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Maxine Wille in ihrem neuen Frankfurter Pop-Up Store „Maxine Shoes“ in der Neuen Rothofstraße.

Modestadt Frankfurt

Highheels mit Popcorn

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Die renommierte Frankfurter Designerin Maxine Wille will tragbare, aber keine langweiligen Schuhe anbieten. Mit einem Pop-up-Shop kehrt sie nun in ihre Heimatstadt zurück.

Angefangen hat alles mit Popcorn und Wolken. Das sind die ersten beiden High-Heels-Modelle, die die Schuhdesignerin Maxine Wille im Jahr 2017 auf den Markt bringt, die in vielen internationalen Modezeitschriften gefeiert werden und immer noch begehrt seien. „Ich wollte unbedingt etwas mit digitalem Druck machen“, erzählt die 28-Jährige. Sogar in der „Vogue China“ waren schon bunt-poppige High Heels ihres Labels Maxine Shoes abgedruckt. Die Seite des Magazins hängt eingerahmt im Laden.

Normalerweise verkauft die gebürtige Frankfurterin ihre Schuhe vor allem über ihren Onlineshop. Sie hatte schon Pop-up-Shops in London und Paris. Und präsentierte ihr Label auf den Pariser und New Yorker Fashion Weeks. Und nun hat sie bis Ende des Jahres einen Pop-up-Shop in ihrer Heimatstadt geöffnet. Und zwar in der Neuen Rothofstraße unweit der Goethestraße und der Neuen Mainzer. Der Weihnachtsbaum ist schon aufgestellt, auf dem roten Teppich kann man einen Probelauf auf dem Catwalk vor dem großen Spiegel mit Goldrahmen hinlegen.

Anfangs dachte Wille, vor allem junge Frauen würden sich die High Heels aus Nappaleder mit bunten Prints, die an Cartoons erinnern, aussuchen. „Aber ich habe auch viele Kundinnen, die Juristinnen oder Bankerinnen sind. Und vom Alter her geht es bis 75 nach oben.“ Gerade in Asien seien ihre Schuhe begehrt. Die Modelle Wolke (280 Euro) und Popcorn (400 Euro) sind jeweils neun Zentimeter hoch. Aber mittlerweile bietet Wille viel mehr Modelle an – wie die High Heels mit den Zwinker-Smileys oder den nach oben zeigenden Fingern auf der Rückseite des Schuhes.

Modeserie

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Die Höhen sind unterschiedlich. So gibt es auch sieben Zentimeter hohe, aber eben auch flache Ballerinas oder Sandalen mit Goldkettchenverschluss am Fußgelenk. Nicht alle Schuhe haben einen Aufdruck. Passend zu Herbst und Winter gibt es Overknees aus schwarzem Wildleder mit goldenen Knöpfen, die die Frauen auch umklappen können, falls sie die Stiefel lieber nur bis zum Knie tragen mögen. „Sehr beliebt ist auch der Reitstiefel mit dem Gesicht einer Frau, die bei Regen hinter einer Scheibe sitzt. Ich habe die Frau in Paris gesehen und ein Foto gemacht und das dann gezeichnet“, so Wille.

Sie erzählt, dass sie ihre Eltern, die fern der kreativen Berufswelt sind – der Vater ist Jurist, die Mutter Steuerberaterin –, erst überzeugen musste, dass sie nach dem Abitur an der Europäischen Schule in Praunheim Modedesign studieren wollte. „Ich bin das karierte Gänseblümchen in der Familie“, sagt Wille lachend.

Sie studiert in Paris und London Modedesign. „Eigentlich wollte ich Damenbekleidung machen.“ Noch während ihres Studiums bewirbt sie sich für ein Praktikum bei Marc Jacobs in New York. „Anderthalb Jahre später boten sie mir einen Freelance-Job für drei Monate an. Es war eigentlich nur eine Vertretungsstelle ohne Krankenversicherung, aber zu Marc Jacobs zu gehen, war immer mein Traum.“

Nach sechs Monaten bekommt sie einen festen Vertrag. Drei Jahre arbeitet sie in New York. „Und bei Marc Jacobs habe ich dann auch beim Team, das Schuhe designt, mitgearbeitet und mich ins Schuhdesign verliebt.“ Sie besucht Schuhkonstruktionskurse, um ein handwerkliches Gespür zu entwickeln. Ihre High Heels sollen tragbar sein. „Sie sind innen weich und gepolstert, aber natürlich keine orthopädischen Schuhe.“

Wille beschließt, sich selbstständig zu machen. Ein Grund sei auch die harte Arbeitswelt bei Marc Jacobs gewesen. „An manchen Tagen kam ich erst um 8.30 Uhr nach Hause, dann habe ich nur kurz geduscht und bin wieder ins Büro.“ Das sei auf Dauer kein Leben. Sie geht zurück nach London, macht ihren Master in BWL, gründet auch ihre Firma.

Die Gerberei für Leder sowie die Manufaktur seien beides Familienbetriebe in Italien. „Meine Schuhe sind nachhaltig und ethisch vertretbar. Die Farben sind auch auf Pflanzenbasis, beim Laserdruck versuchen wir, so wenig Abfall wie möglich zu produzieren.“

Wille bietet auch maßgeschneiderte, sehr persönliche Modelle an. Die meisten Anfragen kämen von Bräuten: So habe sie für eine Kundin den Riemen der Sandale mit der Spitze des Hochzeitskleids der Oma bezogen. Oder ein Vater bat sie, um seine Tochter zu überraschen, eine Münze, einen Talisman, den die Tochter einst dem Vater gegeben hatte, in die Sohle des Brautschuhs zu integrieren.

Die Unikate kosten ab 600 Euro, die Grenze nach oben sei offen. „Eine Saudi-Braut bestellte mal Schuhe voll besetzt mit Swarovski-Steinen“, sagt Wille und lacht.

Gerade werde sie immer wieder gefragt, ob in Zeiten von Corona, in denen die meisten im Homeoffice sind und wenig ausgehen, das Geschäft mit den High Heels überhaupt laufe. „Tatsächlich verkaufe ich gerade mehr High Heels als flache Modelle. Viele Frauen wollen sich nicht gehen lassen. Aber vor allem wollen sie etwas Freude in ihren Alltag bringen, indem sie was Hübsches tragen.“ Wegen der Corona-Krise hat Wille ihre Wahlstadt London erst mal verlassen und ist zurück bei ihrer Familie in Frankfurt. Ob sie wieder nach London gehe, sei offen. „Da ist Corona, der Brexit. Ich gehe dorthin, wohin meine Schuhe mich tragen.“

Maxine Shoes , Neue Mainzer 74/Rothofstraße, Frankfurt. Geöffnet: Montag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr, und Samstag, 10 bis 19 Uhr. Infos und Onlineshop: www.maxineshoes.com.

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