BuchmesseBesucherFR02_68252
+
Wird es in diesem Jahr so auf der Buchmesse nicht geben: Menschengedränge und Stände.

Buchmesse

Frankfurter Buchmesse ohne Aussteller

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
    schließen

Die Frankfurter Buchmesse findet nun doch ohne Auftritte von Verlagen statt. Sie soll ins Internet verlegt werden. Direktor Juergen Boos blickt nach vorne.

  • Der Hauptteil der Frankfurter Buchmesse, die klassische Hallenausstellung, fällt aufgrund der Corona-Pandemie aus
  • Die Buchmesse wird mit ihrem „Bookfest“ physisch in der Stadt präsent sein
  • Wird die Buchmesse je wieder zu dem Treffen der Medien-Menschen weltweit werden, das sie einmal war?

Bis zuletzt hat Juergen Boos mit seinem Team darum gekämpft, dass es auch in diesem Jahr eine physische Frankfurter Buchmesse geben wird. In unzähligen Gesprächen mit Vertretern der Branche hielt der 59-jährige Manager die Hoffnung aufrecht, dass man sich auf dem Frankfurter Messegelände treffen werde. Am Ende sind der Druck der Corona-Pandemie und das gesundheitliche Risiko für die Menschen aber doch zu groß. Der geplante Auftritt von Verlagen in nur noch drei Hallen vom 14. bis 18. Oktober muss abgesagt werden.

„Es ist eine sehr besondere Zeit, ich hätte mir das niemals träumen lassen“, sagt der Direktor der Buchmesse im Gespräch mit der FR. Die Erschöpfung und Enttäuschung zugleich sind ihm anzumerken.

2005 hatte er die Leitung der größten Medienschau der Welt übernommen, dieses Jahr wird das härteste und verrückteste für ihn und für die gesamte Branche. Nur „knapp 800 Zusagen“ von Verlagen hatte die Messe bisher bekommen – statt der sonst üblichen 7400 Ausstellenden. Boos hoffte noch, dass sich einige in letzter Minute für Frankfurt entscheiden würden. Doch dann sagte Frankreich ab, das europäische Land, das der physischen Veranstaltung bis zuletzt die Treue gehalten hatte. Denn die Corona-Fallzahlen steigen dort rapide.

Rechtehandel im Netz

Schon lange hatten fast alle namhaften deutschen Verlage abgesagt, schon lange war der Rechtehandel, das wirtschaftliche Herz der Buchmesse, auf eine Internet-Plattform verlegt worden. 800 Agentinnen und Agenten hatten sonst in der Festhalle um die Verträge für Bücher, Filme, Hörbücher, Spiele gepokert.

Jetzt wird der denkmalgeschützte Kuppelbau zum Schauplatz des einzigen physischen Ereignisses auf dem Messegelände, der großen ARD-Bühne. Boos spricht hoffnungsvoll von einem „tollen Programm“. Von der Bühne aus wird die ARD-Buchmessen-Nacht am 16. Oktober übertragen. Die Buchmesse wird auch mit ihrem „Bookfest“ physisch in der Stadt präsent sein, mit „80 Events“ an „40 Locations“, wie das Team mitteilt, mit Lesungen und Diskussionen.

Juergen Boos sagt in beschwörendem Ton: „Die alte Messe wird es wieder geben“

Alles andere ist ins Internet verlegt worden. Bookfest digital sendet am Samstag, 17. Oktober, den ganzen Tag über. Der „Weltempfang“, die politische Bühne der Buchmesse, erlebt seine erste digitale Ausgabe unter dem Motto „Europa Kulturen Verbinden“. Auch der diesjährige Ehrengast Kanada präsentiert seine Literatur und Kultur im Netz. Erst für 2021 ist ein physischer Auftritt mit Gastland-Pavillon in Frankfurt geplant.

Über all dem steht die bange Frage: Wird die Buchmesse je wieder zu dem Treffen der Medien-Menschen weltweit werden, das sie einmal war? Mit drangvoller Enge, fröhlichen Feiern die Nächte hindurch, mit der tatsächlichen Begegnung von Autorinnen und Autoren und Publikum? Juergen Boos weiß, dass diese Frage die Branche umtreibt. Er sagt in beschwörendem Ton: „Die alte Messe wird es wieder geben.“ Gerade in Zeiten zunehmender Digitalisierung bleibe die persönliche Begegnung entscheidend.

Zusammenarbeit mit Musikbranche

Boos hatte in den zurückliegenden Monaten für Irritation gesorgt, weil er die Annäherung der Buchmesse an andere Branchen vorangetrieben hatte. So sollen Buchmesse und Musikmesse im Oktober 2021 zeitgleich auf dem Frankfurter Messegelände organisiert werden. „Die Buchmesse wird eigenständig bleiben“, verspricht Boos. Aber die „Zusammenarbeit“ etwa mit der Musikbranche werde wichtiger. In seiner bisherigen Amtszeit hatte der 59-jährige die Annäherung an die Filmbranche vorangetrieben.

Die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs, dankte der Bundesregierung und dem Land Hessen für ihre Unterstützung für diese besondere Buchmesse. Von Kulturstaatsministerin Monika Grütters kommen alleine vier Millionen Euro, um den wirtschaftlichen Schaden zu mindern. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hatte versprochen, dass die Stadt die Einnahmeausfälle für die Frankfurter Messegesellschaft ausgleichen wird. (Von Claus-Jürgen Göpfert)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare