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Frankfurter Demo gegen Gewalt an Frauen: „Hey ja, stoppt die Gewalt“

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Von: Kathrin Rosendorff

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In diesem Jahr wurde in Frankfurt auch für die protestierenden Frauen im Iran demonstriert.
In diesem Jahr wurde in Frankfurt auch für die protestierenden Frauen im Iran demonstriert. © Rolf Oeser

Hunderte demonstrieren in Frankfurt gegen die geschlechtliche Unterdrückung beim Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen.

Ana weiß wie es ist, Zuhause verprügelt zu werden: „Mein älterer Bruder hat mich regelmäßig geschlagen. Deswegen bin ich mit 15 in ein Kinder- und Jugendhaus geflohen.“ Das erzählt die 17-jährige Schülerin während eine Musikerin auf der Bühne an der Frankfurter Konstablerwache am Freitagabend „Hey ja. Stoppt Gewalt gegen Frauen und Mädchen“ singt und Demonstrierende beim Refrain miteinstimmen.

Es ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, der auf das weltweite Problem aufmerksam machen soll. In Frankfurt sind mehrere hundert Menschen zur Kundgebung mit anschließender kurzer Demo gekommen.

Gewalt an Frauen und Mädchen: Es müsste mehr Anlaufstellen geben

Allein in Deutschland ist jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben von körperlicher oder sexueller Gewalt betroffen. „Alle zweieinhalb Tage wird eine Frau in Deutschland durch ihren Partner oder Ex-Partner getötet“, sagt Frauendezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Sie betont, dass die Nachbar:innen nicht wegsehen sollten, wenn sie häusliche Gewalt mitbekämen, sondern den Frauen helfen sollten.

Laut Frankfurter Kriminalstatistik (2021) haben 1297 Frauen und Mädchen häusliche Gewalt zur Anzeige gebracht und 564 Frauen und Mädchen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung gemeldet. Fünf versuchte Femizide wurden registriert. Die Dunkelziffer wird weit höher geschätzt. Ana sagt sie sei hier, weil zu wenig getan werde. „Es müsste bereits in der Schule viel mehr Aufklärung geben, dass sich die Mädchen auch trauen, die Tat zu melden. Es nicht schweigend ertragen. Es müsste auch mehr Anlaufstellen geben.“

Sie hält an diesem Tag ein Schild in die Höhe, auf dem steht: „Meine Sicherheit kann nicht von Laternen abhängig sein.“ Sie habe auch auf der Straße große Gewalt erfahren, fürchte nachts allein unterwegs zu sein. Unweit von ihr steht Katja (23). Sie sagt auch, sie fühle sich unsicher: „Wir müssen als Frauen auf die Straße gehen. Es bleibt uns nichts anderes übrig, solange wir uns nicht genauso sicher auf der Straße fühlen können wie Männer.“

Gegen Gewalt: Solidarität mit Frauen in Afghanistan, Iran und der Ukraine

Diesem Unsicherheitsgefühl will der Frankfurter Gibson Club etwas entgegensetzten. „Dass sich so viele Frauen nicht sicher fühlen, zeigt, dass es hier viel zu tun gibt. Wir in der Nachtgastronomie dürfen uns nicht aus der Verantwortung ziehen“, sagte Bastian Bernhagen, Geschäftsführer des Gibson Club, diese Woche. In seinem Club auf der Zeil gäbe es deswegen auch auf Wunsch Begleitschutz zum Taxi, dem geparkten Auto oder der nächsten Bahnstation.

Bei der Demo am Freitag geht es diesmal um die Solidarität mit dem Schicksal der Frauen im Iran, in Afghanistan und der Ukraine. Auf der Bühne steht auch Mona Sanati, eine deutsch-iranische Studentin.

Seit Beginn der Protestbewegung der Menschen im Iran hat sie gemeinsam mit ihren Kommiliton:innen die Initiative „Generation Azadi“ ins Leben gerufen. Sie erzählt, wie es ist, dass Frauen im Iran seit Jahrzehnten eben keine Reisefreiheit hätten, also die Erlaubnis des Mannes bräuchten. Und dass ihre Aussage als Augenzeugin „nur halb so viel wert ist“ wie die eines Mannes. Aber eben auch, dass sie nicht mehr in der Öffentlichkeit Sport machen oder Tanzen dürfen. Durch diese jahrzehntelange Unterdrückung sei ihre Wut deshalb stärker als ihre Angst getötet zu werden. Es sei ein Kampf gegen die Geschlechterapartheid. „Frauen leben Freiheit!“, ruft die Rednerin und die Menge stimmt ein, zeigt ihre Solidarität mit Trillerpfeifen.

Vergewaltigungen in der Ukraine: Gewalt an Mädchen und Frauen nimmt auch im Krieg zu

Samira Aslamzada hat in Kabul als Kommunikationsmanagerin gearbeitet und lebt jetzt in Frankfurt. Sie erzählt nicht nur, dass die Frauen in ihrem Heimatland kaum noch das Zuhause verlassen können, sondern auch, dass die Zahl der Kinderehen in Afghanistan zunehme.

Sehr bewegend ist die Rede von Mariia Sapa, eine Lehrerin aus der Ukraine. Sie ist mit ihren zwei Kindern geflohen. Sie erzählt von den Frauen, die noch in der Ukraine mitten im Krieg leben, die ihre Kinder ohne Strom, mit wenig Essen, ständigem Luftalarm und Angst, allein ohne ihre kämpfenden Männer durchbringen müssen.

Die Ukrainerin erzählt von Vergewaltigungen, die ihre Landsfrauen ertragen müssten, und einem Fall, bei dem ein drei Monate altes Mädchen das Opfer war. Für sie eine perverse Art der Machtdemonstration eines russischen Soldaten. „Ein drei Monate altes Mädchen!“ Unweit der Bühne ist es für einen Moment still. Ein Mann wischt sich die Tränen weg. (Kathrin Rosendorff)

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