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Keltisches Pferdeskelett in Harheim.

Geschichte

Frankfurter Denkmalamt gräbt Schädel zum Schwärmen aus

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Das Frankfurter Denkmalamt präsentiert im Jahresrückblick für 2019 spannende Funde und Restaurationen in den Stadtteilen. Von Idolen der Steinzeit über verstorbene Pferde der Kelten bis zu Bauten des Zweiten Weltkriegs.

Die einzigen Menschen, die sich morgens über einen schönen Schädel freuen, sind Archäologen.“ Diesen Werbespruch eines Bierherstellers hat Andrea Hampel, Leiterin des Frankfurter Denkmalamtes, in ihren Vortrag über die Projekte der Bau- und Bodendenkmalpflege des vorigen Jahres eingeflochten. Die Zuhörer im Archäologischen Museum lachen. Und irgendwie passt der Spruch ja auch, denn spätestens beim Schädelfund in Harheim geraten alle Akteure ins Schwärmen.

Stadtrat und Planungsdezernent Mike Josef (SPD) resümierte, 2019 sei keines der rund 10 000 sichtbaren Bau-, Garten- und Kunstdenkmäler abgerissen worden: „In Frankfurt gibt es keinen leichtfertigen Abriss denkmalgeschützter Gebäude.“ Der Dezernent lobte die gute Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt und attestierte dem Amt, der Stachel im Fleisch des Baudezernats zu sein – das war durchaus positiv gemeint.

Restauriertes Wandbild von Künstler Eberhard Schlotter.  

Andrea Hampel stellte schließlich eine kleine Auswahl der zahlreichen Projekte der Bodendenkmalpflege aus dem vergangenen Jahr vor. In Nieder-Eschbach wurde ein gut erhaltenes kleines Idol aus der bandkeramischen Kultur gefunden; demnach stammt es aus dem 6. Jahrtausend vor Christus. „Das ist ein sehr seltener Fund“, sagte Hampel, weil die Idole in der Regel in zerbrochenem Zustand entdeckt werden. Es sei der erste Fund dieser Art seit 20 Jahren in Frankfurt. In der mutmaßlichen Grabstätte war auch anderer Schmuck gefunden worden. Darunter Tonperlen, die aus dieser Zeit in Frankfurt noch nie ausgegraben wurden.

Ein weiteres Highlight war mit Sicherheit die Entdeckung des besagten Schädels in Harheim. Die Leiterin berichtete, dass der gefundene Oberschädel immer noch in Bearbeitung sei. Er sei auf 3600 vor Christus datiert worden und wohl der Schädel einer Frau. Auffällig seien die rund abgenutzten Zähne, die darauf hindeuteten, dass sie häufig als dritte Hand genutzt wurden, also eventuell, um Dinge zu reißen, halten oder tragen.

Und einen weiteren Knochenfund gab es in Harheim. In der dortigen Keltenstraße wurde das Skelett eines Pferdes aus der Keltenzeit geborgen. Auffällig daran war eine Serie gebrochener Rippen. „Vermutlich durch den Tritt eines anderen Pferdes“, erklärte Hampel. Das schwerverletzte Tier sei trotzdem nicht gegessen worden, obwohl das nicht unüblich gewesen sei.

Ebenfalls aus der Keltenzeit stammt ein Brandgrab in Nieder-Eschbach. Darin entdeckten die Archäologen Bronzebeigaben, Keramik und blaue Ringperlen.

Von privat geschenkt: Römerkeramik aus der Nordweststadt.  

Bei Arbeiten am Fechenheimer Mainbogen wurden ausgehöhlte Holzstücke gefunden. Diese stammen aus der Steinzeit und seien ein ansonsten nur schwer zu fassender Fund, da Holz aus jener Zeit meist verrottet sei.

Ein überraschendes Geschenk gab es 2019 ebenfalls. Eine Privatperson aus Heddernheim vermachte dem Denkmalamt zahlreiche römische Keramiken. Diese waren einst beim Bau der Nordweststadt zutage befördert worden. Der Privatsammler habe alle Funde und Fundorte dokumentiert – ein Glücksfall für die Wissenschaftler.

Einen neuzeitlichen Fund gab es in Nieder-Eschbach. Dort wurden an der Straße „An der alten Ziegelei“ die Überreste eines Ringofens freigelegt. Die Vorrichtung zum Brennen von Ziegeln stammt aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

2019 gewann ein restauriertes Fachwerkhaus in der Bolongarostraße 166 die Auszeichnung „Hessischer Denkmalschutzpreis“; der Besitzer bekam ein Preisgeld von 4500 Euro. Auch die Auszeichnung „Grabpate des Jahres“ vergab das Frankfurter Denkmalamt wieder: Sie ging an das teilrestaurierte Grab der Familie La Guaita auf dem Hauptfriedhof. Der Titel „Denkmal des Jahres 2019“ ging an den Luftschutzbunker in Fechenheim. Stefan Timpe, Leiter der Bau- und Kunstdenkmalpflege stellte das Projekt vor.

Schädel einer Frau aus der Jungsteinzeit, gefunden in Harheim.

Der Hochbunker in der Gründenseestraße entstand zwischen 1941 und 1943 und war für 690 Personen ausgelegt. Im Zuge der Restaurierung wurde das Innere zu Wohnungen umgestaltet. Die äußere Farbgebung ist historisch korrekt, am Osteingang gibt es noch eine Schleusentür, und die Rundbögen der Vorhalle sind wieder in den ursprünglichen offenen Zustand versetzt worden.

Durchaus kontrovers sei die Wiederherstellung des ehemaligen Bundesrechnungshofs in der Berliner Straße diskutiert worden. „Die Architektur der 50er Jahre ist nicht im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen“, sagte Timpe. Es habe viel Kritik gegeben, als man das Gebäude unter Denkmalschutz stellte. Heute ähnelt der 1953 eingeweihte Bau wieder seinem damaligen Aussehen: Das Äußere ist in Schwarz-Rot-Gold gehalten, an der Nordseite entstand eine Grünfläche. Im Inneren wurden die Lampen erhalten, das im Foyer befindliche Wandbild von Eberhard Schlotter wurde restauriert.

Wieder in den Zustand von 1961 wurde die Trauerhalle auf dem Zeilsheimer Friedhof gebracht. Besonders auffällig ist die Buntverglasung hinter der Kanzel, die nach der Aufarbeitung und dem Entfernen einer Hecke vor dem Fenster farbenreich erstrahlt.

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