Hessen, Frankfurt/Main: Blick über eine Ausstellungshalle der Frankfurter Buchmesse.
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Blick über eine Ausstellungshalle der Frankfurter Buchmesse.

Kultur

Frankfurt: Buchmesse geht wegen Corona neue Wege

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Die Frankfurter Buchmesse will sich im Oktober als Marke behaupten - digital, international und mit viel Prominenz. Die neu entwickelten Formate sollen zudem Teil der Buchmesse bleiben.

Das Erzählen von Geschichten, sagt Juergen Boos, kann Hoffnung vermitteln. Es sei gerade jetzt „extrem wichtig“, sagt der Direktor der Frankfurter Buchmesse. Er und sein Team müssen eine Antwort finden auf die Corona-Pandemie. Vom 14. bis 18. Oktober sollen von Frankfurt aus „Signals of Hope“, Signale der Hoffnung also, in die Welt gehen. So voller Pathos plant das größte Medientreffen der Welt 2020 seine „Special Edition“, die fast ausschließlich digital ist. 2800 Aussteller aus 89 Ländern liefern ihre Beiträge im Internet, davon mehr als 800 aus dem deutschsprachigen Raum.

Es ist am Ende, darauf beharrt Boos geradezu trotzig, doch noch eine internationale Messe, mit Teilnehmern vom Kosovo bis Ruanda, aus den USA, China, Argentinien, Kolumbien und Kasachstan. Sie alle präsentieren ihre Bücher und Medien auf den Themenseiten der Buchmesse unter buchmesse.de. „Neue Formate und neue Wege“ hat das Team im Internet entwickelt, „die zum großen Teil für die nächsten Jahre bleiben werden“, so der Medien-Manager. Boos sieht allen Anlass zum Optimismus: „Das Buch ist stabil“, es trotze Corona, die Branche sei „gut aufgestellt“ und hoffe, „die Krise gut meistern zu können“.

Natürlich antwortet die Messe auf Unkenrufe, die forcierte Digitalisierung bedeute immer mehr inhaltliche Entleerung und die Hinwendung zu Unterhaltungsformaten. Die Nachricht, dass die Buchmesse 2021 parallel zur Musikmesse auf dem Gelände ausgerichtet werden soll, nährt diese Befürchtung. „Tatsächlich ist die Musikmesse weit weg von uns“, behauptet Boos. Die Signale der „Special Edition“ sind durchaus politisch. Buchmessen-Sprecherin Katja Böhne macht in der Gesellschaft „eine gewisse Art von Verzweiflung“ aus, sie kritisiert „Verschwörungstheorien“. Dem wolle die Buchmesse entgegentreten. Und genau dazu dient die neue Internet-Kampagne „Signals of Hope“, die Ideen bündeln soll, wie der Krise begegnet werden kann.

Buchmesse in Frankfurt will sich als Marke digital behaupten

Unter diesem Label wird im Netz ein „Hope-Salon“ eröffnet, sprechen Autoren ihre Texte, geht es um Human Rights, Geschlechtergerechtigkeit, Black Stories, Klimawandel und am letzten Messetag dann etwas optimistischer: „Hoffnung, Freundschaft und Liebe“. Und Böhme setzt vor dem versammelten Medien-Publikum gleich die erste „Hope“-Botschaft ab: „Hope is a story!“ Wenn das nicht hilft.

So versucht die Buchmesse, sich als Marke digital zu behaupten. Das „Bookfest“, das große Unterhaltungsprogramm, bietet 28 Stunden Internet-Programm, „alles umsonst“. Da tritt Comic-Autor Ralf König ebenso auf wie der große Baum-Versteher Peter Wohlleben, der seit „Das geheime Leben der Bäume“ einen Bestseller an den anderen reiht.

Die Literatur vertreten etwa die kenianische Autorin Yvonne Adhiambo Owuor mit „Das Meer der Libellen“, aber auch die Deutschen Olga Grjasnowa und Jochen Meyerhoff. Mehr als 70 Stunden dehnt sich das Fachprogramm der Buchmesse für die Publisher und Rechtehändler aus, mit besonderem Schwerpunkt beim allerheißesten Markt, dem Audiostreaming.

60 Live-Veranstaltungen vor Publikum bei der Buchmesse Frankfurt

Aber die Frankfurter Buchmesse verteidigt auch einen physischen Kern. Und der ist gar nicht so klein. Vor 450 Menschen eröffnet Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) in der Festhalle die Schau. Die ARD- Bühne bildet dann den Schauplatz für mehr als 60 Live-Veranstaltungen vor Publikum. Da darf Literaturkritiker Denis Scheck täglich seine schönsten Verrisse und Empfehlungen präsentieren. Da versammelt das Arte-Projekt „Es wird Zeit“ Junge und Alte, die über die Zukunft des Planeten diskutieren. Die syrische Autorin Lina Atfah tritt auf, die 2014 aus ihrer Heimat fliehen musste und dieses Jahr den Liberatur-Preis erhält, der Büchern aus Afrika, Lateinamerika, Asien und der Arabischen Welt gilt.

Auch hier also politische Akzente. Etwa, wenn Joshua Wong von der Freiheitsbewegung in Hongkong digital mitdiskutiert. Zur Zeit knüpft das Team gerade Kontakte zur Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch, die in Weißrussland der Verfolgung trotzt. Und dann gibt es wieder das Bookfest als ganz starkes physisches Signal. Mit 77 Veranstaltungen an 35 Orten in Frankfurt, mit 119 Autorinnen und Autoren, zum ersten Mal mit Büchertischen. Zeitgleich werden Plakate in der Stadt das trotzige Motto der Buchbranche verkünden: „All together now“.

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