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Der Frankfurter Designer Gabriel Stunz in seinem Sachsenhäuser Büro.

Modestadt Frankfurt

„Meine Mode soll durch Einfachheit wirken“

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Der Sachsenhäuser Designer Gabriel Stunz will mit seiner Herrenmode durchstarten. Angefangen hat alles mit einem Praktikum bei Calvin Klein in Hongkong.

Im Wintergarten seines Elternhauses in Sachsenhausen hat Gabriel Stunz seine erste Kollektion gezeichnet. Das war 2011. Im ersten Stock hat der 36-jährige Designer im früheren Bibliothekszimmer sein Büro eingerichtet. In der Mitte des Raums verpackt er an einem langen Tisch seine von ihm designten Hemden und Hosen für Herren für den Versand. Im Raum steht eine Schneiderpuppe, hinter dem Schreibtisch sind Fotos von Männermodels, die bekannte Marken tragen. Auf einem Foto steht der Chanel-Schriftzug. „Das sind meine Inspirationsbilder“, sagt der gebürtige Frankfurter. Sein Label heißt wie er: Stunz.

An diesem Tag trägt Stunz über dem T-Shirt ein offenes weißes Oversize-Hemd mit Mao-Kragen aus seiner eigenen Kollektion. Einige Teile seiner Kollektion kann man im Westend-Laden Fifty Eights Buy Heidt in der Kronbergerstraße 19 kaufen. Außerdem hat er seit kurzem einen Onlineshop „StunzistKunst“. Dort verkauft er auch Sachen von anderen Designern und Künstlern, die wie er keinen eigenen Laden haben. Das Sortiment umfasst Mäntel, Hemden, Hosen, T-Shirts aber auch Accessoires und Literatur. Stunz’ Hemden gibt es ab 175 Euro. Die Hosen je nach Material ab 250 Euro.

Die Farben sind klassisch: blau, weiß, beige, gestreift. Seine Mode beschreibt er selbst als einen Kontrast. „Ich mag den Clash zwischen der perfekt sitzenden klassischen Herrenkonfektion und diesen flüssig drapierten Formen. Ein Zusammenspiel von Weite und Enge.“ So sind seine Hosen nicht eng anliegend, sondern locker und haben einen tiefen Schnitt. „Meine Mode soll durch Einfachheit wirken.“

Seine Kollektion „Desperate for the miracle“. Stunz beschreibt seine Herrenmode als ein Zusammenspiel von Weite und Enge. Foto: Sybille Walter

Sein Elternhaus hatten die Großeltern gebaut. Eingerichtet hatte es seine Mutter, eine Französin. Von ihr habe er das Auge für schöne Dinge. „Jeder, der hier reinkam, dachte, er wäre in einem Landhaus in Frankreich. Das macht was mit einem“, betont Stunz. Mit seinem jüngeren Bruder habe er eine sehr freie Kindheit genossen.

„Ich wusste schon mit zehn Jahren: Ich will Mode machen. Ich konnte da noch nicht genau sagen, was, aber ich wusste, ich will mit Textilien arbeiten.“ Nach dem Abitur fängt er an, BWL in Frankfurt zu studieren. Mehr für seine Eltern als für sich selbst. „Dann aber wollte ich ausbrechen. Mein eigenes Leben leben.“ Sein Weg in die Mode beginnt mit einem Praktikum bei Calvin Klein in Hongkong. Der Vater hofft, er würde dort endlich merken, dass Mode kein einfaches Geschäft sei. Aber das Gegenteil ist der Fall. „Es hat mir richtig Spaß gemacht“, erzählt Stunz.

Modeserie

Vom 6. bis 8. Juli 2021 soll die erste Frankfurt Fashion Week stattfinden.

Ab 2022 ist geplant , sie sogar zweimal im Jahr auszurichten. Auch die Berlin Fashion Week wird weiterhin saisonal organisiert. Aber kann Frankfurt Mode?

In unserer neuen Serie stellen wir regelmäßig lokale Designerinnen, Modemacher und Ladenbesitzerinnen vor.

