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Frankfurter Eltern vor der Schulwahl

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Von: Sandra Busch, Georg Leppert

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Am Heinrich-von-Gagern-Gymnasium machen die Schülerinnen und Schüler nach acht Jahren Abitur.
Am Heinrich-von-Gagern-Gymnasium machen die Schülerinnen und Schüler nach acht Jahren Abitur. © Peter Jülich

Die weiterführenden Schulen in Frankfurt laden zu Tagen der offenen Tür ein. Bei einem altsprachlichen G8-Gymnasium wie dem „Gagern“ ist der Informationsbedarf besonders hoch.

Eine Punktlandung wäre schön. Sagt Gerhard Köhler, Schulleiter am Heinrich-von-Gagern-Gymnasium. 120 Plätze für Fünftklässler:innen stehen an der Schule im Frankfurter Ostend zur Verfügung. Und Köhler, der vor vier Jahren vom Lessing-Gymnasium ans „Gagern“ wechselte, hofft auf ebenso viele Anmeldungen als Erst- oder Zweitwunsch.

Unrealistisch ist das nicht. In den Jahren 2019 bis 2021 ging die Rechnung fast genau auf, nur im vorigen Sommer gab es „einige wenige Zuweisungen“ seitens des Staatlichen Schulamts, sagt Köhler.

Für die kommenden Wochen laden die weiterführenden Schulen Viertklässler:innen und ihre Eltern zu Tagen der offenen Tür ein. Danach muss eine Entscheidung her. Die Eltern dürfen einen Erst- und einen Zweitwunsch abgeben.

Schulwahl: Nicht jeder Wunsch wird erfüllt

Es wird nicht jedes Viertklässlerkind an seiner Wunschschule einen Platz bekommen. So viel ist auch in diesem Jahr sicher. Denn es gibt einfach Schulen, die sehr gefragt sind und daher Kinder ablehnen müssen. Doch die Zahl der Kinder, die einer Schule zugewiesen werden, ist in den vergangenen beiden Jahren gesunken. Waren es in den Jahren davor immer rund zehn Prozent der Schülerinnen und Schüler im Übergang, die keinen Platz an einer ihrer Wunschschulen erhielten, so waren es 2021 und 2022 jeweils rund sieben Prozent.

Dass die Zahl sinkt, führt das Staatliche Schulamt auf die gestiegene Akzeptanz der neuen Schulen zurück. Oft hatten neue Schulen in den Eröffnungs- und Folgejahren Probleme, ihre Plätze zu vergeben und bekamen Schüler:innen zugewiesen. Wie einst das Gymnasium Nied, das aber nun als Adorno-Gymnasium im vergangenen Jahr mit Erstwünschen voll war. Einstige „Zuweisungsschulen“ sind inzwischen sehr beliebt und müssen eben nicht mehr aufgefüllt werden. Und auch ganz neuen Schulen wird inzwischen schneller Vertrauen geschenkt: Das in diesem Schuljahr gestartete Gymnasium Süd konnte auf Anhieb mehr als die Hälfte seiner Plätze mit Kindern belegen, die sich die Schule ausgesucht hatten.

Die Zahl der Widersprüche gegen Zuweisungen an von den Eltern nicht gewünschte Schulen hat deutlich abgenommen. Staatliches Schulamt und auch Stadtelternbeirat führen das darauf zurück, dass seit 2020 das Losglück bei der Vergabe der Schulplätze eine größere Rolle als zuvor spielt, seitdem können die Schulen viel weniger Kriterien zur Auswahl ihrer Schüler:innen anwenden. 71 Widersprüche gab es im vergangenen Jahr, vor dem Losverfahren waren es auch mal 164. Das Losen führe zu mehr Akzeptanz einer Zuweisung als die Ermessensauswahl einer Schulleitung, heißt es. Man hat eben einfach Glück oder Pech gehabt.

Schulwahl: Ängste lassen sich oft ausräumen

Also alles halb so wild bei der Schulwahl? Nun, am Ende waren es im vergangenen Jahr dennoch 410 Kinder, die eine Schule besuchen müssen, die sie sich nicht ausgesucht haben. Für die eine Absage doch ein Drama sein kann. Es geht um Familien, die sich womöglich monatelang nach der besten Schule fürs Kind umgeschaut haben und am Ende traurig und enttäuscht waren. Oft liegen die Schulen, die Zuweisungen erhalten, in den Randlagen – und können weite Fahrtwege fürs Kind bedeuten.

