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Frankfurter Filmmuseum testet neues Digitalprojekt

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Das Tablet ergänzt die Ausstellung um Objekte aus dem Museumsarchiv und um Infos.
Das Tablet ergänzt die Ausstellung um Objekte aus dem Museumsarchiv und um Infos. © ROLF OESER

Beim Projekt Constellation 2.0 sollen Besucher:innen die Beziehungen zwischen den Ausstellungsobjekten kennenlernen und Verbindungen in andere hessische Museen knüpfen.

Ein bisschen verloren stehen sie schon in der Weltgeschichte herum, die etwa 30 Besucher:innen, die einen ersten Blick in die Zukunft des Deutschen Filminstituts und Filmmuseums werfen wollen. Im eher spärlich beleuchteten Ausstellungsraum stechen die von Smartphone- und Tablet-Bildschirmen erhellten Gesichter umso deutlicher ins Auge. Eine Frau hält ihr Besuchertablet an den Funkchip, der an der Vitrine der „Laterna magica“ angebracht ist. Auf dem Tablet öffnet sich die passende Website. Die Laterna magica sei eine Urform des Diaprojektors, kann sie dort nachlesen. Kleine, bemalte Glasplatten sitzen zwischen einer Lichtquelle und einer Linse, die das jeweilige Motiv dann vergrößert auf eine Leinwand wirft.

Tablets und Funkchips sind Teil des Projektes Constellation 2.0, das die Möglichkeiten der Digitalisierung für das Museum ausloten soll. Eineinhalb Jahre hat das Team bislang schon in die Entwicklung gesteckt. Das Ziel war es, Objekte in der Sammlung oder im Archiv, die gerade nicht ausgestellt werden, trotzdem erlebbar zu machen und den Museumsbesuch sinnvoll digital zu erweitern: „Wir wollen nicht nur Wow-Effekte, wir wollen ein integrales Erlebnis zwischen analog und digital“, betont Sebastian Oschatz vom Frankfurter Design-Studio Meso Digital Interiors, das am Projekt beteiligt war.

Nun sollte der erste Prototyp des Projektes sich bei den Versuchspersonen beweisen. Die Idee scheint simpel: Jedes Ausstellungsobjekt steht in Beziehungen zu anderen Objekten, sei es über inhaltliche Gemeinsamkeiten, über Personen, über die Filme, aus denen sie stammen, oder den Ort, an dem sie in der Ausstellung platziert sind. So können die Menschen im digitalen Bereich des Museums entweder einer kuratierten Storyline folgen oder sich von Informationen über Personen, Filme oder Projekte des Museums auf eine ganz andere Fährte locken lassen.

Online verirrt

Sich digital zu verlaufen, ist leicht. Besonders weil sich die Darstellung nicht an der Anordnung der Ausstellung orientiert. Eben noch stand man neben der Camera obscura, stöbert in den digitalen Zusatzinformationen und landet so bei einem anderen Objekt der Ausstellung am anderen Ende des Raums. Doch man steht immer noch neben der Camera obscura. Gar nicht so leicht, dieser hybride Museumsbesuch.

Einfacher zu handhaben scheint da doch eine andere technische Idee, die die Besuchsgruppe ausprobieren konnte. Alle bekommen ihr eigenes Kärtchen, auf denen ein Funkchip angebracht ist. Mit diesen Kärtchen können die Besucher:innen die Objekte in der Ausstellung „einsammeln“, die sie besonders interessieren. Kärtchen an die Vitrine halten, Geräusch abwarten, fertig. An einem Monitor können Gruppen die Karten dann auslesen lassen und vergleichen, wer welche Objekte gesammelt hat. „Menschen über Filme ins Gespräch bringen“, nennt es die eine, „modernes Onlinedating“ die andere. Ob zwei, die sich beide für den Helm von Darth Vader interessieren, wirklich automatisch füreinander bestimmt sind, klärt sich nicht an diesem Nachmittag.

Mit dem Feedback aus dem ersten Test des Prototyps wollen die Verantwortlichen jetzt weiter basteln. Schon 2024 soll die vielversprechende, digitale Erfahrungswelt allen Besucher:innen des Filmmuseums offen stehen. Man plant zum Beispiel digitale Verbindungen zwischen den Ausstellungsobjekten im Filmmuseum und im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt. Zwei Museen zum Preis von einem – zumindest in der schönen digitalen Museumswelt.

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