Literatur

Frankfurter Buchmesse am Sonntag: Im Kaufrausch und Kostümierungswahn

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Der letzte Tag auf der Buchmesse - gut gefüllt, aber mit Bewegungsfreiheit.

Die Frankfurter Buchmesse ist zu Ende. Fünf Tage lange zeigten 7.450 Aussteller aus 104 Ländern ihre Bücher und Publikationen. Es kamen deutlich mehr Besucherinnen und Besucher als im Vorjahr. 

Das Wochenende auf der Frankfurter Buchmesse 

Mit nicht ganz so dichtem Gedränge wie am Samstag findet die Frankfurter Buchmesse an ihrem zweiten Publikumstag einen dennoch gut besuchten, würdigen Abschluss. Neben zahlreichen Lesungen, Interviews und Diskussionsrunden liegt heute ein starker Fokus auf Cosplay: Als Publikumsmagnet finden neben vielen Workshops heute im Congress Center die deutschen Cosplay-Meisterschaften statt.

Inmitten der Buchmesse-Besucher posieren zwei als "Böse Königin" (r) und "Rabe" kostümierte Cosplayerinnen auf dem Messegelände.

An den Ständen der Verlage informieren sich die Besucher über Neuerscheinungen und Bestseller. Ein Novum in diesem Jahr: Erstmals werden das ganze Wochenende über Bücher verkauft.

Zudem wurden den Besuchern Lesungen, Vorträge und Diskussionsrunden geboten: "Fridays for Future"-Aktivistin Luisa Neubauer debattierte am Vormittag mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) über die Klimakrise. Der frühere "Tagesthemen"-Moderator und Autor Ulrich Wickert sprach auf der ARD-Bühne über Heimat. TV-Entertainer Thomas Gottschalk musste seinen geplanten Auftritt hingegen aus Krankheitsgründen absagen. 

Gastland in diesem Jahr ist Norwegen. Auf der Messe - aber auch in Museen und auf Bühnen in der gesamten Stadt - präsentieren sich die Nordeuropäer mit einem breiten Kulturangebot. Zudem traten am Samstagmittag auf der Freifläche zwischen den Messehallen die deutsche und die norwegische Autoren-Nationalmannschaft gegeneinander an. Das deutsche Fußball-Team wurde von Trainerlegende Otto Rehhagel gecoacht und erzielte einen 5:3-Sieg.

Buchmesse Frankfurt - die Schwerpunkte

Ein Schwerpunktthema ist die Erweiterung des Erzählens. Bewegte Bilder bekommen mehr Raum, virtuelle Realität und künstliche Intelligenz werden erstmals breiter behandelt. Ein weiterer Trend sind Audio-Produkte: Erstmals hat die Messe für Hörbücher oder Podcasts einen eigenen Bereich geschaffen. Auf den oberen Stockwerken tauschen sich Unternehmen und Verlage über die digitale Transformation des Buchgeschäfts aus. Prominent vertreten ist Gastland ist Norwegen.

Seit Mittwoch waren schon die Fachbesucher unterwegs auf der Messe - das sind Verleger, Buchhändler, Autoren, Agenten, Übersetzer und Journalisten. Darunter auch viele Redakteurinnen und Redakteure der Frankfurter Rundschau. Sie berichten - und leiten eigene Diskussionsrunden am Stand der FR in Halle 3.1, C48.

Ausschnitt aus der Titelseite der FR vom Wochenende. 

Mit dabei: unsere Feuilleton-Kollegin Judith von Sternburg. Seit Jahren veröffentlicht sie am Buchmessen-Samstag ihren großen Rundgang durch die Hallen. "Ein Weltenbummel", haben wir diesen Text auf unserer Titelseite der Zeitung überschrieben. Große Literatur und verblüffende Begegnungen. Vielleicht treffen wir ja auch Sie auf der Buchmesse. Die FR-Redaktion würde sich sehr freuen.

Kulturjournalismus-Spezial: Studierende berichten für die FR

Acht der zehn Kulturjournalismus-Studierenden, die über die Frankfurter Buchmesse berichten.

