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Wasserhäuschen-Tour

Frankfurter Büdchen virtuell

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Eine Wasserhäuschentour als Film findet großen Anklang im Internet. „Lotse“ Hubert Gloss muss auf echte Kundschaft noch warten.

Braucht unseraans emal e Päusje, dann mäschd er schnell zum Wasserhäusje. Kommt Ihnen bekannt vor? Kein Wunder – das Gedicht stammt von Hans W. Wolff und wird zitiert von dem selbsternannten Frankfurter Wasserhäuschen-Lotsen. Normalerweise führt er Gruppen unternehmungslustiger Menschen von Büdchen zu Büdchen und erzählt, was es darüber zu wissen gibt.

Weil aber das Corona-Virus auch da seine eigenen Regeln aufstellt, ist seit geraumer Zeit Sense mit den Touren. Also hat Gloss mit dem befreundeten Fotografen Boris Borm einfach eine Tour aufgenommen. Gloss erzählt, Borm filmt und schneidet – fertig. Seit Jahresbeginn schaffte der Film „World Wide Wasserhäuschen“ 5000 Klicks auf dem Videokanal Youtube.

Der halbstündige Rundgang beginnt in Bockenheim, und weil das Wasserhäuschen „Limes“ in der Nähe der Zeppelinallee steht, gibt’s gleich noch Heimatkundeunterricht: „Wieso die Zeppelinallee heißt, kann ich sagen: Die ersten Zeppeline in Frankfurt sind in Bockenheim gelandet, am Rebstock hinten.“

Weiter geht’s nach Ginnheim, mit dem Lotsen in Montur und so manchem gewagtem Reim: „Morjens um sechs des erste Bier? Ja, des sin die treuste Kunde in de friehe Morjestunde.“ Auch manch gewagte These über die Arbeitsaufteilung zwischen Mann und Frau kommt im Film vor. Immerhin folgt am Ende der Rat: „Zucker und Alkohol bewusst genießen.“

In sechs Drehtagen haben die Büdchen-Protagonisten ein beschauliches Werk geschaffen, mit cooler Musik unterlegt und mit Herzblut serviert. Da kommt der Café-Kiosk „Fein“ in den Wallanlagen vor, natürlich das „Gudes“ im Nordend und das Seckbacher „Snack FM“, drei Mal Büdchen des Jahres, geführt von Pierre Skolik, dem „Gesicht der Frankfurter Wasserhäuschen“ (Gloss).

Bei Heidrun an der Wittelsbacherallee, wo die allererste Scannerkasse in einem Frankfurter Büdchen stand, wird eine gemischte Tüte mit Süßigkeiten bestückt. Am Ernst-May-Platz erfahren wir viel über den Ursprung des Wortes Kiosk – und über die Wasserhäuschen-Kundschaft: vom Oberbürgermeister über die „High Society“ bis zu den ganz einfachen Leuten.

Letzte Station: das „Nox“ an der Holbeinstraße in Sachsenhausen, inzwischen „zum Hipstertreff geworden“, wie der Lotse urteilt, aber: „Man muss halt auch gucken, dass man mit dem Wasserhäuschen überleben kann.“ Im Wortsinn: Die neuen Inhaber bauten eine Klimaanlage ein. Frankfurter Sommer sind heiß.

Gedreht im vorigen Frühjahr, zeige „World Wide Wasserhäuschen“ auch einen Ausschnitt des Frankfurter Stadtbilds im Pandemieverlauf, betonen die Macher. Der Film setze ganz gezielt auf Entschleunigung – und er sei vor allem: „Ein Plädoyer für bedingungslose Lebensfreude und die Bedeutsamkeit der menschlichen Begegnung.“ Dann Prost.

Der Film „World Wide Wasserhäusje“, zu sehen auf Youtube und auf allesgude.de

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