Sportmarken-Gründer über Handtaschen-Designerinnen bis zum Schuhmacher sind ebenso dabei wie auch Fashion-Influencerinnen. jkö/rose

Er entschließt sich, aufbauend auf seinem BWL-Studium zwei Jahre Management und Marketing für Mode an der Mod’Spé – Institut Supérieur de la Mode et Marketing in Paris - zu studieren. „Dort lernte ich auch Designgrundlagen sowie technische Grundlagen fürs Nähen.“ In Paris arbeitet er mit Designern wie Comme des Garçons und Damir Doma, dann zieht er nach New York und arbeitet bei Tim Hamilton. „Ich habe bei Tim Hamilton zunächst als Praktikant angefangen. Er war der erste US-Amerikaner, der zu dieser Zeit seine Sachen auf der Pariser Fashion Week zeigte. Hamilton hat mein Potenzial gefördert, und so stieg ich schnell zum Produktionsmanager auf.“ Er übernimmt die Koordination von Designteams und die Produktionsüberwachung.

Knapp zwei Jahre bleibt er in New York. „Irgendwann war der Punkt erreicht, dass ich zu weit weg von zu Hause war.“ In Frankfurt zurück, beschließt er, seine eigenen Ideen umzusetzen und präsentiert seine erste Kollektion auf der Berliner Fashion Week. „Aber kurz vor meiner zweiten Kollektion starb mein Vater. Und ich musste meine Mutter unterstützen. Meine eigenen Sachen waren erstmal für mehrere Jahre komplett auf Eis gelegt.“ Den Weg zurück in die Mode habe er sich richtig hart erkämpfen müssen. „Denn diese Mode- und Textilwelt ist so eine schnelle Maschine geworden. Wenn man sich zwei Wochen nicht bei jemanden meldet, dann weiß der andere schon kaum, wer man ist.“ Kurz habe er überlegt, nach Paris, wo modisch sein Herz immer noch dran hänge, zurückzukehren. Aber: „Mein Erwachsenenleben ist in Frankfurt und ich will auch, dass meine kleine Tochter hier aufwächst. Paris ist keine Stadt für Kinder.“

Und hier in seiner Heimatstadt will Stunz sich jetzt auf die Mode konzentrieren. „Ich zeichne, designe, habe aber auch mein Lager für meinen Shop im Haus.“ Seine Schnittmacherin sitzt in Frankreich, gerade habe er aber auch die Arbeit mit einem Frankfurter Schnittmacher begonnen. „Aber da muss man sich wie in einer Ehe erst zusammenfinden, so dass man irgendwann nicht mehr jeden Schnitt genau erklären muss, sondern der andere automatisch weiß, wie er meine Zeichnungen umsetzen soll.“

Genäht wird in Frankreich und Polen, die Fabriken kenne er persönlich, die Arbeitsbedingungen seien fair. „In Deutschland produzieren zu lassen, das ist leider für ein kleines Label wie mich nicht bezahlbar.“ Überhaupt sei es schwer, Fuß zu fassen als Designer in Frankfurt. „Hier wollen die meisten immer noch die großen, bekannten Luxusmarken tragen. Ich wünsche mir, dass man das durchbrechen kann.“ Ein großes Problem sei die fehlende Sichtbarkeit. „In Amsterdam oder Kopenhagen gibt es an jeder Ecke einen kleinen Modeladen. Ich hätte auch gerne einen kleinen Store in der Innenstadt mit einem Büro hintendrin. Nur das geht mit den Mietpreisen in Frankfurt nicht.“ Da müsse in Frankfurt noch mehr passieren.

Und wie findet Stunz, dass die Fashion Week Frankfurt im nächsten Jahr startet? „Frankfurt ist noch keine Modestadt, aber hat das Potenzial dafür. Die Frankfurter Fashion Week kann eine sensationelle Nummer werden. Ich will mich auf jeden Fall dort präsentieren. Diese Chance lass’ ich mir nicht nehmen.“

Die Mode von Gabriel Stunz gibt es auf: www.gabrielstunz.com

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