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Einige Sitzbänke laden – nein: nicht zum Verweilen ein, sondern nur zum kurzen Verschnaufen.

Palmengarten

Frankfurter Farbenmeer zum großen Finale

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Im Palmengarten blühen die Blumen des Herbstes. Die Galerie soll trotz Corona fürs Publikum offen bleiben – und dort wartet ein Test auf die Gäste.

Die einen nennen es Herbst. Andere finden Worte dafür, die dem Ereignis angemessen sind. Worte, die ihm den nötigen Glanz verleihen. „Es ist das große Finale der Natur“, schwärmt Dominik Heukemes: „Jetzt wird noch mal alles gegeben.“

Terrassenszene, nur zum Anschauen.

Das trifft sich gut, denn Dominik Heukemes ist als Leiter des Galerieteams im Palmengarten dafür zuständig, dieses grandiose Finale in Szene zu setzen. „Blumen des Herbstes“ heißt es im Glasbau am Palmenhaus bis zum 8. November, aber es gibt in der Ausstellung nicht nur Blumen zu sehen, sondern auch jede Menge herrlich bunte Blätter. Die strengen sich ja traditionell ganz besonders an, die Blätter. Zum großen Finale.

Hainbuchen beispielsweise sind in drei Entwicklungsstadien zu sehen: grün, gelb und lila-magenta-orange-kariert. Nein, kleiner Scherz – das dritte Stadium ist natürlich: bräunlich verwelkt. So ist das Leben, und so zeigt es der Palmengarten ganz unverblümt auch bei den Gräsern. „Das ist einfach Natur“, sagt Heukemes. Wie schön sie ist, die Natur, tritt besonders deutlich zutage, weil neben der enormen Farbenpracht, neben Purpurglöckchen, dreifarbigem Medizinalsalbei, Bleiwurz und Kaukasischem Vergissmeinnicht, neben Heidekraut und Krähenbeeren, neben Lampenputzer, Rutenhirse, Chinaschilf und Glanzmispel auch viel Immergrünes arrangiert ist. „Das bringt durch den Kontrast die Farben erst richtig zum Leuchten“, schildert der Galeriechef.

Vögel schauen vorbei

Davon sind auch Blaumeise, Zaunkönig und Rotkehlchen begeistert, die in der Pflanzenschau ein- und ausfliegen und zwitschern, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Alle Fenster, Lüftungsklappen und der Notausgang sind weit geöffnet zur besseren Durchlüftung, denn seien wir ehrlich: Die Frage stellen wir uns ja schon alle, ob das denn eine gute Idee ist, jetzt eine Ausstellung in einem Gebäude zu eröffnen, bei solch enorm ansteigenden Infektionszahlen mit dem Coronavirus. Im Frühjahr war der Palmengarten deshalb für einige Zeit geschlossen – und jetzt einfach rein ins Ausstellungshaus?

Letzte Handgriffe am Herbst.

Dominik Heukemes nimmt die Problematik ernst. „Wir haben hier eine Fläche von rund 600 Quadratmetern“, sagt er, die Besucher könnten sich also auf großem Raum verteilen, und die Belüftung sei sehr gut. Die Erntedank-Ausstellung im Oktober habe zudem gezeigt, dass sich Besucherinnen und Besucher an die Einbahnregelung auf dem Rundkurs hielten, die auch jetzt weiterhin gilt. Er selbst entscheidet jedoch nicht. „Ich würde mir für die Besucher wünschen, dass die Galerie geöffnet bleibt, damit sie die schöne Ausstellung sehen können“, sagt er.

Aus dem Umweltdezernat hieß es am Donnerstag, es spreche nichts dagegen. In nächster Zeit werden zwar einige Schauhäuser zeitweise geschlossen, aber nicht virusbedingt, sondern wegen Bauarbeiten und Pflanzenschnitt. Im Nordstern des Tropicariums bleiben Regenwald und Passat-Monsun bis zum 29. Oktober gesperrt, vom 9. bis zum 13. November ist das Palmenhaus zu, und in der zweiten Novemberhälfte schließen nacheinander noch einmal alle Häuser des Tropicariums.

Wichtig: Vom 2. November an steht nur der Eingang Palmengartenstraße zur Verfügung, dann ist das Eingangsschauhaus Siesmayerstraße wegen Bauarbeiten geschlossen.

Draußen gibt sich die Natur auch große Mühe zum großen Finale.

Zurück zum großen Finale. Draußen hat der Herbst in diesem Jahr etwas später den Farbkasten hervorgeholt, was an den lange erwarteten und dann endlich eingetroffenen Regenfällen lag. So gibt es im Vergleich zu den besonders harten Dürrejahren 2018 und 2019 noch einiges Grün, was auch die Ausstellung drinnen spiegelt. Eine natürliche Herbstlandschaft soll es sein, durch die die Menschen wandeln, auch wenn manche Pflanzen schon vor einem Jahr bestellt wurden, damit sie jetzt so schön sind, dass man sie vorzeigen möchte.

Und wenn die Schau in zweieinhalb Wochen zu Ende ist? Dann werden die allermeisten der ausgestellten Stauden und Gräser, Bäumchen und Büsche draußen weiterverwendet. „Ich finde ganz wichtig, dass wir sie nicht einfach wegwerfen“, sagt Heukemes.

Bis dahin gibt es viel zu entdecken, etwa das prachtvolle Foto der Dahlie namens „Palmengarten Frankfurt“, das Kustodin Hilke Steinecke schon zum Erntedank überdimensional beisteuerte, und eine gemütlich arrangierte Terrassenszene zum Ideenholen – aber nicht zum Hinsetzen! Dafür stehen kleine Bänke bereit, als Test. Sie sollen nur dem kurzen Verschnaufen dienen, keineswegs dem ausgiebigen Verweilen. Klappt das nicht, werden sie wieder entfernt, denn das große Finale der Natur ist leider genauso überschattet wie der große Aufbruch der Natur im Frühjahr. Corona diktiert die Umstände – aber das Blühen und Vergehen lässt sich davon nicht aufhalten.

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