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Simon Horn sagt die Buchmesse sei gut für Gastronomen.

Interview

Frankfurter Buchmesse: „Das Literaturvolk ist kulinarisch sehr aufgeschlossen“

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Simon Horn (36) ist Koch und Betreiber des Restaurants Margarete.

Was bedeutet die Frankfurter Buchmesse für Sie als Gastronom, Herr Horn?
Die Buchmesse gehört definitiv zu den konsumintensiven Messen. Das Literaturvolk ist kulinarisch sehr aufgeschlossen – und isst und trinkt auch sehr gerne. Die meisten Gäste kommen zu uns zum Essen ins Restaurant. Es gibt aber auch Leute, die sich an unserer Bar nach einem anstrengenden Buchmessentag sehr gerne eine Flasche Wein wegatmen. (lacht)

Welche Messen laufen für Sie nicht mehr so gut?
Die IAA. Da sind die Gäste in den vergangenen Jahren total zurückhaltend geworden, wenn es um das Thema Essen geht. Dort gibt es nun mehr Events auf dem Messegelände, aber eben weniger in der Stadt selbst. Besser hingegen ist für das Gastrogeschäft die Automechanika. Sie ist größer, und da merkt man, dass die Besucher auch noch mehr ausgehen.

Wenn die Internationale Automobil-Ausstellung wegziehen sollte, wäre das also kein großer Verlust?
Nicht wirklich. Natürlich ist es immer schade, wenn eine Messe aus der Stadt weggeht.

In diesem Jahr ist bei der Buchmesse Norwegen der Ehrengast. Passen Sie da auch Ihr Menü an?
Tatsächlich richten wir unser Herbstmenü immer nach dem Gastland aus. Allerdings kochen wir nicht komplett norwegisch, wir lassen uns aber vom jeweiligen Gastland inspirieren. Alles andere wäre auch anmaßend zu behaupten. Also dass man jedes Jahr eine andere Landesküche zu 100 Prozent authentisch wiedergeben kann. Deswegen bedienen wir uns an Ideen aus der entsprechenden Küche. In Norwegen geht es viel um Nüsse, Beeren und Wurzeln. Bedingt durch die klimatischen Bedingungen und wenig Sonne braucht dort alles länger zum Wachsen. Das schmeckt man auch raus, die Sachen haben einen intensiveren Geschmack. Auf unserem Menü haben wir beispielsweise einen gegrillten Organic Lachs von den Färöern, serviert mit fermentiertem Kimchi-Kohlrabi, Pastinake, Blaubeeren und leichtem Wurzelschaum.

Wer hat sich bei Ihnen als Gast eigentlich alles so angekündigt?
Viele Verlage, Autoren und Prominente. Die norwegische Außenministerin oder Sarah Wagenknecht stehen beispielsweise auf der Gästeliste. Bei solchen Leuten ändert sich der Terminplan aber auch alle zwei Stunden, da muss man sehr flexibel sein und Spaß dran haben. Während der Buchmesse herrscht so ein Tohuwabohu, dass zwei Mitarbeiter nur damit beschäftigt sind, alle Termine zu koordinieren.

Gibt es einen Promi, der diesmal sein Buch auf der Messe vorstellt, den Sie gerne mal zu Gast hätten?
Thomas Gottschalk wäre Bombe, weil er und „Wetten, dass …?“ einfach zu meiner Kindheit gehören.

Die Weihnachtsfeiern stehen bald an. Laufen dafür schon die Reservierungen? Und gibt es noch Platz?
Ja, die laufen, aber auch hier merke ich, dass oft nicht mehr so viel Budget da ist wie noch vor ein paar Jahren. Diese „Es ist alles egal und hau raus“-Mentalität ist vorbei. Aber wir machen trotzdem noch viele Weihnachtsfeiern. Dieses Jahr haben wir auch zwei neue, coole Off-Locations am Danziger Platz. Atelier Lihotzky heißt die neueste. Es ist in der früheren Kantine der ersten Niederlassung des Versandhauses Neckermann. Hier können bis zu 400 Leute ein Menü essen. Es ist Frankfurts größte Wohnküche.

Interview: Kathrin Rosendorff

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