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Sorgt weiter für Ärger: Stand der neurechten Verlage „Jungeuropa“ und „Oikos“.
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Sorgt weiter für Ärger: Stand der neurechten Verlage „Jungeuropa“ und „Oikos“.

Mehrheitsgesellschaft

Boykott der Frankfurter Buchmesse – Teilnehmende befürchten Gefahr von rechts

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
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Viele Autor:innen sagen die Buchmesse in Frankfurt ab. Der Grund ist die Anwesenheit rechter Verlage. Die genießen die Aufmerksamkeit.

Frankfurt – Immer mehr Autor:innen und Kulturschaffende, unter ihnen viele Schwarze und People of Colour, sagen wegen der Präsenz rechtsextremer Kleinverlage ihre Auftritte auf der Frankfurter Buchmesse ab. Mittlerweile ist auch das Lesefest „Open Books“ von Absagen betroffen.

Begonnen hatte die Diskussion mit der Autorin Jasmina Kuhnke, die ihr Buch „Schwarzes Herz“ auf der Buchmesse präsentieren wollte. Kuhnke hatte mit der Begründung abgesagt, dass sie sich als Schwarze Frau auf der Messe nicht sicher fühle, weil in unmittelbarer Nähe der Bühne in Messehalle 3.1 die neurechten Verlage „Jungeuropa“ und „Oikos“ ihren Stand haben. Beide Verlage stehen der AfD, der Neuen Rechten und der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ nahe. In der Folge teilten auch die Schauspielerin Annabelle Mandeng, die Choreographin Nikeata Thompson, der Influencer und Entertainer Riccardo Simonetti und der Aktivist Raul Krauthausen mit, nicht in Frankfurt aufzutreten.

„Lebensbedrohliche Verhaltensweisen“: Schauspielerin boykottiert Frankfurter Buchmesse

Annabelle Mandeng begründete es damit, sie könne nicht auf die Messe kommen, weil sie erfahren habe, „dass rechtsradikalen Verlagen wissentlich wiederholt Raum gewährt wird und damit rassistische, lebensbedrohliche Verhaltensweisen wie gegenüber Jasmina Kuhnke geduldet werden“. Nikeata Thompson schrieb, sie sei von der „Entscheidung der weißen Mehrheitsgesellschaft“ enttäuscht. Sie habe mit ihrem Buch „Schwarz auf Weiß“ über Rassismus aufklären wollen, der Buchmesse sei es aber wichtiger, „Rechtsextremen eine Stimme und eine Bühne zu geben als eine nachhaltige Veränderung in und für unsere Gesellschaft zu fördern – all das unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit“.

Raul Krauthausen, der im Rollstuhl sitzt und sich für Inklusion von Menschen mit Behinderungen einsetzt, schrieb, es zeuge von einem „bewussten Ignorieren bestehender Gewaltverhältnisse“, neofaschistische Argumente als gleichberechtigte Stimmen zu behandeln. Er wolle nicht in einem Klima auftreten, „in dem Schwarze Frauen und Women of Colour ihre Teilnahme aufgrund der Gefahr von Rechts absagen müssen“. Die Buchmesse betont, echte Sicherheitsbedenken nehme man ernst. An erster Stelle stehe für die Messe aber die Meinungs- und Publikationsfreiheit.

Frankfurter Buchmesse: Rechte Verlage genießen „kostenfreie Werbung“

Beim Lesefestival „Open Books“ fallen die Lesungen mit der Frankfurter Soziologin Katharina Hoppe, der Journalistin Ciani-Sophia Hoeder und dem Schriftsteller Matthias Nawrat aus, weil alle drei sich mit Jasmina Kuhnke solidarisieren.

Bei den Rechten scheint man die Aufmerksamkeit derweil zu genießen. „Vielen Dank für die kostenfreie Werbung“, hieß es am Mittwochabend auf dem Twitter-Account des Verlags „Jungeuropa“, obwohl Verleger Philip Stein der Frankfurter Rundschau zuvor versichert hatte, der Skandal sei ein „ausgelutschtes Spiel“, und er wolle lediglich in Ruhe seine Bücher ausstellen. (Hanning Voigts)

Im Interview spricht „Partei“-Politiker Nico Wehnemann über rechte Verlage auf der Frankfurter Buchmesse, die Haltung der Messeleitung und den Buchmessen-Boykott 2021.

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