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Ehrung

Frankfurter Ehrenplakette für Harald Fiedler

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Oberbürgermeister Peter Feldmann zeichnet den langjährigen Gewerkschaftschef Harald Fiedler aus.

Jeder Zugezogene hat so seine eigenen Erinnerungen an seinen ersten Tag im großen, bösen, gefährlichen Frankfurt. Jedenfalls galten diese Zuschreibungen in den 70er Jahren noch, als Harald Fiedler in die Stadt kam. Aufgewachsen war er in Nordhessen, auf dem Edersee hatte er das Segeln gelernt, bei der Post im Waldecker Land war er in die Lehre gegangen. Und nun kam Fiedler nach Frankfurt und wurde gleich Zeuge eines Überfalls auf eine Metzgerei. Fiedler stoppte den Täter, indem er sich ihm mit dem Postauto in den Weg stellte, „und eine Viertelstunde später kamen dann vier Polizisten und haben den Mann erst einmal zusammengeschlagen“. Willkommen in Frankfurt.

Es hat dann noch ein paar Jahre gedauert, bis Fiedler das Briefeaustragen aufgegeben hat und Gewerkschafter wurde. 27 Jahre lang war er im DGB aktiv, 21 davon als Vorsitzender der Gewerkschaftsregion Frankfurt/Rhein-Main.

Am Montag erhielt der 68-Jährige, der 2016 in Ruhestand ging, für seine Verdienste die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) überreichte sie Fiedler im Kaisersaal, in den nur einige Dutzend Gäste kommen durften, die im Abstand von jeweils anderthalb Metern zueinander saßen.

In seiner Dankesrede brachte Fiedler das Kunststück fertig, innerhalb weniger Minuten unterhaltsam auf mehr als zwei Jahrzehnte Gewerkschaftsarbeit zurückzublicken. Erst der Kampf um die 35-Stunden-Woche. Später die Pleite von Philipp Holzmann, als Fiedler mit 800 Bauarbeitern vor die Alte Oper zog, wo gerade ein Bankenkongress stattfand. Und dann die Proteste gegen Hartz IV, als Initiativen das Arbeitsamt besetzt hatten. „Vielleicht schreibe ich das alles einmal auf“, sagte Fiedler. Das sollte er tun. Unbedingt.

Peter Feldmann nutzte in seiner Laudatio auf den „lieben Harald“ oft die Worte „wir“ und „uns“. Denn an zahlreichen Aktionen des DGB war der Oberbürgermeister beteiligt. Etwa am Protest gegen Bauunternehmen, die osteuropäische Arbeiter um ihren Lohn prellen wollten. Oder am Engagement des Römerbergbündnisses gegen Rechtsextreme, das Fiedler geprägt habe.

Harald Fiedler sagte dann noch, anders als in anderen Regionen habe es im Frankfurter DGB keine Uneinigkeit gegeben. Und: Der DGB habe oft Seite an Seite mit Politikern gekämpft – auch mit CDU-Politikern.

Wirtschaftdezernent Markus Frank und Kämmerer Uwe Becker blieb da nur, anerkennend zu nicken.

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