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Mitarbeiterin Laura Margielsky an der Braille-Wand. Fürs Foto muss etwas Licht sein.
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Mitarbeiterin Laura Margielsky an der Braille-Wand. Fürs Foto muss etwas Licht sein.

Inklusion

Frankfurter Dialogmuseum lockt wieder ins Dunkle

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Begegnungen für Sehende und Nichtsehende nach fast drei Jahren auch Corona-bedinger Pause - am ganz neuen Ort.

Es plätschert. Vögel singen. Da ist eine Parkbank, dort ein Baum. Unter den Füßen wechselt der Belag. Wiese. „Es ist ein angenehmes Gefühl, mit dem Sie hereinkommen, denn es ist der erste Raum, den Sie sehen“, sagt Günter Stolzenberger, ehrenamtlicher Mitarbeiter im Dialogmuseum, „nein – den Sie nicht sehen.“ Das ist ja das Besondere an diesem Ort: Niemand sieht etwas. Stockdunkelheit. Aufs Hören und Fühlen kommt es an. Eben so, wie die Welt für blinde Menschen ist.

An diesem Donnerstag öffnet das Dialogmuseum in der B-Ebene der Hauptwache für Besucherinnen und Besucher. Es ist ein Neustart. 13 Jahre lang gab es den „Dialog im Dunkeln“, das Kernstück des Museums auf der Hanauer Landstraße. Dann musste das interaktive Museum umziehen, und fast drei Jahre nach dem letzten Eintrag ins alte Gästebuch lädt es wieder ein.

„Wir sind nach langer Zeit im Herzen von Frankfurt angekommen“, sagt Geschäftsführerin Klara Kletzka. Lang war vor allem die Corona-Zeit, die das Museum stoppte. Es folgten 17 Monate des Wartens und Bangens und Überlebens, auch dank vieler Sponsoren und der städtischen Förderung, für die sich Kletzka bei Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) bedankt.

Die Stadträtin antwortet ihrerseits mit Lob: „Einfach sensationell, was Sie hier geschafft haben, unglaublich schön gestaltet.“ Es ist viel Weiß und Rot zu sehen im Foyer – und dann sehr viel Schwarz in den weiteren Räumen, denn dort ist es dunkel.

Nicht ganz stockdunkel im neuen Klangraum, gestaltet vom benachbarten und ebenfalls mit den Eröffnungshufen scharrenden Museum für moderne elektronische Musik (Momem). Es hat eine 15-minütige Soundinstallation gezaubert, eine Reise durch Frankfurt. „Kopfkino mit Traumsound“, schwärmt Klara Kletzka, und Möbel, die den Klang körperlich spüren lassen.

Nacht im Ebbelwei-Express

Später folgt der dunkle Besuch in der Stadt samt ruckeliger Fahrt im Ebbelwei-Express, vom neuen Standort inspiriert, der Hauptwache, die von der Mobilität lebt. Auch die ganz reale U-Bahn ist zu hören und zu spüren, wie sie im Minutentakt durch die Höhlen unter der B-Ebene poltert. „Wir sind im urbanen Raum, nicht im Wald“, sagt Kletzka, „das gehört dazu.“

Tiefer drinnen im Museum gibt es dunkle und helle Seminarräume und eine lichtlose Bar, die Getränke serviert. Die Erfahrung ist für Sehende sehr bereichernd. „Sie schafft Verständnis für die Perspektive der jeweils anderen“, sagt Hartwig. Die Idee zum Dialog im Dunkeln, vor 30 Jahren von Andreas Heinecke in Frankfurt entwickelt, hätten inzwischen 29 Orte auf der ganzen Welt verwirklicht. Inklusion sei hier schon früh als Thema erkannt und umgesetzt worden.

Von der Herausforderung, Barrierefreiheit in der B-Ebene umzusetzen, berichtet die Geschäftsführerin. Es ist gelungen – und die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) habe eine Lüftungsanlage einbauen lassen, die nahe an der Laborqualität sei.

Ein Gewinn ist das Foyer. Besucher können sich umsehen, ohne gleich die Ausstellung zu bezahlen, und Dinge entdecken wie das Quiz „Blindheit und Empathie“ oder einen Berührbildschirm zum Informieren und Spenden, „das Portal des Guten“, wie es die Pädagogische Leiterin Maureen Ogrocki nennt.

15 Personen arbeiten im Dialogmuseum, etwas weniger als zuvor, was an der langen Pause liegt. Der Umbau kostete 830 000 Euro, geschultert zum größten Teil vom Landeswohlfahrtsverband, von der Aktion Mensch und mit einem Darlehen der GLS-Bank. Projekte werden folgen, darunter ein „Frankfurt Family Playday“, und die Polytechnische Gesellschaft sucht Sprachpaten für die Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte.

Information, Eintrittspreise und Öffnungszeiten: https://dialogmuseum.de

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