Aufstrebende Autorinnen und Autoren, Survival-Tipps und neue Perspektiven: Studierende des Masterstudiengangs Kulturjournalismus der Universität der Künste Berlin bloggen von der Buchmesse. Alle Artikel finden sich auch in unserer Online-Rubrik “Unter Dreißig”

Kurzbericht vom Rasen

Der Regen hatte aufgehört, als gestern Abend die Autonama, die deutsche Nationalmannschaft der Autoren, gegen eine Auswahl des Gastlandes der Frankfurter Buchmesse, Norwegen, spielte. Ort des Aufeinandertreffens war das Spielfeld der SG Bornheim 1945 e.V. Grün-Weiß, ein Verein, der für seine Integrationsarbeit und eine Reihe erfolgreicher Mädchenmannschaften über die Grenzen des Stadtteils hinaus bekannt ist. Die zweite Halbzeit spielte sich eher in der deutschen Hälfte ab, das Spiel der Autonama war aber letztendlich effektiver als das der jüngeren Norweger, sie gewannen mit 5:3, auch wenn ihnen am Ende etwas die Puste ausging. Es war das Abschiedsspiel des Ex-Spielers und langjährigen Autonama-Trainers Frank Willmann. Ihm zur Seite stand an diesem Abend mit Otto Rehagel einer der erfolgreichsten Trainer Deutschlands und langjähriger Coach der griechischen Nationalmannschaft, die er 2004 zum EM-Titel führte.

Am Spielfeldrand verfolgten zahlreiche Bornheimer*innen das Geschehen, mit Hund und Kind und Kegel. Gleich nach dem Spiel übernahmen wieder die Mädchen das Spielfeld und die Väter bemühten sich um Selfies mit Otto Rehagel.

Unsere Autor*innen auf der Buchmesse

Tom Müller ist gleichzeitig Verleger und Autor. Mit unserer Autorin sprach er über sein Buch, Faschismus und Italen. Übersetzungen von Gedichten erfordern besonderes Feingefühl. Unsere Autorin sprach dazu mit der jungen Lektorin und Übersetzerin Clara Sondermann. Johann Lafer erfreut sich seit Jahrzehnten an großem Zuspruch. Bei der rührenden Vorstellung seines neuen Buchs war der Andrang groß. Wer vor Kinderbuchverlagen lange Schlangen sieht, blickt vielleicht gerade auf die nächste Generationen junger Illustrator*innen. Jedes Jahr kommen zig hoffnungsvolle Künstler*innen auf die Buchmesse, um Lektor*innen ihr Portfolio zu zeigen. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband bietet auf der Buchmesse barrierefreie Führungen an. Für ihre Reportage „Hören, tasten, fühlen“ hat unsere Autorin zwei Freundinnen dabei begleitet.

Unsere Autorin hat die Köchin Sarah Wiener gesehen, konnte dabei aber irgendwie nur an Schnitzel denken. Die Stilkolumne Ausdrucksstarkerstoff nimmt die Kleiderauswahl von Autor*innen verschiedener Genres unter die Lupe, und zeigt wie nah Genre und Autor*in sich auch optisch sind. Die politische Dimension von Kleidung wiederum gab unserer Autorin Anlass zum Nachdenken, nicht nur, weil die Masse an Menschen bei „Create your Revolution“ ihr sehr homogen und privilegiert vorkam. Apropos privilegiert, in dem Pro-und Contra „Hardcover oder Taschenbuch" ist Ersteres der alte weiße Mann und Zweiteres das Weichei unter den Büchern. Pro's gibt es natürlich auch. Mit alten weißen Männern ist Sophie Passmann bekannt geworden, für die neue KiWi Musikbibliothek gibt sie hingegen Einblick in ihre Depression und Liebe zu Frank Ocean. Was durchaus irritierend (und) intim ist, wie unser Autor findet. Mit Musik hat es Kathrin Bach weniger in ihrem Verlags-Volontariat zu tun, die Lyrikerin und gelernte Buchhändlerin erzählt in unserer Newcomer-Serie, wie sie die Messe als Literaturagentin in spe wahrnimmt. Einen Verlag hat Luiz Ruffato bereits. Der brasilianische Schriftsteller reflektiert in seinem neuem Roman „Das Buch der Unmöglichkeiten“ die zunehmend prekäre und gespaltene soziale Realität Brasiliens.

Die Reihe „Im Gespräch mit ….“ stellt Newcomer*innen und Literaturprofis von morgen vor. Die fünf Verlegerinnen von „&Töchter“ wollen mit ihrem Verlag neue Felder erkunden. Der Debütant Lennardt Loß, erzählt in Und andere Formen menschlichen Versagens" von einer Frau, die nach einem Flugzeugabsturz 25 Jahre lang auf einer einsamen Insel lebt. Die österreichische Autorin Mareike Fallwickl erzählt in „Das Licht ist hier viel heller“ von Machtkämpfen zwischen den Geschlechtern und Generationen. Sophie Priester, Volontärin für die Sozialen Medien beim S.Fischer-Verlag geht der Verzahnung von gedrucktem Wort und Social Media auf den Grund.

