Forderungen

Frankfurter Eltern fordern täglichen Kita-Besuch

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Das Konzept zur Öffnung der Kitas sieht zwei feste Tage für jedes Kind in der Woche vor. Das geht berufstätigen Eltern nicht weit genug.

Vier Tage vor Wiederöffnung der Kitas hat Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) ein Konzept vorgelegt. „Das ist viel zu spät“, kritisiert die Stadtverordnete Ayse Dalhoff (Linke). Die Kita-Leitungen müssten nun übers Pfingstwochenende die Eltern erreichen. „Wir können nur hoffen, dass am Dienstag kein Chaos vor den Kita-Türen entsteht.“ Und die Kurzfristigkeit nehme kein Ende. „Zu den Schließzeiten in den Sommerferien verhält sich das Konzept überhaupt nicht.“

SPD-Stadtverordnete Milkica Romic lobt dagegen das „ausgereifte Konzept“, das innerhalb von nur vier Tagen entstanden sei. Die Landesregierung habe das nach mehreren Wochen nicht hinbekommen und kurzfristig entschieden, die Aufgabe zur Erstellung des Konzepts auf die Kommunen abzuwälzen. „Es wäre die Aufgabe des grünen Sozialministers Kai Klose gewesen, die Träger zusammenzubringen und mit ihnen einen Plan für die kommende Zeit zu erarbeiten.“

Auf Zustimmung stößt das Konzept auch bei den Grünen. „Der Infektionsschutz und damit der Schutz der Gesundheit von Kindern, Erzieherinnen und Erziehern muss im Vordergrund stehen“, sagt Birgit Ross. Im Konzept werde deutlich, dass die Corona-Pandemie alle Entscheidungen über Öffnungszeiten, Gruppengrößen und pädagogische Konzepte präge. Insbesondere die Idee des Konzepts vom Spielen vorwiegend im Freien diene der Reduktion der Infektionsgefahr.

Kern: Eltern in Kita-Betreuung einbeziehen

Wenig Zustimmung erfährt das Konzept mit einer Rückkehr der Kinder von zwei bis drei Tagen in der Woche bei Susanne Kern von der Elterninitiative „Familien in der Krise“. „Wir brauchen eine Rückkehr auf täglicher Basis“, sagt sie. Für berufstätige Eltern sei das nun nur ein minimaler Schritt – wenn überhaupt. „Der Standardfall sind zwei Kinder. Wenn die in unterschiedlichen Einrichtungen sind und an unterschiedlichen Tagen betreut werden, hilft das Eltern gar nicht.“

Kern plädiert auch dafür, Eltern in die Kita-Betreuung einzubeziehen: „Ich kann momentan sowieso nicht arbeiten, da kann ich auch einen Tag in der Kita meiner Kinder verbringen, wenn sie dafür an vier anderen betreut sind.“ Auch verringert sich für Kern die Infektionsgefahr durch einen täglichen Kita-Besuch. „Die Realität in den Familien sieht doch so aus: Kinder sind an den drei Tagen, an denen sie nicht in der Kita sind, woanders.“ Weil es nicht anders geht, sind sie mal bei Großeltern, mal in einer Spielgruppe, mal bei einem Babysitter. „Das ist im Sinne der Infektionsschutzes nicht zu unterstützen. In der Kita sind sie in einer festen Gruppe.“

Minister Klose hat sich unterdessen per E-Mail an die Kinderbeauftragten und Kinder Frankfurts gewandt, die ihm kürzlich in einem Brief ihre Sorgen rund um die Schließungen geschildert hatten. „Wir Erwachsene tragen für Euch die Verantwortung“, schreibt er. Schulen hätten aber wieder geöffnet, Kitas folgten. „Das ist alles noch nicht wie vor Corona“, schreibt Klose und bittet um Geduld. „Solange kein Impfstoff und keine wirksamen Medikamente gefunden sind, müssen wir alle wachsam bleiben und aufeinander Rücksicht nehmen.“

Von Sandra Busch

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