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Frankfurter Buchmesse: Ehrengastland Spanien stellt sich vor

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Von: Florian Leclerc

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Das Logo des Ehrengastlands Spanien - ein „S“ von Farben umflossen. Foto: Ehrengastland Spanien
Das Logo des Ehrengastlands Spanien - ein „S“ von Farben umflossen. © Ehrengastland Spanien

Besucherinnen und Besucher sollen die vielfältige Literatur und Kultur Spaniens auf der Frankfurter Buchmesse 2022 erleben. Die Veranstalter planen auch ein umfassendes Rahmenprogramm.

Spanien präsentiert sich zum zweiten Mal als Ehrengastland auf der Frankfurter Buchmesse. Diesmal vom 19. bis 23. Oktober unter dem Motto „Creatividad Desbordante – Sprühende Kreativität“. In den vergangenen 30 Jahren habe sich das Land stark verändert, hob der spanische Botschafter in Deutschland, Ricardo Martínez, hervor, der schon 1991 beim Gastlandauftritt dabei war. Es sei vielfältiger und dynamischer geworden.

Während sich Spanien Anfang der 1990er-Jahre innenpolitisch allmählich mit dem Erbe der Franco-Diktatur auseinandersetzte, schlug für das Land auf der Frankfurter Buchmesse „die Stunde Spaniens“ („La Hora de España“), wie das Motto lautete. Etwa zehn Tonnen Sand waren im Gastlandpavillon aufgeschüttet. Kleine Stände aus Stahl zeigten 15 000 Werke der spanischsprachigen Literatur vom Mittelalter bis zur Moderne.

Reich-Ranicki empfahl Javier Marías

Spanien, für seine Strände berühmt, wurde zum literarischen Sehnsuchtsort der Deutschen. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki empfahl im „Literarischen Quartett“ des ZDF 1992 Javier Marías‘ „Mein Herz so weiß“, das in die Bücherregale der deutschen Bildungsbürger:innen wanderte.

Beherrscht wurde die Frankfurter Buchmesse 1991 allerdings von der Debatte über den Mordaufruf, der Fatwa, des iranischen Staatschefs Chomeini gegen den Autor Salman Rushdie, 1989 ausgesprochen. Nach einem Iran-Boykott hatte die Frankfurter Buchmesse iranische Aussteller zunächst wieder zugelassen und erst nach scharfer Kritik von Autor:innen, Verlagen, Verbänden und Politiker:innen die Einladung wieder zurückgezogen.

2022 überdeckt ein anderes Thema die Vorstellung Spaniens auf der Buchmesse: der russische Angriffskrieg in der Ukraine. „Wir sind mit dem Herzen und mit dem Kopf bei den Menschen in der Ukraine, bei denen, die um ihr Leben kämpfen und dabei ihre Freiheit verteidigen“, sagte Buchmesse-Direktor Juergen Boos. Die Zusammenarbeit mit staatlichen russischen Institutionen sei eingestellt worden. „Wir denken an die traumatisieren Geflüchteten“, sagte er. Der Krieg müsse sofort beendet werden.

Deutschland ist zweitwichtigster Markt für Übersetzungen

„Unser großer Reichtum zeigt sich nicht in Gas oder Öl, sondern in den Werten und in den Menschenrechten, für die die Europäische Union eintritt“, sagte Luis García Montero, der Direktor des Instituto Cervantes. Literatur und sprachliche Vielfalt leisteten dazu einen entscheidenden Beitrag. Montero verwies darauf, dass Spanisch die am zweitmeisten gesprochene Sprache weltweit sei; knapp 500 Millionen Menschen haben es als Muttersprache.

Um spanische Belletristik, Sachbücher, Lyrik, Kinder- und Jugendliteratur und Graphic Novels weltweit verfügbar zu machen, sei im Zuge des Auftritts als Ehrengast ein weitreichendes Übersetzungsprogramm in die Wege geleitet worden, sagte Gastland-Projektleiterin Elvira Marco. Mehr als zwei Millionen Euro habe das spanische Ministerium für Kultur und Sport investiert, um Übersetzungen zu fördern. Von 2019 bis 2021 seien schon 340 Titel ins Deutsche übersetzt worden. Bis zur Buchmesse seien 86 Neuerscheinungen absehbar – „vielleicht knacken wir sogar die 100“.

Nach Italien gilt Deutschland als wichtigster Markt für übersetzte Werke aus Spanien. Übersetzt werden Bücher aus allen Amtssprachen, also neben Spanisch (Castellano) auch Galizisch (Gallego), Katalanisch, (Catalán) und Baskisch (Vasco). Auf der Frankfurter Buchmesse werden weltweit 80 Prozent der Urheberrechte gehandelt. In Spanien erscheinen etwa 74 000 Titel im Jahr - unter anderem von Irene Solà („Singe ich, tanzen die Berge“) und Kiko Amat („Träume aus Beton“), die am Donnerstagabend zu Gast im Instituto Cervantes in Frankfurt waren.

Außer im 2000 Quadratmeter großen Gastland-Pavillon will Spanien sich mit einem deutschlandweiten Rahmenprogramm präsentieren. Projekte gibt es an den Münchner Kammerspielen, an der Schaubühne Berlin, im Schauspiel Frankfurt, im Künstlerhaus Mousonturm, im Fotografie-Forum Frankfurt, im Frankfurter Kunstverein, im Städel-Museum Frankfurt, in der Caligari Filmbühne Wiesbaden, im Frankfurter Filmmuseum. Reproduktionen aus dem Prado-Museum werden bei „El Prado en las calles“ in Frankfurt und Berlin zu sehen sein.

Einen ersten literarischen Eindruck gibt es beim Frankfurter Literaturfestival Literaturm vom 27. Juni bis 3. Juli. Spanische Küche wird auf der Buchmesse angeboten.

María José Gálvez vom spanischen Kulturministerium und Projektleiterin Elvira Marco bereiten den Auftritt vor.
María José Gálvez vom spanischen Kulturministerium und Projektleiterin Elvira Marco bereiten den Auftritt vor. © Holger Menzel

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