Das Kinder-Prinzenpaar Felix II. und Amelie I. mit Betreuer-Team Thomas Peukert (links) und Alexandra Schiedeck-Stalp.
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Das Kinder-Prinzenpaar Felix II. und Amelie I. mit Betreuer-Team Thomas Peukert (links) und Alexandra Schiedeck-Stalp.

Frankfurter Fastnacht

Majestäten in der Krise treu

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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„Grosser Rat der Karnevalvereine“ verlängert die Amtszeit von Prinz Jonas I. und Sandra II. Film der Inthronisation ist im Internet nachzuschauen.

Die Tränen sind getrocknet. Der Großteil der Fastnacht muss wegen der Pandemie zwar ausfallen. Frankfurts „Grosser Rat der Karnevalvereine“ lässt sich aber nicht unterkriegen. Am gestrigen Mittwoch, 11. November, um 11.11 Uhr hat er die fünfte Jahreszeit eingeläutet. Ratspräsident Axel Heilmann und OB Peter Feldmann (SPD) lassen am Römer die vierfarbige Fastnachtsfahne wehen. Gleichzeitig läuft die Inthronisation des Prinzenpaares und des Kinderprinzenpaares. Der Rat hat die Zeremonie aufgezeichnet und zeigt sie nun im Internet.

Dafür haben die Karnevalisten in ihrer Wagenhalle im Ostend eine recht beeindruckende Kulisse aufgebaut. In der Mitte steht die Bütt, aus der Ratspräsident Heilmann launig moderiert. „Man muss die Situation eben akzeptieren“, sagt Ratssprecher Uwe Forstmann. Natürlich habe es auch Momente gegeben, in denen man gezweifelt habe und geklagt. Jetzt gehe der Blick aber nach vorne. „Wir wollen den Fastnachtsfans was Ordentliches bieten“, sagt Forstmann.

Zurück zur Zeremonie. Auf der Bühnenlinken fällt der Blick auf einen großen Nachbau des Römers. Eine Narrenfigur kraxelt darauf, wenn die Fastnachter schon das Rathaus nicht stürmen dürfen, dann wollen sie wenigstens symbolisch darauf herumstiefeln. Den Hintergrund bilden große Fotomontagen auf Leinwand. Eine zeigt die Skyline, die Hochhäuser tragen Narrenkappe, die andere den Römerberg mit Blick auf den Dom.

Es ist die Zukunft der Frankfurter Fastnacht, die die Augen des Zuschauers dann doch wieder feucht werden lässt. Das Kinderprinzenpaar tritt auf, so tapfer und so eloquent, als hätten Felix II. und Ihre Lieblichkeit Amelie I. nie etwas anderes gemacht.

Die Kampagne

Das Programm der Kampagne 2020/21 steht unter Vorbehalt. Es soll eine literarische Fastnacht in der Paulskirche geben, unter strengen Hygienevorschriften und nur für geladene Gäste. Gleiches gilt für den Neujahrsempfang mit Verleihung des Frankfurter Verdienstordens im Römer. Weiter gehen die Planungen noch nicht, der „Grosse Rat der Karnevalvereine“ wartet den Verlauf der Pandemie ab.

Die Inthronisation der Tollitäten lässt sich im Internet anschauen. Unter: www.grosser-rat.de

Die Fastnachter aus Klaa Paris haben ebenfalls einen Film mit Grüßen gedreht. www.zuggemeinschaft.de

Dabei ist der elfjährige Felix Brodbeck ein Eingeplackter, ein gebürtiger Aschaffenburger. Schwamm drüber, immerhin ist er seit Geburt auch Mitglied beim „Karnevalverein Goldsteiner Schlippcher“. Seinen Eltern sei Dank, beides engagierte Fastnachter. Die Familientradition möchte er fortführen, erklärt er ernsthaft. Wenn auch der Fußball (SC Goldstein) und das Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr wenig Zeit lassen.

Amelie Schweizer hat einen kleinen Vorteil. Sie ist im Frankfurter Nordend zur Welt gekommen. Als „begeisterte Eiskunstläuferin“ im TGS Vorwärts bewahrt die Zehnjährige stets Haltung. „Als Kinderprinzessin möchte ich andere junge Leute ermutigen, etwas zu wagen und den Menschen aus Frankfurt ein Stück Tradition zurückzugeben“, das hat sie in ihrer Bewerbung geschrieben.

Nun tragen sie auf der Bühne der virtuellen Show ihre liebevoll gedichteten Verse vor. „Hier steht nun in ganzer Breite, Euer Prinz, Felix der Zweite“, deklamiert der junge Mann, der so breit gar nicht wirkt. Beide wollen helfen, dass die Menschen „Corona eine Zeit lang vergessen“. „Mit Tradition und doch modern, so haben wir die Fastnacht gern.“

Diese Fastnacht, deren Sinn und Geheimnis die Kinder problemlos entschlüsselt haben: „Musik und Tanz und viel Humor.“ Ratspräsident Heilmann verspricht, sie dürfen im nächsten Jahr wieder das Prinzenpaar bilden, in der Kampagne 2021/22. Die Devise: „Nicht groß wachsen, damit die Klamotten im nächsten Jahr noch passen.“

Beim erwachsenen Prinzen und der Prinzessin ist es genau umgekehrt. Die waren schon in der vergangenen Kampagne „Seine Tollität“ Jonas I. und „Ihre Lieblichkeit“ Sandra I. Ein Novum in der Frankfurter Fastnacht, der besonderen Corona-Lage geschuldet. Die Majestäten Jonas Nagel und Sandra Stey (beide 22) bleiben ihrem närrischen Volke in der Krise treu. So erklärt sich auch das offizielle Motto: „Fast nix mehr ist wie letztes Jahr, nur Frankfurts goldig Prinzenpaar!“

„Lassen Sie sich nicht durch Corona den Spaß an der Freud’ verderben“, empfiehlt Ratspräsident Heilmann den Zuschauern noch. Vielmehr sollen alle gesund bleiben. „Damit wir uns vielleicht schon in der Kampagne 2022 wieder unterhaken können, schunkeln und gemeinsam singen.“

Jonas Nagel und Sandra Stey, beide 22, bleiben ein weiteres Jahr das Prinzenpaar.

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