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Kaweh Nemati ist einer der wenigen Händler in Frankfurt, die sich für die 2G-Option entschieden haben.
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Kaweh Nemati ist einer der wenigen Händler in Frankfurt, die sich für die 2G-Option entschieden haben.

Corona-Regeln in Frankfurt

Frankfurt: Einzelhändler setzt auf 2G: „Leute schließen sich selbst aus“

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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Seit dieser Woche darf auch der Einzelhandel in Hessen nur Geimpfte und Genese einlassen. Doch nur wenige in Frankfurt setzen die 2G-Regel gegen das Coronavirus um. 

Frankfurt – Einen Türsteher, der den Impfnachweis vor den zwei Boutiquen auf der Berger Straße in Frankfurt kontrolliert, gibt es nicht. „Das wäre unsympathisch. Wir sprechen die Kundinnen direkt an und sagen ihnen: ‚Wenn Sie geimpft sind, können Sie gerne die Maske abnehmen.‘ Ansonsten weisen wir sie freundlich darauf hin, dass bei uns ab jetzt die 2G-Regel gilt, weil viele die Schilder vor der Tür noch übersehen“, sagt Kaweh Nemati, der Inhaber der beiden Damen-Boutiquen Escatira und Romy. Er ist zudem Vorsitzender der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße.

Seit Donnerstag gilt in Hessen nun nach Gastronomie und Clubs auch für den Einzelhandel die 2G-Option. Somit steht es den Betreiber:innen frei, nur noch gegen Corona Geimpfte und Genese in ihren Geschäften zu empfangen und dann auf Abstands- und Maskenpflicht zu verzichten. Doch Nemati ist eine Ausnahme: Für vier von fünf Handelsbetrieben in Hessen ist das 2G-Modell einer Umfrage zufolge keine Option. Das geht aus einer am Freitag abgeschlossenen Befragung des Handelsverbands Hessen unter seinen Mitgliedern hervor.

2G im Einzelhandel: Läden in Frankfurt wollen keine Kunden verlieren

Überhaupt sind bislang 2G-Einlass-Schilder im Einzelhandel in Frankfurt kaum zu entdecken. Auch Supermärkte wie Edeka, das Möbelhaus Ikea, Optiker wie Fielmann oder Drogeriemärkte wie „dm“ verzichten darauf. Joachim Stoll, Vizepräsident des Handelsverbands Hessen-Süd, sagt: „Für die Mehrheit der Frankfurter Einzelhändler ist die 2G-Regel aktuell kein Thema. Sie wollen nicht auf weitere Kunden verzichten. Ein Einzelhändler sagte mir: ‚Wir brauchen jeden einzelnen Kunden, gerade im kommenden Weihnachtsgeschäft.‘“

Stoll betont, dass viele Einzelhändler:innen es aber trotzdem gut fänden, dass sie nun selbst entscheiden könnten, ob sie vielleicht in Zukunft – mit steigender Impfquote – doch 2G wählen. Gerade für kleine Boutiquen oder für Veranstaltungen sei 2G eine Option. Ernst Schwarz, der selbst mit seiner Frau den Laden „Pelze am Dornbusch“ betreibt und zudem der erste Vorsitzende des Dachverbands Frankfurter Gewerbevereine ist, sagt: „Für Events wie eine Modenschau, da könnte ich mir vorstellen, dass einige Ladenbetreiber 2G in ihren Läden durchführen, aber im Alltag wird sich das nicht durchsetzen. Man will doch auch keine Kunden verscheuchen.“

Boutique-Betreiber in Frankfurt führt 2G ein: Keine Angst vor einem Shitstorm

Aber warum macht es Nemati? Er habe lange mit seinem Team überlegt: „Es ist einmal für uns selbst eine Wohltat, nach fast zwei Jahren ohne Maske arbeiten zu können. Und auch die Kundinnen sind sehr glücklich darüber. Gerade in der Modebranche ist es wichtig, dass wir nicht nur die Augen, sondern die ganze Person, ihre Mimik, sehen können, um unsere Kundinnen richtig beraten zu können. Nur so kann man sagen, was ihnen steht.“ Alle Mitarbeiter:innen seien geimpft. „Es ist Zeit, dass wir wieder mit einer Normalität belohnt werden. Wir schließen niemanden aus. Die Leute, die sich nicht impfen lassen wollen, schließen sich selbst aus.“

Angst vor einem Shitstorm habe er nicht. Er wolle sich auch nicht einschüchtern lassen. In den ersten beiden Tagen musste er nur eine Kundin wegschicken, die habe aber verständnisvoll reagiert. Er werde weiter beobachten, ob die Stimmung so positiv bleibe und wie sie personell die Kontrollen an Wochenenden umsetzen könnten, wenn mehr Kundinnen kämen.

Umfrage

Hessen hatte am Dienstag das 2G-Optionsmodell auf den gesamten Einzelhandel ausgeweitet – also auch auf den Lebensmittel-Einzelhandel. Dieses gilt seit Donnerstag.

Bis dahin war das Zugangsmodell im Handel ausschließlich bei Veranstaltungen erlaubt. Betreiber:innen im Kultur-, Gastronomie- und Veranstaltungsbereich konnten bereits vorher die 2G-Regel anwenden. Wer nur Geimpfte und Genesene in seine Räume oder Läden lässt, darf auf die Abstands- und Maskenpflicht verzichten.

Laut der Blitzumfrage des Handelsverbands Hessen verzichten die meisten der 7200 Mitglieder auf das 2G-Optionsmodell. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hatte bereits zum Start der bis zum 7. November verlängerten Verordnung gesagt, er gehe davon aus, dass Geschäfte des alltäglichen Bedarfs eher keinen Gebrauch von dem Optionsmodell machen (dpa/rose)

Handelsverband Hessen befragt Einzelhändler zu 2G: Viele setzen weiter auf Masken und Abstand

Die Befragung des Handelsverbands Hessen ergab auch, dass Unternehmen mit beratungsintensiven Sortimenten wie Brautmoden- und Fotofachgeschäfte sich 2G vorstellen könnten. Wendy Martin, Inhaberin des Second-Hand-Brautmodeladens „Brautkleid bleibt Brautkleid“ in der Frankfurter Innenstadt, versteht das nicht: „Wir vergeben zwar nur Einzeltermine und klar gibt es auch zwei Jahre nach der Pandemie Kundinnen, die sagen, sie wollen mal kurz die Maske abnehmen, damit sie sehen, wie ihnen das Brautkleid steht. Aber das halte ich für zu gefährlich. Denn auch geimpft oder genesen zu sein, bietet keinen 100-prozentigen Schutz. Deswegen gibt es bei uns weiter Maskenpflicht. Das ist sicherer für uns und unsere Kundinnen. 2G ist für mich keine Alternative.“

Matthias Gruner vom Sachsenhäuser Modelabel Leonid Matthias sagt: „Damit sich die Kundschaft bei uns noch sicherer fühlen, haben wir Luftfilter installiert. Wir setzen weiter auf Masken und Abstand, wir wollen niemanden ausschließen.“ Die Geschäftsführerin von „Der Brautladen Frankfurt“, Meike Buschening-Kaffenberger, setzt ebenfalls darauf und ist gegen 2G: „Da für mich eine Ausgrenzung von Menschen und eine Spaltung der Gesellschaft nicht in Frage kommt. Ich habe in meinem Brautmodengeschäft meine persönlichen 3Gs: gesund, glücklich und geliebt. Bei uns gibt es einen ganz besonderen Virus, der alle Bräute infiziert hat, und dieser heißt Liebe.“ (Kathrin Rosendorff)

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