Dass eine solche Zuweisung für Kinder und Eltern eine emotional belastende Situation sein kann, sieht auch Schulleiter Köhler. In den allermeisten Fällen ließen sich Ängste und Vorbehalte aber in Gesprächen schon vor Beginn des Schuljahres ausräumen.

Wobei Köhler vor einer besonderen Herausforderung steht. Nur seine Schule, das Lessing-Gymnasium und die Carl-Schurz-Schule verfahren in Frankfurt noch nach dem G8-Modell, bringen die Schüler:innen also in acht statt wie üblich in neun Jahren zum Abitur. Und: „Gagern“ und „Lessing“ sind altsprachliche Gymnasien. Die Fünftklässler:innen lernen als erste Fremdsprache Latein. Beides schreckt viele Kinder und Eltern ab.

Schulwahl: Auch G8 ist eine Alternative

Muss es aber nicht, wie Köhler im Gespräch mit der FR betont. Wobei das „Informationsbedürfnis“ vieler Eltern vergleichsweise hoch sei – „verständlicherweise“. Viele Vorurteile über G8 und das altsprachliche Modell hat er schon gehört. Auf alle gibt er eine klare Antwort.

Bei G8 bleibt den Kindern keine Freizeit? Nein, sagt Köhler, gerade in der fünften Klasse unterscheide sich der Stundenplan kaum von dem an G9-Schulen. Im Übrigen seien die Arbeitsgemeinschaften des Gymnasiums gerade in der Mittelstufe sehr gut nachgefragt. „Dies wäre ja nicht der Fall, wenn die Schülerinnen und Schüler keine Freizeit hätten“, sagt Köhler.

Das „Gagern“ sieht sich mit seinem G8-Modell als Eliteschule? „Unsinn“, sagt Köhler, „zu uns kommen ganz unterschiedliche Kinder.“ Eine Gymnasialempfehlung der Grundschule sieht er schon als wichtig an, damit die Kinder in der fünften Klasse gut mithalten könnten. Erheblichen Einfluss auf die weitere Schullaufbahn habe dann ohnehin die Pubertät, glaubt Köhler, das gelte aber für alle weiterführenden Schulen.

Schulwahl: Amt nennt keine Zahlen

Und Latein ab der fünften Klasse? Eine tote Sprache? „Wir sehen Sprache nicht nur als Kommunikationsmittel“, sagt Köhler. Sondern auch als Schlüssel, um die jeweilige Kultur näherzubringen. Zudem sei Latein wichtig, um andere Sprachen zu verstehen. Auch die deutsche.

Diese und andere Argumente wird Köhler beim Informationstag des Gagern-Gymnasiums am Samstag, 11. Februar, oft nennen. Und er wird Statistiken präsentieren. Etwa: Stadtweit verließen rund 30 Prozent der Schüler:innen den gymnasialen Bildungsgang vor dem Abitur. Auf dem Gagern-Gymnasium liege die Zahl der Abgänger:innen bei zehn Prozent.

Ob Köhlers Schule deshalb diesmal sogar mehr Anmeldungen bekommt als Plätze vorhanden sind? Oder ob es doch Zuweisungen gibt? Beides würde der Schulleiter gerne vermeiden.

Welche Schulen im Vorjahr heillos überlaufen waren, bei welchen man mit Zweitwunsch reinkam oder welche Schulen noch freie Plätze hatten – diese Zahlen werden eigentlich nicht veröffentlicht. Nur einmal gab es eine solche Liste der Anmeldezahlen in den vergangenen Jahren. 2018 war das. Die Anmeldezahlen von fünf Schuljahren waren aufgelistet. Und da zeigte sich, dass Eltern ziemlich launisch wählen und sich wenig daraus für das Wahlverhalten des nächsten Jahres ablesen ließ. Damals stand übrigens eine integrierte Gesamtschule an der Spitze, hatte die meisten Anmeldungen in der Stadt.

Die Schulmaterialien sind bereit – aber welche weiterführende Schule soll es sein?
Die Schulmaterialien sind bereit – aber welche weiterführende Schule soll es sein? © Imago

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