Ein weiterer Schwerpunkt sind Übersetzer*innen, die zwischen Kulturen und Sprachen vermitteln. Zum Auftakt blickt der Niederländer Gerrit Bussink zurück, der bereits seit 1972 aus dem Deutschen ins Niederländische überträgt und die Frankfurter Buchmesse bereits zum 45. Mal erlebt. Außerdem kommt mit Frank Heibert der wohl wichtigste Literaturübersetzer Deutschlands zu Wort und gibt rührende Einblicke in eine feinsinnige Branche.

Für Survival-Tipps auf der Buchmesse stehen Lina Muzur von Hanser BerlinJörg Sundermeier vom Verbrecher-VerlagKatharina Florian von Edition Nautilus und die Autorin Katja Oskamp Rede und Antwort.

Frankfurter Buchmesse: Die Themen vom Donnerstag

Kaum hat die Frankfurter Buchmesse begonnen, blickt sie schon aufs nächste Jahr. Während die Fachbesucher sich am zweiten Messetag den Ehrengast Norwegen ansehen, stellte sich das Gastland des nächsten Jahres vor: Kanada, ein Land mit mehreren Sprachen. 

Der Börsenverein des deutschen Buchhandels stellte schwarze Regenabweiser mit dem Hashtag #freethewords zur Verfügung, Amnesty International verteilte gelbe mit dem Logo der Gefangenenhilfsorganisation, einige Teilnehmer hatten ihre eigenen bunten Schirme dabei.

Viele Regenschirme für mehr Meinungsfreiheit in Hongkong.

Mit einem stimmungsvollen Appell haben sich Mitwirkende und Besucher der Buchmesse für Meinungsfreiheit eingesetzt. Am Nachmittag beherrschten Regenschirme das Bild auf der Agora, dem zentralen Messeplatz. Ein klares Statement: Wir sind mit unseren Gedanken bei den Menschen in Hongkong, die um ihre Zukunft in Freiheit kämpfen. 

Raus aus der Schublade „Migration“: Auch die Offenbacher Autorin Safiye Can musste kämpfen, um im Literaturbetrieb anzukommen. Nach der Vorstellung ihres Gedichtes über Migration spricht sie in ihrer Lesung über das Problem Rassismus. Auch in Bezug auf den Literaturbetrieb.Für die FR hat Valerie Eiseler zugehört. 

 „Im Kerker des Kalifen“: So nennt der Journalist Deniz Yücel den Ort, an dem ein Jahr lang grundlos von türkischen Behörden festgehalten wurde. In seinem Buch „Agentterrorist“ hält er diese Erfahrung fest. Auf dem „Blauen Sofa“ des ZDF spricht er zudem über die Bedeutung von Freiheit und die Angst, vergessen zu werden. FR-Stadtredakteur Thomas Stillbauer berichtet. 

 „Einer von uns“ erinnert an die blutigen Anschläge von 2011 in Norwegen. Das Buch der norwegische Schriftstellerin und Autorin Asne Seierstad handelt von der Entwicklung des rechtsextremen Terrors seitdem. Es geht um Radikalisierung und das Wesen des rechtsextremen Terrors. Auch persönliche und psychologische Gründe spielen hier eine Rolle, wie FR-Autor Janis Bering notiert

Alles Schlampen, oder was? Frauen in politischen Debatten werden oft mit Trollen im Netz konfrontiert, die sie mundtot machen wollen. Die Bundessprecherin der Grünen Jugend Ricarda Lang und Autorin Berit Glanz diskutieren über den Umgang damit. FR-Frankfurt-Redakteurin Kathrin Rosendorff war dabei.

Beobachter einer vermeintlich heilen Welt: In seinem neuen Buch „Feinde des Sports“ (Ullstein-Verlag) spricht der Sportjournalist Hajo Seppelt über die Welt der Athleten. Und macht sich zum Spielverderber, weil er Geheimnisse aufdeckt. FR-Stadtredakteur Thomas Stillbauer verrät sie

Wie gehen wir mit Rechtspopulismus um und wie geht es mit der Automobilmesse IAA weiter? Unter dem Motto „Gemeinsam gegen rechts“ spricht der FR-Redakteur Claus-Jürgen Göpfert am Stand der Frankfurter Rundschau mit Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), dem Direktor Meron Mendel und der Pädagogischen Leiterin Saba-Nur-Cheema von der Bildungsstätte Anne Frank.

