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Engagierte Diskussion mit (von links): Claus-Jürgen Göpfert (FR), Alexandra Stampler-Brown (Deutsche Oper am Rhein), Baudezernent Jan Schneider, Kulturdezernentin Ina Hartwig, Stadtplaner Torsten Becker und Florian Leclerc (FR).

FR-Stadtgespräch

Frankfurter Bühnen: Streit über Zukunft des Willy-Brandt-Platzes

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Baudezernent Jan Schneider (CDU) könnte sich einen Verkauf des heutigen Grundstücks von Oper und Schauspiel vorstellen, Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) widerspricht energisch.

Ganz am Ende des spannenden Abends wurde es noch einmal kontrovers und emotional. Nach einem möglichen, von der CDU befürworteten Neubau der Städtischen Bühnen an einem anderen Ort habe niemand vor, das Grundstück am Willy-Brandt-Platz „meistbietend zu versteigern“, sagte Baudezernent Jan Schneider (CDU). Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) antwortete trocken: Sie wäre ja um einiges beruhigter, wenn nicht eben diese Option ausdrücklich in einem Positionspapier der CDU genannt wäre.

„Städtische Bühnen – alles neu, alles gut?“ Unter diese Frage hatte die Frankfurter Rundschau ihr Stadtgespräch zur Zukunft von Theater und Oper gestellt, Mehrere Hundert Besucherinnen und Besucher waren zu der von den FR-Redakteuren Claus-Jürgen Göpfert und Florian Leclerc moderierten Diskussion ins Museum Angewandte Kunst gekommen.

Zwei Fragen prägten die politische Debatte: Welcher Standort ist der richtige für die neuen Bühnen in Frankfurt? Und wenn es nicht der Willy-Brandt-Platz wird: Was geschieht dann mit dem dortigen, extrem hochwertigen Grundstück?

Schneider, der auch Vorsitzender der Frankfurter CDU ist, sagte, es sei nicht das Ziel, die Fläche am Willy-Brandt-Platz möglichst schnell zu Geld zu machen. Zumal der Verkauf städtischer Liegenschaften laut einem Beschluss der Römerkoalition aus CDU, SPD und Grünen derzeit ohnehin nicht vorgesehen ist.

Kosten von 900 Millionen Euro

Schneider sagte nach Hartwigs Verweis auf das Positionspapier aber auch: Sollte der Neubau der Bühnen, der rund 900 Millionen Euro kosten dürfte, für die Stadt finanziell nicht anders zu stemmen sein, müsse über den Verkauf des Grundstücks zumindest nachgedacht werden. Alles andere wäre verantwortungslos. „Wir zittern jedes Jahr, ob der städtische Haushalt genehmigt wird“, sagte Schneider – da könne die Politik nicht so tun, als ließen sich 900 Millionen Euro problemlos bezahlen.

Hartwig widersprach der Idee, das Grundstück der Bühnen notfalls zu verkaufen, vehement. „Eine Kommerzialisierung des Willy-Brandt-Platzes darf es nicht geben“, rief sie, und ein Großteil der Besucherinnen und Besucher klatschte begeistert.

Einig war sich das Podium darin, dass der Neubau der Bühnen zwar sehr teuer sei, aber kein Weg an der Investition vorbeiführe. Eine Sanierung des Gebäudes sei wirtschaftlich nicht sinnvoll, sagte Hartwig – auch wenn ihr Herz an der 1963 eröffneten Doppelanlage hänge. Der Stadtplaner Torsten Becker, Vorsitzender des Städtebaubeirats Frankfurt, sprach von großen Chancen, die ein Neubau für Frankfurt biete. Auch Alexandra Stampler-Brown, die geschäftsführende Direktorin der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf und Duisburg, hegt große Erwartungen an einen Neubau. Auch das Gebäude in Düsseldorf soll ersetzt werden, derzeit verhandelt Stampler-Brown mit der Politik.

Keiner will Entscheidung vertagen

Niemand im Römer habe vor, die Entscheidung über den Standort für die neuen Bühnen zu vertagen, bis die Kommunalwahl im März 2021 vorüber ist, sagte Schneider. In der Diskussion wurde aber deutlich, dass insbesondere die Vorstellungen von CDU und SPD weit auseinander liegen.

So plädieren die Christdemokraten für einen neuen Standort, der nicht zwingend in der Innenstadt liegen müsse. Je später der Abend wurde, desto vehementer verteidigte Schneider die Idee, die Bühnen am Osthafen auf dem heutigen Gelände der Baustoff-Firma Raab&Karcher zu bauen. In seinem Schlusswort entwarf er sogar die Phantasie, gemeinsam mit Hartwig zur Premiere in der neuen Oper am Main zu radeln.

Ein neuer Standort hat für Schneider vor allem pragmatische Vorteile: „Ansonsten hätten wir vier Baustellen.“ Jeweils eine für Oper und Theater am Willy-Brandt-Platz, eine Interimslösung für die Bauzeit, die ebenfalls sehr teuer werden dürfte, sowie ein Gebäude für Werkstätten. Bei einem Neubau hingegen schaue sich das Publikum an einem Abend die letzte Aufführung am Willy-Brandt-Platz an und gehe tags drauf zur Premiere in den Neubau am Osthafen.

Die Besucherinnen und Besucher des FR-Stadtgesprächs konnte Schneider größtenteils nicht überzeugen. Auch Torsten Becker sagte, nach den Vorstellungen müsse der Blick der Gäste von Schauspiel und Oper auf die einzigartigen Bankentürme fallen – „nicht auf einen Haufen Sand“.

Ein energisches Plädoyer für den Verbleib der Bühnen am Willy-Brandt-Platz hielt Ina Hartwig. Sie warb dafür, den Platz „aufzuwerten und neu zu erfinden“. Die Fläche könnte künftig eingerahmt sein von der Oper auf dem jetzigen Grundstück des Schauspiels, dem neuen Schauspiel auf der Grünfläche am Euro-Zeichen gegenüber der heutigen Theater-Doppelanlage und dem neuen Jüdischen Museum. Verbunden wäre dies allerdings mit einem Eingriff in die Wallanlagen. Diesen könnten sich mittlerweile auch die Grünen vorstellen, sofern ein Ausgleich an Grün geschaffen werde. „Das ist ein wichtiger Schritt“, sagte Hartwig.

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