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Früh übt sich, wer eine Leseratte werden will.

Buchmesse

Wer eine Stunde wartet, bekommt ein Geschenk

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Eindrücke von der Frankfurter Buchmesse: Die Polizei passt auf, Schlangen bilden sich.

Die beiden jungen Polizisten, eine Frau und ein Mann, die den Stand der Bildungsstätte Anne Frank und der Amadeu-Antonio-Stiftung am Samstag auf der Frankfurter Buchmesse bewachen, lächeln, wenn man sie anspricht. Sie antworten höflich, auch wenn sie nicht sagen können, ob es mit dem Anschlag in Halle zu tun hat, weshalb sie hier stehen.

Die Pressestelle der Frankfurter Polizei hatte schon zuvor angekündigt, etwas „an der Schraube“ zu drehen und die Sicherheitsvorkehrungen auf der Frankfurter Buchmesse anzupassen. Aus Sorge vor einem „Nachahmungstäter“ des rechtsextremen Täters von Halle. Es beruhigt, dass diese Polizisten hier sind.

Verstörend wirkt, was ein paar Gänge weiter berichtet wird. Heike Kleffner und Matthias Meisner stellen beim Deutschlandfunk ihr Buch „Extreme Sicherheit. Rechtsradikale in Polizei, Verfassungsschutz, Bundeswehr und Justiz“ vor. Man kann es nicht oft genug hören. Sechs Polizisten in Hessen hatten sich in einer Whatsapp-Gruppe rassistische Inhalte geteilt, wie Ermittlungen ergaben. Die Personendaten der Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay- Yildiz wurden nachweislich und rechtswidrig aus einem Dienstcomputer im 1. Revier in Frankfurt abgerufen. Die Anwältin erhielt mehrere Drohbriefe, unterzeichnet mit „NSU 2.0“.

Man solle aufhören, von „Einzelfällen“ zu sprechen, sagt Meisner. Das verschleiere den strukturellen Rassismus in Sicherheitsbehörden und verharmlose das Ausmaß rechter Gewalt.

Während die Autoren noch diskutieren, reihen sich junge Menschen in eine Schlange ein, die beim Stand des Deutschlandfunks am Rande der Messehalle beginnt und über mehrere Gänge bis in die Mitte der Halle führt. Dort, wo sich die Gänge kreuzen, lassen die Wartenden Platz, damit die vielen anderen Buchlese-Besucher vorbeikommen.

In der Schlange warten die Menschen, eine Stunde und länger. Warum stehen Hunderte hier an?

„Wir wollen zu Signierstunde mit Sebastian Fitzek“, sagt Sophia, eine 24-Jährige aus Jena. Sebastian Fitzek ist ein gefeierte Krimiautor. Der Droemer Knaur Verlag, bei dem die Bücher erscheinen, nennt ihn „Deutschlands erfolgreichsten Autor von Psychothrillern“. Zwölf Millionen seiner Bücher seien schon verkauft worden, mit Titeln wie „Die Therapie“, „Der Nachtwandler“ und zuletzt „Der Insasse“, sagt eine Sprecherin.

„Es gibt einfach so viele Twists, man hat keine Ahnung, in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt“, sagt Sophia, und ihre Freundin Laura stimmt zu. Auch nach stundenlangem Signieren sei Fitzek noch gut aufgelegt. „Der ist sehr sympathisch und authentisch.“

Wer so lange auf eine Unterschrift wartet, bekommt auch noch ein Präsent: eine Leseprobe aus Fitzeks neuem Thriller „Das Geschenk“, der in wenigen Tagen erscheint.

Verkauft wurden Bücher bei dieser Frankfurter Buchmesse erstmals schon am Samstag – und wie gewohnt auch am Sonntag. Bei Kiepenheuer & Witsch haben die Mitarbeiter am Samstag ein Schild mit „Heute Verkauf“ aufgestellt. Schon kurz nach Öffnung der Eingänge seien schon einige Bände über die Theke gegangen.

Beim Verlag Kein & Aber läuft der Verkauf gut an, wie am Stand zu hören ist. Vor allem aus der Sicht der Leser sei Verkauf sinnvoll, weil sie dann die Bücher, die sie erwerben wollten, gleich mitnehmen könnten. Auch bei S. Fischer klingelt am Samstag die Kasse – auch wenn das Bezahlen mit Karte wegen des ausgelasteten WLANs dauert.

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