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Buchmesse 2018: Besucher drängen sich durch die Halle 3.0.

Ideen schützen

Frankfurter Buchmesse: Ein Forum auch für Klimaaktivisten

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Die Frankfurter Buchmesse ruft die Kampagne „Create your revolution“ aus.

Seit einem halben Jahrtausend häutet sich die Frankfurter Buchmesse, spiegelt stets den Wandel der Gesellschaft. „Wir machen nichts anderes als die letzten 500 Jahre auch“, sagt Messe-Sprecherin Katja Böhne. Ihre kurze Formel des größten Medien-Treffens der Welt: „Menschen stellen in Frankfurt Ideen vor.“ In diesem Jahr vom 16. bis zum 20. Oktober, es werden etwa 280.000 Menschen erwartet, mehr als 7500 Verlage aus mehr als 100 Ländern sind vertreten.

Und natürlich reagiert die Buchmesse deutlich auf die wachsenden Proteste gegen den Klimawandel einerseits und den erstarkenden Rechtspopulismus zum anderen. Es gibt eine neue Kampagne unter dem schönen Namen „Create your revolution – initiative for the future of the culture“. Es gehe darum, die Handelsware der Messe, nämlich die Ideen, „zu schützen“, sagt Böhne, „das „Recht auf Meinungsfreiheit“ zu verteidigen. Sie widerspricht bei der Buchmessen-Programmpressekonferenz offen dem „etwas armseligen Zitat“ des FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner, man möge doch die Politik den Profis überlassen.

Nein, die Buchmesse bringt statt dessen die Klima-Aktivistin Luisa Neubauer und den Pianisten Igor Levit in einem Video zusammen. „Eure Maßlosigkeit lastet auf unseren Schultern“, sagt Neubauer anklagend. Die „Create your revolution talks“ am 16. Oktober von 17 bis 20 Uhr im Saal „Harmonie“ (!) des Messe Congerss Centers kreisen um die Frage, welche Rolle die Kultur in der Welt von morgen spielen wird.

Buchmesse Frankfurt 2019

Etwa 10.000 akkreditierte Journalisten und Blogger werden über die Frankfurter Buchmesse 2019 vom 16. bis 20. Oktober berichten.

Mehr als 4000 Veranstaltungen sind angekündigt.

Neu ist, dass am Messe-Samstag, 19. Oktober und am Messe-Sonntag, 20. Oktober, die Besucherinnen und Besucher alle Medien und Bücher kaufen können.

Die Frankfurter Buchmesse bietet für alle wichtigen Informationen eine eigene App: buchmesse.de/app.

Partner ist der Sender Arte, der die Videos produziert hat. Arte-Geschäftsführer Wolfgang Bergmann erhebt bei der Pressekonferenz den Anspruch, einen „dritten Weg“ zu beschreiten, „wenn sich Emotionen und Ratio scheinbar unversöhnlich gegenüberstehen“.

Ein zweiter neuer Schwerpunkt der Messe ist die Zusammenarbeit von Künstlern, Medienschaffenden und Wissenschaftlern auf einem 3000 Quadratmeter großen Parcours im ersten Stock der Halle 4. Das Festival TheArts+Future of Culture, das es seit 2016 auf der Messe gibt, und B3, die Biennale des bewegten Bildes der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach, haben sich da zusammengetan. HfG-Präsident Bernd Kracke kündigt 25 Filme und 35 Videos an. Gefördert wird das Ganze vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Ministerin Angela Dorn (Grüne) verspricht, dem Event „viel Freiheit zu geben, vieles zuzulassen“.

Der dritte neue Themenbereich der Messe heißt „Frankfurt Audio“ und rückt die Welt der Hörbücher, Podcasts und Audio-Trends in den Fokus. Auf einem 600 Quadratmeter großen Areal im ersten Stock der Halle 3 gibt es auch ein eigenes Podcast-Studio, in dem die Messebesucher selbst aktiv werden können. Aber auch Erzähler Rafik Schami und die Macher von bekannten Podcasts wie „Der Abgrund“ und „Stern Crime“ kommen.

Die vierte Novität heißt „Frankfurt Authors“ und findet sich im Erdgeschoss der Halle 3. Dort gibt es Gelegenheit zum Auftritt für Autoren, die ihre Werke selbst publizieren und sich nicht mehr auf klassische Verlage verlassen. Auf einer Bühne tritt unter anderem der bekannte Blogger Sascha Lobo auf.

Und wo bleibt eigentlich die Literatur auf der Frankfurter Buchmesse? Nun, Anhänger des klassischen gedruckten Buches, gar der Belletristik, können sich damit trösten, dass Kultur- Staatsministerin Monika Grütters (CDU) zum ersten Mal den neuen Deutschen Verlagspreis verleiht. Dass das Land Hessen wieder einen Gemeinschaftsstand für 22 hessische Verlage aufbaut und nicht weniger als 42 Veranstaltungen dort organisiert.

Die Buchmesse baut zugleich ihr „Bookfest“ kräftig aus, bei dem Bestseller-Autorinnen und -Autoren, aber auch Musiker, Schauspieler und „Lebenskünstler“ präsentiert werden. Es gibt mehr als 50 Veranstaltungen in der Frankfurter Innenstadt und knapp 30 auf dem Messegelände.

Das sei „keine Konkurrenz“ zu dem großen Lesefest der Stadt Frankfurt, „Open Books“, versichert Buchmessen-Direktor Juergen Boos auf eine Frage der FR hin. „Wir stimmen das alles natürlich mit der Stadt ab“, verspricht Boos.

Beim „Bookfest“ angekündigt sind internationale Literatur-Stars wie die kanadische Autorin Margaret Atwood und der US-Amerikaner Colson Whitehead, aber auch Thomas Gottschalk und Ulrich Wickert. Die Buchmesse bietet allen ein Forum.

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