+
„Maria 2.0“: Frauen protestieren gegen die Ungleichbehandlung in der katholischen Kirche.

Kritik an Kirche

„Für die Kirche, nicht gegen sie“

Frauen der Frankfurter Dompfarrei St. Bartholomäus fordern Partizipation und Anerkennung. 

Rund 30 Frauen und auch ein paar Männer stehen vor der Kirche St. Ignatius nahe dem Opernplatz. Es ist windig, es ist kalt. Zwischen den sich begrüßenden Frauen vor dem Eingang zur Kirche steht ein längliches Gemälde, etwa zwei Meter hoch und 50 Zentimeter breit. Die schemenhaft gemalte Figur, bei der man eigentlich nur ein Gesicht, ein Frauengesicht, erkennen kann, stellt die heilige Maria dar. „Unsere Maria hier hängt eigentlich in der Kirche. Aber sie streikt natürlich mit – die ganze Woche“, erzählt Brigitte Müller, eine Katholikin, die sich ehrenamtlich in der Dompfarrei engagiert. „Ursprünglich stand das Gemälde im Altarraum. Der neue Pfarrer hat sie dann aber weggeräumt. Ob mit Absicht oder nicht: Das ist wieder mal bezeichnend für die Stellung der Frau in der katholischen Kirche!“

Nach einer Begrüßung trägt Monika Humpert, eine der Mitorganisatorinnen des Frankfurter Streiks, die Thesen vor, die sie im Team gemeinsam erarbeitet haben. „Wir engagieren uns für die Kirche, nicht gegen sie“, lautet die erste. Wandel und Aufbruch werden außerdem gefordert. Ein Aufbruch, bei dem die Talente der Frauen stärker zum Einsatz kommen. Das könne nur durch Geschlechtergerechtigkeit und Partizipation gelingen, so Humpert.

„Wir brauchen die Öffnung der Weiheämter für Frauen!“ Über die Hälfte der Mitglieder in der katholischen Kirche seien Frauen. Aber nur etwa drei Prozent hätten Führungspositionen inne. Das müsse sich ändern, denn Kirche dürfe nicht ausschließend, sondern müsse offen sein und allen die gleichen Rechte zugestehen.

„Ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Erneuerung ist die Abschaffung des Pflichtzölibats. Nur dann kann Kirche authentischer, weniger weltfremd, lebensnaher werden“, so Humpert. Anschließend stellen sich einige anwesende Frauen vor und lassen die anderen an ihren Gedanken teilhaben.

Vielfältig. So stellt Müller sich die Kirche von Morgen vor. Wenn sie Pfarrerin sein dürfte, würde sie Freude vermitteln und den Glauben nicht erzwingen: „Die Kinder sollen sich von selbst für oder gegen den Glauben an Gott entscheiden.“ Die Arbeit als Religionslehrerin hat ihr gezeigt, dass es wichtig wäre, Gottesdienst auch anders zu feiern, dass die Kinder sehen: Männer und Frauen sind in der Kirche gleich wichtig.

Pastoralreferentin Beatrix Henrich möchte nicht als Lückenbüßerin dienen: „Ich will, dass ich Aufgaben übernehmen darf nicht aus einem Mangel heraus – also weil keine Priester da sind –, sondern weil meine Fähigkeiten als Theologin erkannt werden!“

Nach Gebet, gemeinsamem Singen und Fürbitten lassen die Frauen den Abend im Pfarrsaal bei Tee und Selbstgebackenem ausklingen. „Mich trägt die Hoffnung – auch wenn es nur die Hoffnung im Moment ist. Aber wie sagt man so schön: Steter Tropfen höhlt den Stein. Uns tut es gut, dass wir nicht schweigen, sondern aktiv werden, auf die Straße gehen“, sagt Humpert.

Die 200 mal 50 Zentimeter-Maria bugsiert Müller nach der Demonstration vorsichtig zurück in ihren dunklen Kombi. Bis Sonntag noch begleitet sie die anderen Frauen bei ihrem Streik.

Autorin: Carolin Hasenauer 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare