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Frankfurter Fastnacht: Klaa Paris will Zeichen setzen

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Von: George Grodensky

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Der Fastnachtsumzug in Klaa Paris fällt aus. Der Elferrat der Käwwern ist trotzdem da, weil er immer da ist. Rolf Oeser
Der Fastnachtsumzug in Klaa Paris fällt aus. Der Elferrat der Käwwern ist trotzdem da, weil er immer da ist. Rolf Oeser © ROLF OESER

Auf Suche nach dem Geist der Fastnacht in Frankfurts närrischer Hochburg Heddernheim

Ruhig liegt der Stadtteil da am Dienstag um 14.30 Uhr. So ruhig ein Teil von Frankfurt sein kann. Jogger:innen sind ja immer unterwegs, auch ein paar Autos kurven durch die engen Gassen von Alt-Heddernheim, vorbei an den verwinkelten Höfen. Aber kein Vergleich zu gewöhnlichen Fastnachtsdienstagen. Gäbe es kein Corona und keinen Putin-Feldzug gegen die Ukraine, wären hier mehr als 100 000 Menschen auf den Straßen. Der Umzug durch Klaa Paris, wie Alt-Heddernheim eigentlich heißt, gehört zu den Höhepunkten der Frankfurter Fastnacht.

Heute nicht. Der Geist von Klaa Paris ist nur zu erahnen. Ein paar Kinder kommen verkleidet aus Hort oder Kita. Aus einer Straße klingt das Rühren der Trommel eines Ein-Personen-Spielmannszugs. Der entpuppt sich dann aber doch als ein Mann, der seine Biotonnen über die Gass rollt.

Erst am Karl-Perott-Platz zeigt sich so etwas wie der Klaa-Pariser-Frühling. Wo sonst der Umzug an der Tribüne vorbeikommt, steht trotzig der Elferrat der Heddemer Käwwern und blinzelt in die Sonne. Die Käwwern sind der älteste Fastnachtsverein der Stadt. „Die Kappen brauchen frische Luft“, sagt einer doppeldeutig. Ganz bewusst lässt er offen, ob er die Narrenmützen meint oder die Männer darunter.

Bereits im Dezember hatte die Zuggemeinschaft ihre Großveranstaltung abgesagt. Damals wegen der Unwägbarkeiten der Corona-Pandemie. Eine schwere, aber richtige Entscheidung sei das gewesen, sagt Vorsitzender Ulrich Fergenbauer. „Wegen des Kriegs hätten wir den Zug so oder so abgesagt.“ So sieht das auch der Elferrat der Käwwern auf dem Perott-Platz. „Putin ist kein Fastnachter“, grantelt einer. „Der kann nicht lachen.“

„Jetzt stehen wir hier mit komischem Bauchgefühl herum“, sagt Hans Elfert. Aber zu Hause bleiben? Elfert ist seit mehr als 50 Jahren Vereinsmitglied, er ist an Fastnacht noch nie zu Hause geblieben. Den anderen geht es ähnlich. Sie sind da, weil sie immer da sind. Weil sie ein Zeichen setzen wollen. Immerhin ist das etwas, für das die freie westliche Welt auch steht: dass man sich einen lustigen Hut auf den Kopf setzen und im Freien mit Freunden zusammen ein Bier trinken kann. Klingt banal, ist aber in vielen Ländern der Welt tatsächlich nicht möglich.

„Es ist alles ein bisschen traurig“, sagt Uwe Forstmann, der Pressesprecher des Großen Rats der Frankfurter Fastnacht. Er hat sein Fahrrad mit zwei Ukraine-Fähnchen dekoriert. Harald Müller, Elferratschef der Käwwern, pflichtet ihm bei. Und als wäre die Lage nicht schon trist genug, zeigt sich das Wetter von seiner besten Seite. Seit Tagen schon. Was wäre das für eine tolle Kampagne gewesen? „Da blutet dem Fastnachter das Herz“, sagt Müller. Was beiden gefällt: dass Europa so zusammenhalte. Wenigstens das.

Die Gruppe setzt sich in Bewegung, um einen Spaziergang durch den Ort zu machen. Unterwegs trifft sie eine Reihe von verkleideten Damen. „Zwei Jahre ist die Fastnacht nun ausgefallen“, sagt eine. Ein bisschen Normalität wünschten sie sich zurück. „Heute feiern wir für den Frieden“, sagt eine andere. Gespendet hätten sie bereits für die Ukraine.

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