Buchmesse

Frankfurter Buchmesse 2020 ist digital

  • Claus-Jürgen Göpfert
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Verlage können sich auf Themenseiten im Netz präsentieren / Unterstützung von Medien

Die Corona-Pandemie zwingt die traditionsreiche Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr zum großen Teil ins Internet. Von einer „Special Edition“ spricht Buchmessen-Direktor Juergen Boos, der am Freitagnachmittag erste Einblicke ins digitale Konzept gewährt. Es steht unter dem Titel „Come together now“. Die Website www.buchmesse.de bildet die Plattform für alle digitalen Formate, die Boos angesichts der Reisebeschränkungen und anderer Corona-Zwänge „essenziell“ nennt.

Verlage können sich auf Themenseiten im Internet präsentieren. Möglich macht das die finanzielle Unterstützung der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, Monika Grütters (CDU), sowie die Hilfe von ARD, ZDF, Deutschlandfunk, Deutscher Welle und anderer Medien. Der alte Bau der Festhalle auf dem Frankfurter Messegelände wird zum Veranstaltungszentrum. Er ist groß genug, um auch unter Corona-Bedingungen Veranstaltungen vor einem kleinen Livepublikum zu beherbergen. So wird die ARD-Buchmessennacht dort am Freitag, 16. Oktober, präsentiert. Dort steht auch die ARD-Buchmessenbühne, auf der Lesungen zu erleben sind. Das „Blaue Sofa“, fester Bestandteil jeder Buchmesse, ist in diesem Jahr in der Repräsentanz von Bertelsmann in Berlin aufgebaut. Etwa 50 Autorinnen und Autoren nehmen dort Platz, ihr Auftritt wird digital verbreitet.

Das ZDF steuert eine Literaturgala bei, in deren Rahmen am 16. Oktober der „Aspekte“-Literaturpreis verliehen wird. Am 17. Oktober folgt dann „Bookfest digital“: Ein 16-stündiges Liveprogramm mit internationalen Autorinnen und Autoren, die ihren Fans im Internet begegnen. „Weltempfang digital“ heißt ein Programm, mit dem die Buchmesse und das Auswärtige Amt einen politischen Schwerpunkt bilden.

Kanada im Jahr 2021

Der diesjährige Buchmesse-Ehrengast Kanada, dessen physischer Auftritt auf das Jahr 2021 verschoben wurde, präsentiert sich im Internet mit „zahlreichen digitalen Events“. Einzelheiten sollen noch bekanntgegeben werden. Der Handel mit internationalen Rechten und Lizenzen, also das wirtschaftliche Herz der Buchmesse, schlägt in diesem Jahr ebenfalls im Internet. Dafür wurde die Plattform „Frankfurt Rights“ gebildet. Außerdem bieten die Organisatoren ein umfangreiches digitales Konferenzprogramm mit Kurzvorträgen und Diskussionen.

Peter Ripken, der frühere Direktor des Internationalen Forums der Frankfurter Buchmesse, nannte die Vorstellung einer physischen Messe auf dem Gelände in Frankfurt „eine Schnapsidee“. Er gehe davon aus, so Ripken im Gespräch mit der FR, dass die städtischen Gesundheitsbehörden eine solche physische Präsenz „nicht zulassen werden“. Der erfahrene Literaturvermittler und Autor schätzte, dass statt der üblichen 7100 Aussteller maximal 1500 bereit seien, nach Frankfurt zu kommen. Die Kosten einer solchen kleinen Buchmesse lägen bei fünfzehn bis zwanzig Millionen Euro. Die Einnahmen schätzte Ripken auf lediglich zwei Millionen Euro.

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