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Die Leidenschaft für Bücher

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Der Frankfurter Buchhändler Helmut Kohl ist mit 92 Jahren gestorben

Es ist ein Einschnitt in der Geschichte des Buchhandels in Frankfurt. Helmut Kohl, der über Jahrzehnte einer der renommiertesten Buchhändler der Stadt war, ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Bis zuletzt hatte er über das Internet einen Fachbuchhandel betrieben. Bücher waren die Leidenschaft seines Lebens. Für sie hat er stets alles riskiert, alles eingesetzt – und dafür auch bezahlt.

Die Geschichte der Buchhandels-Familie Kohl in Frankfurt beginnt am 24. August 1946. Damals stellte die US-Militärregierung dem Frankfurter Michael Kohl, Helmuts Vater, eine Lizenz zum „Einzelverkauf von Zeitschriften und Büchern“ aus. Er eröffnete einen Buchhandel an der Katharinenkirche. Der wurde später vom Sohn Helmut übernommen und florierte zunächst.

Doch der Strukturwandel in der Branche, die Entwicklung hin zu immer größeren Buchkaufhäusern, war unaufhaltsam. Kohl versuchte, ihr zu trotzen, indem er sich an die Spitze der Bewegung setzte. Im November 1989 bezog er ein großes Buchhaus am Roßmarkt: etwa 130 000 Titel auf 1000 Quadratmetern. Es war seinerzeit die größte Buchhandlung der Stadt.

Lesebuch der Hoffnung

Große Hoffnungen regten sich damals in Frankfurt: In „Kohls Lesebuch“ wurden 1989 auf knapp 200 Seiten Beiträge vieler namhafter Frankfurter Autorinnen und Autoren veröffentlicht – von Wilhelm Genazino über Ursula Krechel und Peter Kurzeck bis hin zu Martin Mosebach.

Sie alle hofften, dass sich mit Kohl die literarische Buchhandlung behaupten würde. „Das ist die beste Düngung für das aufstrebende Frankfurt“, sagte der damalige Präsident der Akademie für Sprache und Dichtung, Herbert Heckmann, in seiner Rede anlässlich der Eröffnung der Buchhandlung. Doch diese Hoffnung sollte trügen.

Der Unternehmer Kohl erklärte damals, er verstehe die neue Buchhandlung „als Gegenkonzept zu Hugendubel“. Dieses noch größere Buchkaufhaus des Münchener Großbuchhändlers eröffnete 1990 im Steinweg. Und es jagte Kohl die Kunden ab. Am 10. März 1992 musste die Buchhandlung Konkurs anmelden.

„Der Grund für die Schließung ist eindeutig Hugendubel“, erklärte Kohl damals. Das neue Kaufhaus habe ihm Umsatzeinbrüche von 20 Prozent beschert. Damit seien alle Rentabilitätsberechnungen über den Haufen geworfen worden.

Kohl war nicht das letzte Opfer dieser Entwicklung. Es folgten die Buchhandlung Herder am Rathenauplatz, später die Buchhandlung Mühlhausen an der Schillerstraße und andere. Die Ironie dieser Geschichte ist, dass Hugendubel nun sein Konzept ändert, um Kunden zu halten: weg von den großen Buchkaufhäusern, hin zu kleineren Geschäften mit mehr Beratung.

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