1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurter Designer: „Prominente wie Soulja Boy oder Mario Balotelli tragen meine Sachen.“

Erstellt:

Von: Kathrin Rosendorff

Kommentare

Paulinus Fung M’englü besprüht bei der Frankfurt Fashion Lounge im Karmeliterkloster vor Publikum eine Lederjacke.
Paulinus Fung M’englü besprüht bei der Frankfurt Fashion Lounge im Karmeliterkloster vor Publikum eine Lederjacke. © christoph boeckheler*

Die Mode des Frankfurter Designers Paulinus Fung M’englü tragen Rapper und Fußballer. Seine Shirts und Hosen sind von ihm handbemalt oder im Graffitistil besprüht. Alles Unikate. Der 28-Jährige ist auch bei der Frankfurt Fashion Week dabei.

Paulinus Fung M’englü ist schon als Kind klar, dass es für ihn im Leben nur zwei Berufsoptionen geben kann: „Fußballprofi werden oder ein eigenes Modelabel gründen. Fußball und Mode sind die einzigen beiden Dinge, die ich kann“, sagt M’englü. Bis er 20 Jahre alt ist, verfolgt der gebürtige Kameruner beide Karrieren. Am Ende scheitert der Sprung in die Profifußballwelt, von da an widmet er sich ausschließlich seinem Traum vom Modelabel. Seine Shirts und Hosen sind von ihm handbemalt oder im Graffitistil besprüht. Alles Unikate, alle Unisex. Ein paar Sprühdosen hat der Frankfurter Designer in einer Tasche beim Interview am Mainufer dabei. Er will später Farben nachkaufen.

Bei der Frankfurt Fashion Lounge, die Teil der in dieser Woche in der Stadt stattfindenden Fashion Week ist, wird der 28-Jährige im Karmeliterkloster seine Mode im Showroom präsentieren und bei einer Liveperformance eine Lederjacke vor Publikum besprühen. „Ich habe aber schon vorgearbeitet, denn dahinter steckt viel Arbeit, das geht nicht in ein paar Minuten.“ An einer anderen Lederjacke habe er sechs Monate gearbeitet. „Es ist wie ein Bild malen“, sagt M’englü.

„Prominente wie US-Rapper Soulja Boy oder der italienische Fußballspieler Mario Balotelli tragen meine Sachen.“ Sein Streetwear-Label heißt M’englü Paris. Dass Promis seine Marke kennen, hat mit dem ehemaligen französischen Nationalspieler Djibril Cissé zu tun. Dieser hat ein eigenes Modelabel und schreibt M’englü persönlich 2017 auf Instagram an. „Er sagte mir, dass er den Flair meiner Sachen mag. Es war total unrealistisch, dass jemand, den ich jahrelang feierte, mir Komplimente macht.“ Aber nicht nur das. Cissé lädt ihn sogar persönlich nach Paris ein. „Ich habe dann auch für sein Label Monsieur Lenoir ein paar Sachen designt. Aber ich wollte mich dann auf mein eigenes Label konzentrieren. Bis heute gibt Cissé mir Feedback.“

Seine erste richtige Kollektion bringt M’englü Ende 2021 raus, und er nennt sie „Liberty“. Er selbst trägt beim Interview ein Shirt seiner Kollektion mit der Freiheitsstatue darauf. Er sei der Erste in der Familie, der in die künstlerische Richtung gehe. „Ich komme aus einer Arbeiterfamilie. Bis heute sagt meine Mutter: ‚Mach was Anständiges‘.“ 1994 wird er in Limbe, Kamerun geboren. Seinen Vater, der französische Wurzeln hat, lernt er nie kennen. Seine Mutter, eine Krankenschwester, geht zunächst allein nach Deutschland. Seine vier Geschwister und er bleiben bei den Großeltern in Kamerun.

