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Frankfurter Buchmesse: Fiktion und Wahrheit über Hans Fallada

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Von: Georg Leppert

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FR-Redakteur Oliver Teutsch stellt sein Buch die „Akte klabautermann“ am FR-Stand vor. Volontärin Anna Laura Mueller moderierte die Veranstaltung am Freitag.
FR-Redakteur Oliver Teutsch stellt sein Buch die „Akte klabautermann“ am FR-Stand vor. Praktikantin Anna Laura Mueller moderierte die Veranstaltung am Freitag. Renate Hoyer © Renate Hoyer

FR-Redakteur Oliver Teutsch stellt seinen Debütroman „Die Akte Klabautermann“ vor – einen Roman über einen Roman.

Oliver Teutsch mag Hans Fallada. Der FR-Redakteur bezeichnet sich sogar als großen Fan des 1947 im Alter von nur 53 Jahren gestorbenen Schriftstellers. Man sollte das hervorheben, denn: Wer Teutschs Buch „Die Akte Klabautermann“ liest, kommt nicht unbedingt darauf, dass Autor Teutsch dem Autor Fallada viel abgewinnen kann. Fallada erscheine in seinem Buch sicher nicht besonders sympathisch, sagt Teutsch am Freitag am FR-Stand auf der Buchmesse, „nicht sympathisch, aber menschlich“.

Nun aber der Reihe nach. Hans Fallada, geboren 1893 in Greifswald, hat kurz vor seinem Tod den Welterfolg „Jeder stirbt für sich allein“ geschrieben. Und Oliver Teutsch, Polizeireporter der Frankfurter Rundschau, hat ein Buch über dieses Buch geschrieben. Kein Sachbuch, wie man vermuten könnte. „Ich lese viel lieber Romane“, sagt Teutsch am Freitag im Interview mit FR-Volontärin Anna Laura Müller. Also hat er einen geschrieben. Einen Roman über einen Roman, in dem Fiktion und Wahrheit bisweilen nicht zu trennen sind. Doch in jedem einzelnen Kapitel stecke mehr Wahrheit als Dichtung, betont Teutsch.

Wer das Buch des FR-Redakteurs liest, erfährt viel über Fallada, aber auch über das Berlin der Jahre 1945/1946 und die zaghaften Versuche, nach dem Krieg so etwas wie ein Kulturleben aufzubauen. Einfach ist das nicht, die Stadt liegt in Trümmern, und immer noch wird gestorben. Im Schnitt gibt es sogar mehr Tote als an Kriegstagen. Hans Fallada lebt in dieser Zeit und ist ziemlich am Ende, wie Teutsch detailreich beschreibt. Oft hat er keine Lebensmittelkarten, um sich etwas zu essen zu holen. Vor allem aber ist er morphiumsüchtig. Kann sich Fallada zu dem Roman aufraffen oder ist die nächste Morphiumspritze die letzte? Diese Frage stellt man sich bei der Lektüre nicht nur einmal, wie Anna Laura Müller im Gespräch anmerkt.

Auch Hilde Knef kommt vor

Dass Fallada überhaupt noch einmal schreibt, liegt an Johannes R. Becher, der später als Komponist der DDR-Nationalhymne und als Kulturminister des Landes Karriere machen wird. Als Abgesandter des Kulturbundes beauftragt er Hans Fallada, einen Roman über ein Ehepaar zu schreiben, das in der NS-Zeit Postkarten geschrieben hatte, um Widerstand zu leisten. Die beiden wurden hingerichtet. Fallada bekommt das Werk noch fertig. Becher ist alles andere als zufrieden, wie Teutsch recherchiert hat. Aber „Jeder stirbt für sich allein“ wird zum großen Erfolg. Die Besonderheit: Ein deutscher Autor, der nicht selbst emigriert ist, schreibt über den Widerstand.

Anna Laura Müller will es im Gespräch genau wissen: Was ist nun historisch verbürgt, was hat Teutsch erfunden oder zumindest zugespitzt erzählt? Da ist etwa die Schauspielerin Hildegard Knef, die im Buch eine Mitbewohnerin von Fallada war. War sie in der Realität nicht, doch Teutsch wollte das langsam wieder einsetzende Kulturleben anhand einer jungen Schauspielerin schildern. Bevor er eine erfand, griff er auf Knef zurück, die seinerzeit in Berlin lebte.

Biografien über Fallada gebe es einige, sagt Teutsch. Der Schriftsteller als Hauptfigur eines Romans – das ist hingegen einzigartig.

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