Frankfurter Buchmesse: Hotlist-Preis für Bücher der unabhängigen Verlage

Auf der Frankfurter Buchmesse wurde am Mittwochabend im Lesezelt der Preis der Hotlist 2019 vergeben. Unter dem Sternenhimmel des Yogi-Zelts nahm die Edition Nautilus den mit 5000 Euro dotierten Hauptpreis entgegen.

Der Hamburger Verlag war mit dem Roman „Das Fortschreiten der Nacht“ von Jakuta Alikavazovic ins Rennen gegangen. Erstmalig in der Geschichte der Preisverleihung gewann ein Verlag gleich zwei der Preise. Die Edition Nautilus bekam außerdem noch den von Buchhändlerinnen und -händlern vergebenen Melusine-Huss-Preis. Der weitere Gewinner des Abends war der Verlag weissbooks.w, der mit Lennardt Loß’ Debütroman „Und andere Formen menschlichen Versagens“ am Wettbewerb teilnahm. Der Frankfurter Verlag erhielt den Dörlemann-ZuSatz Preis im Wert von 1500 Euro.

Frankfurter Buchmesse: Gastland Norwegen

Norwegen ist der Ehrengast der diesjährigen Messe. Nicht weniger als 100 Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus Norwegen kommen nach Frankfurt.

Die Frankfurter Buchmesse ist eröffnet - und die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit ist auch da. 

Einen Teil von ihnen brachte die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit mit, die mit einem Sonderzug auf dem Frankfurter Hauptbahnhof eintraf. In Norwegen investiert der Staat in Bücher; das ist komfortabel für Verlage und Grundlage für den  beeindruckenden Erfolg von Bibliotheken.

„Vagant“ ist seit über 30 Jahren eines der führenden Feuilletonmagazine Norwegens. Eine gute Adresse also, um sich vorab dem Gastland Norwegen auf der Frankfurter Buchmesse anzunähern.

Der Vagant-Chefredakteur Audun Lindholm

Unsere "Unter Dreißig" - Redakteurin Lara Sielmann sprach mit Chefredakteur Audun Lindholm und berichtet vom Gegengewicht zum klassischen Zeitungsfeuilleton.

Seine Thriller haben den norwegischen Krimi-Autor Jo Nesbø reich gemacht. Mit den Einnahmen will er Gutes tun. Er hat eine Stiftung gegründet, die Analphabetismus in Entwicklungsländern bekämpft, wie er im Interview der Deutschen Presse-Agentur auf der Frankfurter Buchmesse berichtet. Seiner Stiftung hat er den Namen seines erfolgreichsten Ermittlers gegeben: Harry Hole Foundation. Während der Frankfurter Buchmesse stellte Nesbø den neuesten Teil der Serie vor, "Messer".

Frankfurter Buchmesse: Der Mittwoch im Rückblick

Erster Fachbesuchertag der Buchmesse - und Start des wichtigen messebegleitenden innerstädtischen Leseangebots „Open Books“. In der Deutschen Nationalbibliothek ging es dabei sofort wieder um den Nobelpreisträger Peter Handke. Und wenn es nicht direkt um Peter Handke ging, ging es doch um den unendlichen Spielraum von Literatur und darum, wie man damit verfährt. FR-Feuilleton-Redakteurin Judith von Sternburg war dabei - hier ihre Eindrücke von der „Open Books“-Eröffnung.

Die Buchmesse diskutiert seit jeher politisch. Klar, dass der Klimawandel neben dem Rechtsextremismus eines der großen Themen ist. Und dabei blickt die Branche auch durchaus kritisch auf sich selbst: Wie umweltfreundlich produzieren denn Verlage? Und es zeigt sich, dass die Klimakrise in vielerlei Hinsicht die Buchbranche erfasst hat. Claus-Jürgen Göpfert von der FR-Stadtredaktion Frankfurt hat zugehört.

Und die Buchmesse selbst? Wie ökologisch geht‘s denn in den Messehallen zu? Becher und Besteck sind aus pflanzlichen Rohstoffen, Buchseiten aus Gras – es weiß nur niemand, ob der Müll zu trennen ist und wie er entsorgt wird, hat FR-Lokalredakteurin Sandra Busch beobachtet. Auch unsere Ernährung selbst wird zum Klimathema - eine Initiative der Bundesregierung informiert – Kostproben inklusive.

