1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurter Erfolgsmodell Mainbecher

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Stillbauer

Kommentare

Was’ n dolle Bescher.
Was’ n dolle Bescher. © Rolf Oeser

Am Aufschwung des Frankfurter Mehrweggefäßes hat auch die Eintracht ihren Anteil. Ein Pfand-Angebot ist auch für Essen zum Mitnehmen in Planung.

Sage und schreibe 25 Millionen Kaffeebecher zum Wegwerfen musste Frankfurt jährlich verkraften. Fünfundzwanzig Millionen. „Musste“, weil: Die Zahl stammt aus dem Jahr 2019. Es wäre kaum verwunderlich, wenn die Corona-Bedingungen für einen weiteren Anstieg gesorgt hätten. Falls das doch nicht der Fall ist, könnte es auch ein Verdienst des Mainbechers sein.

Beim Mainbecher handelt es sich um ein Pfandsystem für Kaffeebecher. Er ist natürlich auch für andere Getränke verwendbar, aber um beim Beispiel Kaffee zu bleiben: Die Kaffeefreundin, der Kaffeefreund erwirbt für drei Euro eine Pfandmarke. Bei 150 Systempartnerstellen, meist Cafés, aber auch Tankstellen, lässt sich diese Marke dann gegen ein Getränk im Mainbecher eintauschen. Wenn er leer ist, gibt man den Becher zurück und erhält wieder eine Marke.

Die Zahl der teilnehmenden Stellen sei relativ konstant, sagt Stefan Röttele, Sprecher der Frankfurter Entsorgungs- und Servicegesellschaft; das habe aber auch damit zu tun, dass so manches Café in Frankfurt während der harten Corona-Zeit schließen musste. Es kämen also durchaus Partner dazu.

Der graue Becher selbst ist aus 100 Prozent nachwachsendem Material (Harz, Stärke, Glukose, Wachs). Etwa 66 000 Stück sind davon mittlerweile im Umlauf – doppelt so viele wie noch vor einem Jahr. Gründe für den rasanten Anstieg sind einige Großabnehmer, sagt Röttele, „und der Becher mit Eintracht-Manschette, der stark gezogen hat“. Aber auch das neue Verpackungsgesetz zur Stärkung des Mehrweggedankens dürfte dazu beigetragen haben.

Darauf lässt sich aufbauen. Akquise und Vertrieb liefen derzeit auf Hochtouren, berichtet die FES. Allein mehr als 1700 Personen nahmen an einem Gewinnspiel teil, bei dem es ein von allen Eintracht-Spielern signiertes Fußballtrikot zu gewinnen gab (wahrscheinlich das letzte mit dem Autogramm von Martin Hinteregger) und einen Mainbecher mit der Unterschrift von Eintracht-Trainer Oliver Glasner. Bei den American Footballern der Frankfurt Galaxy gibt es in dieser Saison den Becher mit Hitzemanschette im Galaxy-Style. Und der Mainbecher heuert demnächst auf der Fregatte „Frankfurt am Main“ an, um auf den sieben Weltmeeren mitzusegeln. Als Zubehör gibt es neuerdings einen schwarzen Stöpsel, der für Auslaufsicherheit in der Tasche sorgt. Bewährt ist die Filzmanschette, wenn der Becherinhalt heiß ist.

Und weitere Mehrweglösungen? Die FES verhandelt derzeit mit einem Systembetreiber über ein pfandbasiertes Angebot nicht nur für Getränke, sondern auch für Essen zum Mitnehmen. Das könnte auch bei Veranstaltungen zum Einsatz kommen. Die Hoffnung ist groß, im Herbst damit an den Start gehen zu können.

Unabhängig davon ist schon seit einiger Zeit in vielen Frankfurter Geschäften ein Tauschsystem für Einkaufstaschen im Gang: Man kann eine Einkaufstasche dalassen, und wer gerade keine dabei hat, bedient sich. Spart auch Material.

In Frankfurt, erinnert Röttele, gelten die Grundsätze der Zero Waste City: Bis 2035 soll die Menge an Restabfall pro Kopf und Jahr von derzeit 205 auf 120 Kilogramm sinken. Die Gesamtmenge an Siedlungsabfall jedes und jeder Einzelnen im Jahr gilt es, um zwei Prozent zu reduzieren.

Auch interessant

Kommentare