„Meine Mutter wollte sich erst mal in Deutschland ein Standbein aufbauen, bevor wir nachkommen. Sie wollte, dass wir eine bessere Zukunft haben.“ Seine Großmutter habe ihn großgezogen. Bis heute besucht sie ihn regelmäßig in Deutschland. Als er von ihr erzählt, wischt er sich gerührt eine Träne weg. „Sie ist bis heute mein Lieblingsmensch.“ Mit neun Jahren kommt er mit der ältesten Schwester nach Deutschland. Knapp ein Jahr wohnt M’englü in Maintal-Bischofsheim, bevor die Familie nach Frankfurt-Fechenheim umzieht. Gerade die Anfangszeit sei hart gewesen. „Ich habe mich traurig und allein gefühlt. Meine Mutter musste viel arbeiten, meine Schwester, mit der ich kam, war sechs Jahre älter. Und alle anderen Geschwister lebten schon länger in Deutschland. Sie konnten die Sprache und hatten schon ihre Freunde.“

dIE sTREETEWEAR-mODE VON M’englü Paris

Die Kollektion Liberty gibt es zu kaufen auf: https://www.menglu-paris.com. Auf Instagram ist das Label unter: https://www.instagram.com/m.englu/

Bei seiner Großmutter habe er zu Hause Englisch, Französisch und den Dialekt Komm gesprochen. Erst im Fußballverein Fechenheim 03 findet er Freunde, lernt besser Deutsch. „Mit dem Fußball lief es immer besser, mit der Schule nicht so.“ Er bekommt einen Platz beim Nachwuchsleistungszentrum des FSV und schafft es als Erwachsener bis in die U23-Mannschaft von Darmstadt 98. „Aber am Ende hat es leider nicht für eine Profifußballkarriere gereicht.“

Die Mode läuft immer parallel. Mit elf Jahren zeichnet er erste Skizzen, später bemalt er seine Shirts, macht Löcher in die Kleidung. Anfangs lachen ihn Leute aus, irgendwann fragen seine Freunde ihn, ob er ihnen nicht auch solche Shirts machen könne. Die Mode sei für ihn auch eine Therapie gewesen. Denn er sei nicht nur mit Rassismus in der Schule und in der Fußballwelt konfrontiert gewesen. „Das, was ich bis heute nicht aussprechen kann, soll meine Mode ausdrücken. Fechenheim war ein hartes Pflaster: Freunde sind erstochen und erschossen worden.“ Er schluckt.

„Ich wusste immer, wohin ich will. Das hat mich wohl davor bewahrt, dass ich nicht im Gewalt- und Drogensumpf gelandet bin.“ Er macht sein Fachabitur. „Ich habe mir alles selbst beigebracht. Viele erfolgreiche Designer haben nie studiert.“

Die Schnitte erarbeitet er zusammen mit einem Grafiker am Rechner, produziert werde in China unter Fair-Trade-Konditionen, sagt er. „In Deutschland ist es zu teuer, Sachen produzieren zu lassen. Das kann ich mir nicht leisten.“ Seine Shirts kann man im Onlineshop ab 55 Euro, Hosen ab 90 Euro kaufen. Sein teuerstes Teil ist eine Trackhose, die 1500 Euro kostet. „Diese ist aber bereits ausverkauft.“ Noch kann er nicht von der Mode allein leben und so arbeitet er noch für eine Marketingagentur.

Dass sein Label den Familiennamen trägt, habe einen Grund. „Ich will meiner Familie was zurückgeben.“ Paris habe er gewählt, weil er eben auch französische Wurzeln habe und die Stadt für ihn für ein Freiheitsgefühl stehe. „Dort ist nicht alles so durchgetaktet wie in Deutschland.“ Nach Paris ziehen will er aber nicht. „Ich liebe Frankfurt. Ich will hier nicht weg.“

Ist Frankfurt eine Modestadt, wie einige behaupten? „Vergleiche mit Paris und New York finde ich zum Fremdschämen. Aber langsam entwickelt sich auch hier eine Modeszene. Es gibt tolle Newcomer-Label wie das sehr erfolgreiche Streetwear-Label 6PM.“

In fünf Jahren will M’englü seine Mode auf der Pariser Fashion Week zeigen. Aber nicht nur das. „Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass Frankfurt einen Platz auf der europäischen Modelandkarte bekommt.“

Auch interessant

Kommentare