Die Internationale Automobil-Ausstellung erlebte in den gleichen Messehallen, wo jetzt die Bücher liegen, vor wenigen Wochen ihr Fiasko. Die Zeit der protziges PS-Schau scheint abzulaufen. Am Stand der Frankfurter Rundschau war die Verkehrspolitik Thema einer Diskussion. Autor Klaus Gietinger forderte eine radikale Wende - und stellte konkrete Ideen vor. Georg Leppert, Vize-Lokalchef der FR, hat mitgeschrieben.

Rechtsextremismus und Klima - die politischen Themen der Buchmesse

Die Frankfurter Buchmesse zeigt sich auch 2019 politisch. Sie reagiert auf die wachsenden Proteste gegen den Klimawandel einerseits und den erstarkenden Rechtspopulismus zum anderen - etwa mit der Kampagne „Create your revolution – initiative for the future of the culture“. Es gehe darum, die Handelsware der Messe, nämlich die Ideen, „zu schützen“, sagt Messesprecherin Katja Böhne, „das „Recht auf Meinungsfreiheit“ zu verteidigen. Sie widerspricht offen dem „etwas armseligen Zitat“ des FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner, man möge doch die Politik den Profis überlassen. 

Der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis, betont in einem Beitrag für die Frankfurter Rundschau, die Buchmesse in Frankfurt solle dem weltweiten Kampf für Bürgerrechte eine Plattform bieten. Zum Auftakt stellt die Branche der Politik ein vernichtendes Zeugnis aus.

Die Schriftstellerin Dagmar Leupold ("Unter der Hand") sieht im Kampf gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus auch die Literatur gefordert. Schriftsteller sollten den Rechtspopulismus sprachlich entlarven, aber auch als Bürger - je nach persönlicher Neigung - an Demonstrationen oder anderen Aktionen teilnehmen. Zugleich kritisierte sie, dass durchaus vorhandenes politisches Engagement von Autoren öffentlich einfach nicht wahrgenommen werde. Es gebe Selektionsmechanismen wie den Quotendruck beim Fernsehen, Äußerungen von Schriftstellern in Nischen zu verbannen.

Der Blogger und Kolumnist Sascha Lobo fürchtet sich vor den gesellschaftlichen Folgen einer zunehmenden digitalen Überwachung. Ähnlich dem Sozialkredit-System in China würden auch in Deutschland und Europa bereits Menschen gemessen und bewertet. "Wir wähnen uns sicher vor solchen Mechanismen, weil wir denken, wir haben ja eine liberale Demokratie", sagte der 44-Jährige. Das sei jedoch ein folgenschwerer Trugschluss.

Eröffnungspressekonferenz mit Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk

Schon die Eröffnungspressekonferenz vom Dienstag Nachmittag war geprägt vom Kampf für Menschenrechte und Meinungsfreiheit. Dazu trug die frisch gekürte Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk bei.

Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk in der Eröffnungspressekonferenz.

Die Autorin, die in Polen von rechts angegriffen wird, plädierte für eine völkerverbindende Literatur, die Arme und Schwache nicht vergisst.

Auch Buchmessendirektor Juergen Boos forderte, die Vielfalt von Meinungen und Inhalten zu schützen. Dazu brauche es Autorinnen und Autoren, die Widerstand leisten. Verlage müssten auf Qualität, Sorgfalt und Glaubwürdigkeit achten.

"Gegenbuchmasse" der kleinen, kritischen Verlage

Sie ist mittlerweile fast so etabliert wie die Buchmesse selbst: Bereits zum 19. Mal rückt die „Gegenbuchmasse“ kritische kleine Verlage und weniger bekannte Autorinnen und Autoren in den Fokus. Die Abende finden im autonomen Zentrum „Café Exzess“ in Bockenheim statt, im Club Voltaire oder im Kulturzentrum Klapperfeld. Alle Veranstaltungen sind kostenlos, alle Mitwirkenden arbeiten ehrenamtlich. 

Inhaltlich gebe es in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf Digitalisierung und Ideen für ein Grundeinkommen, sagt Organisator Anton. Es gehe aber auch um Anarchismus und feministische Themen, etwa um einvernehmlichen Sex. Mehr über die Gegenbuchmesse berichtet FR-Redakteur Hanning Voigts.

(Mit dpa)

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