsweise Tonassistenten oder Beleuchter, sind Quereinsteiger, die ihre Kenntnisse durch Praxis erworben haben. Beide Gruppen sind für den Erfolg einer Filmproduktion wichtig.

Zur Person

Oliver Arnold ist Produzent und Geschäftsführer bei der U5-Filmproduktion in Frankfurt.

Als VFX-Producer wirkte er mit an Projekten wie „Ghostwriter“ von Roman Polanski, „Melancholia“ von Lars von Trier sowie „Super8“ und „Star Trek: Into Darkness“ von J. J. Abrams. Zur Filmbranche kam er vor zehn Jahren, als er im Bereich der Visuellen Effekte bei Pixomondo in Frankfurt ein Praktikum absolvierte.

Eines seiner jüngsten Projekte ist der TV-Film „Nie zu spät“ mit Heino Ferch, am 26. Februar um 20.15 in der ARD.

Für alle, die über einen Einstieg in die Filmbranche nachdenken, bietet das Filmhaus Frankfurt am Samstag, 26. Februar, 10 bis 18 Uhr, unter dem Titel „Wer macht was beim Film“ online eine Informationsveranstaltung an, bei der einzelne Berufsbilder und Ausbildungsgänge sowie der Ablauf einer Filmproduktion vorgestellt werden. Die Leitung des Seminars hat Oliver Arnold.

Anmeldungen nimmt das Filmhaus online bis Donnerstag, 24. Februar, entgegen. Die Teilnahmegebühr beträgt 50 Euro. Studierende zahlen 25 Euro.

www.filmhaus-frankfurt.de

Welche Auswirkung hat der Personalmangel auf Produktionen?

Durch die Corona-Pandemie sind viele Produktionen verschoben worden, aktuell durch Omikron beispielsweise auf den Herbst. Der Fachkräftemangel schlägt deshalb besonders durch. Um den Stau, der sich dadurch ergibt, abzuarbeiten, werden viele Produktionen parallel laufen. Der Bedarf an Personal wird deshalb besonders groß sein. Die Produktionskosten werden steigen, weil auch die Gehälter und Tarife steigen. Das ist gut für die Beschäftigten. Die können sich aussuchen, welche Projekte am interessantesten sind und wer am meisten bezahlt.

Wie sieht die Lage in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet aus?

Auch hier ist der Fachkräftemangel ein Problem. Bei zwei parallelen Filmproduktionen ist das Personal ausgelastet. Deshalb ist es wichtig, hier langfristige Produktionen anzusiedeln, die Mitarbeiter anziehen und ihnen auf Dauer Arbeit bieten. Hilfreich ist ,Step‘, ein Programm, das die hessische Filmförderung Hessen-Film und Medien im September vergangenen Jahr gestartet hat, um Studierenden und Quereinsteigern zu helfen, sich in der Filmbranche zu etablieren. Wir konnten dadurch bei unseren letzten Produktionen fünf Praktikanten und Praktikantinnen finanzieren, die so einen Fuß in die Tür bekommen haben.

Das Filmhaus Frankfurt bietet ein Seminar an, in dem erläutert wird, wer was beim Film macht. Wen wollen Sie ansprechen?

Alle, die sich für die Filmbranche interessieren, junge Leute und ältere. Unsere Hoffnung ist, dass wir sie begeistern können. Das Produktionsvolumen ist durch die Beliebtheit von Serien groß. Es fehlt an Nachwuchs. Aktuell suchen wir bei uns Filmgeschäftsführer:innen beziehungsweise Mitarbeiter:innen in der Buchhaltung.

Interview: Anja Laud

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