Das Gastland Kanada wird nur virtuell an der Buchmesse teilnehmen.  
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Das Gastland Kanada wird nur virtuell an der Buchmesse teilnehmen.  

Bücherschau

Frankfurter Buchmesse ohne Masse

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Ist die Frankfurter Bücherschau in kleinem Format möglich? Die Veranstalter sagen Ja, Verlage zweifeln.

Die Literaturwelt wird wieder Gast in Frankfurt sein, auf der Frankfurter Buchmesse vom 14. bis 18. Oktober. Allerdings in ganz anderer Form als in den Jahren zuvor. „Wir planen eine europäische Buchmesse“, sagte Buchmesse-Direktor Juergen Boos auf einer Videokonferenz am Donnerstag. Alle europäischen Länder sollen auf der Messe vertreten sein. Auch europäische Verlagsgruppen präsentierten sich.

Schwieriger sei es mit den Ausstellern aus Nord- und Südamerika. Sie dürften die Länder aufgrund der Reisebeschränkungen und Visabestimmungen derzeit nicht verlassen. Das betreffe auch das Ehrengastland Kanada, das sich mit virtuellen Auftritten präsentieren soll. Mit deutlich weniger Präsenz in Frankfurt rechnet Boos bei den Ausstellern aus Asien. Auch große Verlagsgruppen wie Random House, Bonnier und die Holtzbrinck-Gruppe hätten sich zurückhaltend gezeigt. Sie seien in diesem Jahr nicht mit eigenen Ständen vertreten, sagte Boos.

Weniger Aussteller

Insgesamt rechnet er mit einem Drittel der Aussteller im Vergleich zum vorigen Jahr (2019: 7450 Aussteller aus 104 Ländern). „Ich habe in den Gesprächen mit Verlagen, Händlern, Politikern in den letzten Monaten aber erfahren, wie wichtig es für die Buchbranche ist, sich in diesem Jahr wieder vor Ort zu treffen und nicht nur virtuell“, sagte er. „Die Buchmesse braucht eine Bühne“, sagte Karin Schmidt-Friderichs, die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Der Börsenverein hat die Frankfurter Buchmesse gegründet. Das Konzept für eine Buchmesse unter Corona-Bedingungen habe sie überzeugt, sagte sie. Sie betrachte die Buchmesse 2020 als „Labor“ für die Buchmessen der kommenden Jahre. „Die Buchmesse soll Begeisterung auslösen.“

„In stark verunsichernden Zeiten wollen wir die bestmögliche Buchmesse unter den gegebenen Umständen machen“, sagte Alexander Skipis, der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) nannte die Entscheidung für die Buchmesse „ein ermutigendes und ein Aufbruchsignal für die ganze Branche“. Die Aussicht auf eine Buchmesse im Herbst sei „ein echter Lichtblick“.

Ministerpräsident Volker Bouffier sagte RTL Hessen: „Wir halten die Buchmesse für eine Leitmesse, für einen besonderen Stern! Und die Sorge, die mich begleitet hat ist: Wenn die hier einmal weg ist, dann ist sie im nächsten Jahr bei der „Book fair“ in London. Ich wollte nicht erleben, dass das nochmal so läuft, wie bei der IAA.“

Buchmesse

Tickets unter www.buchmesse.de

Zugelassen seien 20 000 Besucherinnen und Besucher, die sich gleichzeitig auf dem Messegelände aufhalten dürften, führte Boos aus. Verkauft werden im Internet Tagestickets. Die Besucher verteilen sich laut Boos auf die Messehallen 3, 4 und 6, wo Stände mit ausreichend Abstand untergebracht seien, und auf die Agora und die Festhalle. Die Cosplay-Welt falle in diesem Jahr aus.

2019 kamen an den fünf Messteagen insgesamt 302 000 Besucherinnen und Besucher. Anders als zuletzt werden die Gäste nun deutlich mehr Platz in den Messehallen haben. Die Gänge würden sechs bis acht Meter breit, so Boos. Die kleinste Standgröße betrage acht Quadratmeter. Aussteller, die vier Quadratmeter gebucht hätten, bekämen vier weitere geschenkt.

Für Fachbesucher ist die Messe vom 14. bis 18. Oktober geöffnet. Das Publikum darf am Wochenende 17./18. Oktober auf die Messe, um nach Büchern zu schauen und diese zu kaufen.

Große Bühnen soll es in diesem Jahr nicht geben. Stattdessen sind zahlreiche virtuelle Veranstaltungen geplant, die während der gesamten Buchmesse-Woche angeboten werden sollen. Hierbei sei man in Gesprächen mit den Verlagen, so Boos.

„Dutzende Formate“ geplant

In Frankfurt werde es „Dutzende Formate“ an verschiedenen Veranstaltungsorten geben. Boos sprach von einer Zusammenarbeit mit der subkulturellen Literaturszene. Darüber hinaus findet das Lesefest Open Books statt.

Der Einlass auf die Buchmesse erfolge kontaktlos nach Vorabregistrierung und Selbstauskunft über den Gesundheitszustand. Die Gesundheitsdaten würden nicht weitergegeben, sagte Boos.

Beim Einlass gelte „first come, first serve“ - wer früh ein Ticket kaufe, komme auf jeden Fall rein. Der Vorverkauf fürs Publikum läuft. Fachbesucher können ab Juni Tickets erwerben. Falls es zu einer zweiten Corona-Welle komme, werde das Präsenzprogramm abgesagt. „Dann arbeiten wir mit virtuellen Auftritten“, sagte Boos. Nach Angaben der Buchmesse hat das Land Hessen zudem zugesagt, im Falle einer Absagen wegen der Pandemie einen Teil der Kosten zu übernehmen.

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