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Frankfurter Buchmesse: Langes Warten auf die Lieblingsautorin

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Von: Steven Micksch

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Das Warten und Anstehen macht den meisten Menschen nichts aus. „In der Warteschlange hat man viele tolle Gespräche“, sagte eine Besucherin.
Das Warten und Anstehen macht den meisten Menschen nichts aus. „In der Warteschlange hat man viele tolle Gespräche“, sagte eine Besucherin. © Renate Hoyer

Am Wochenende konzentrieren sich viele Buchfans auf persönliche Begegnungen mit ihren literarischen Stars. Dafür nehmen sie gerne lange Warteschlangen in Kauf.

Es gibt diese Orte auf der Frankfurter Buchmesse: Gänge, in denen fast gar nichts los ist, in denen man unbehelligt schlendern kann. So wie im äußeren Gang der Halle 3.1 am Samstagnachmittag, als selbst einer der dortigen Standmitarbeiter sich wunderte, „hier ist heute wirklich wenig los“. Vielleicht hätte er heraustreten sollen aus seinem Special-Interest-Stand und eintauchen in die Gänge hinter ihm mit den Büchern für jedermann und jederfrau, dann hätte er ein anderes Bild gewonnen.

Zumindest ist es schwer zu sagen, wo mehr Andrang war, am Stand von Klett-Cotta, der das Publikum ins Hobbitland der Glückseligkeit entführen kann und alle Werke von J.R.R. Tolkien rund um Mittelerde beherbergt, oder doch am Stand von Dumont, direkt gegenüber. Der konnte immerhin mit dem Deutschen Buchpreis 2022 ausgezeichneten Roman „Blutbuch“ von Kim de l’Horizon aufwarten, und das verfing.

Die meiste Zeit geht das Buch von Hand zu Hand, im Regal steht nur selten ein Exemplar für längere Zeit. Manch eine will es gar nicht mehr aus der Hand geben, nimmt auf einer Sitzbank Platz und schmökert minutenlang in dem Roman.

Eine 53-jährige Frau aus Seeheim-Jugenheim – ihren Namen will sie nicht nennen – hat eines der Exemplare mit dem roten Einband erstanden. „Ich erhoffe mir eine neue Perspektive des Lesens“, sagt sie. Die Vorstellung des Buchs habe ihr Interesse geweckt, nun wolle sie sich selbst einen Eindruck verschaffen. Sie und ihr Mann werden zuvor aber noch ein wenig über die Messe schlendern.

Unterdessen füllt eine Mitarbeiterin das Regal wieder auf, auch wenn das fast einem Kampf gegen Windmühlen gleicht. Nicht selten kaufen die Besucher:innen auch mehr als nur ein Exemplar. „Es gab Momente, in denen wir pausenlos nachlegen mussten.“ Der Roman „Blutbuch“ sei mit Abstand der meistgefragte Titel am Stand. Zweifelsohne auch, weil er soeben mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde.

Geht man von der Halle 3.1 durch die Türen auf den Balkon ins Freie, kann man auf die Agora mit den Essensständen, den „Frankfurt Pavillon“, Signierzelt und Tiktok-Bereich schauen. Viel auffälliger als diese sind jedoch die Menschentrauben auf dem Platz. Und die weit mehr als 100 Meter lange Menschenschlange, die dort bewegungslos verharrt.

Ann-Christine, Nathalie, Ina und Anja stehen recht weit vorn in der Schlange, die sich in Halle 3.0 hineinschlängelt und den Stand des Verlags Droemer Knaur als Ziel hat. Hier signieren fünf Romance-Autorinnen die Bücher der Fans. „Ich stehe für Tami Fischer an“, sagt die 37-jährige Ann-Christine, die gleich vier Bücher in den Händen hält. „Ein paar habe ich für meine Freundin dabei.“ Ihren Platz in der Schlange haben sich die Frauen bereits um 13 Uhr gesichert, also zweieinhalb Stunden bevor die Signierstunde beginnt.

Die 37-Jährige aus Kassel ist guter Dinge, dass sie diesmal eine Signierung bekommt. „Vorhin habe ich an einem anderen Stand eineinhalb Stunden gewartet und am Ende nichts bekommen.“ Es sei ärgerlich, dass in diesem Jahr die Struktur fehle. Klare Schlangen wie die lange draußen seien eine Seltenheit. Und eigentlich wäre es auch besser, wenn man den Wartenden sagen würde, dass sie nicht mehr drankommen würden. „Wenn wir nachher drankommen, werden wir auch so dreist sein und nach einem Foto fragen.“ Die 24-jährige Ina aus Osnabrück freut sich auf die Autorin Lilly Lucas. „Wenn sie schon mal hier ist, kann man sich das nicht entgehen lassen.“ Vorrangig sei sie aber auch da, um sich mit Freunden zu treffen, die sie online kennengelernt habe.

Im Inneren der Halle 3.0 zeigt sich das gewohnte Bild. Groß und Klein stöbern in den ausgestellten Büchern. Es wird gekauft, geredet und angestanden. Auf der Bonnier-Bühne scharen sich Dutzende Menschen um die im Thienemann-Esslinger-Verlag publizierende Münchner Autorin Julia Dippel. Manche machen nur ein Foto von weitem, weil sie befürchten, nicht mehr dranzukommen. Andere geben die Hoffnung trotz ihrer Position weit hinten nicht auf.

Eine, die das Glück hatte ganz vorne zu stehen, ist Corinna. „Sie ist eine meiner Lieblingsautorin. Ich verschlinge ihre Bücher“, sagt die Saarländerin glücklich strahlend. Seit Dippels Debütroman „Izara – Das ewige Feuer“ im Jahr 2018 ist sie Fan. Sie begeistere der Schreibstil der Autorin und auch die Welt, die diese geschaffen habe, „nimmt einen mit“. Die Corona-Pause der Buchmesse habe wehgetan. Die Messe sei einfach ein Pflichttermin. „Man ist umgeben von Büchern und wir lieben Bücher“, sagt sie. Ihre beiden Freundinnen nicken. „Und man trifft hier Gleichgesinnte.“ Dann gehen die drei, um noch mehr von der Messe zu erleben.

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