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Frankfurter BUND pocht auf Wasserkonzept

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Von: Thomas Stillbauer

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Das frühere Polizeipräsidium, Teil des Planungsgebiets.
Das frühere Polizeipräsidium, Teil des Planungsgebiets. © Renate Hoyer

Der Kreisverband äußert Kritik am Bebauungsplanentwurf für das Areal des ehemaligen Polizeipräsidiums. Umwelt- und Planungsdezernat: Änderungen sind noch möglich.

Knapp 20 Jahre ist der Umzug des Polizeipräsidiums vom Platz der Republik an die Adickesallee her und noch länger existiert der Bebauungsplan für das umgebende Areal: Hemmerichsweg/Messeviertel heißt das Gebiet. Passiert ist seither, von anfänglichen „Tatort“-Dreharbeiten abgesehen, nicht viel. Jetzt stellt die Stadt den B-Plan 556 neu auf, gibt ihm ein Ä hintendran (für „Änderung“) – und versäumt dabei das Wesentliche, kritisiert der Frankfurter BUND.

Geplant sind zwei Hochhäuser, mehrere Hundert Wohnungen, ein Erweiterungsbau für die Falkschule und eine Kita. Es geht um ein ziemlich großes Gebiet, begrenzt von der Friedrich-Ebert-Anlage, der Mainzer Landstraße, Hohenstaufen- und Ludwigstraße. Was fehlt? Das gerade erst ausgetüftelte Frankfurter Konzept für den Umgang mit Wasser fehle – und zwar völlig, bemängelt Rüdiger Hansen vom BUND.

„Das Wasserkonzept verlangt, dass in Neubaugebieten Leitungssysteme für Brauchwasser verlegt werden, um zum Beispiel Toiletten damit zu spülen“, zählt er auf. Dann: Zisternen, um Gießwasser für städtische Grünflächen und Stadtbäume zu sammeln, statt Hydranten mit kostbarem Trinkwasser anzuzapfen.

Weiterhin fehlten im B-Planentwurf 556Ä Angaben über die künftige Bevölkerung im Gebiet, Schülerinnen und Schüler, Arbeitsplätze, Hotelgäste und über den Bedarf an Trink- und Brauchwasser, der sich daraus ergebe. Entsiegelung von Flächen, Versickerung von Niederschlagswasser, Dach- und Fassadenbegrünung – nichts davon werde im 556Ä erwähnt. „Das ist nicht hinnehmbar“, ärgert sich Hansen.

„Zu unkonkret, zu wenig“

Lediglich ein Prüfauftrag sei enthalten: zur Entwicklung von Regenwasserbewirtschaftungskonzepten. „Der Prüfauftrag alleine ist aber zu wenig“, urteilt der BUND-Mann. Das hessische Umweltministerium schreibe längst vor, wie die wasserwirtschaftlichen Belange zu berücksichtigen seien. Das ignoriere der Bebauungsplanentwurf. Und bleibe unkonkret etwa bei der Analyse von Altlasten oder Grundwasserverunreinigungen, Versickerungsfähigkeit der Böden oder beim Grundwasserstand. In der vorliegenden Form lehne der BUND Frankfurt den Bebauungsplan ab, sagt Hansen. Das habe der auch in seiner Stellungnahme dem Stadtplanungsamt mitgeteilt.

In der vorliegenden Form sei der Bebauungsplan aber auch noch nicht fertig, erinnert Mark Gellert, der Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD). „Da ist ja noch nichts beschlossen, noch nichts unveränderlich.“ Einwendungen seien noch möglich, die Anhörung der Träger öffentlicher Belange stehe schließlich noch aus. „Es gibt noch Zeit, viele Punkte zu berücksichtigen.“

Ähnliches aus dem Umweltdezernat: „Der B-Plan 556Ä ist noch nicht abgeschlossen“, heißt es dort. Nachdem im Mai die Bürgerinnen und Bürger in die Pläne einbezogen worden seien, kämen im nächsten Schritt die Träger öffentlicher Belange an die Reihe – darunter das Dezernat für Klima und Umwelt, vertreten durch das Umweltamt. „Wir werden dabei auf die Berücksichtigung des kommunalen Wasserkonzeptes hinweisen“, verspricht Stadträtin Rosemarie Heilig (Grüne).

Der Frankfurter BUND bleibt dennoch skeptisch. „Wir hören immer wieder hinhaltende Antworten“, sagt Hansen. Auch beim Wohnungsbauprojekt am Schönhof („Südlich Rödelheimer Landstraße“) habe die Stadt die Klimaschützer vertröstet. „Ich sehe keine Hinweise darauf, dass die Stadtplanung die veränderten Erfordernisse des Klima- und Umweltschutzes genug berücksichtigt, sagt der BUND-Vorstand. Das Wasserkonzept liege lang genug vor. „Was hindert die Stadt daran“, fragt er, „in den Entwurf zu schreiben: Versickerung, Zisterne, Brauchwasser?“ Wassersparen sei ein zu wichtiges Thema, um es nachrangig zu behandeln – im Vogelsberg und im Hessischen Ried, wo ein Großteil des Frankfurter Wassers herkommt, achte man sehr genau darauf, wie die Stadt mit der Ressource umgehe.

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