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Dieter Engel, Frankfurter Bordellbesitzer.

Nachruf

Bordell-Besitzer Dieter Engel ist tot

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Er schlug eine Brücke zwischen dem Milieu und der bürgerlichen Gesellschaft in Frankfurt. Am Ostermontag, seinem 83. Geburtstag, ist der einstige „Sudfass“-Betreiber gestorben.

  • Der ehemalige Bordell-Besitzer Dieter Engel ist tot
  • Engel starb an seinem 83. Geburtstag
  • Er war Besitzer des Edelbordells „Sudfass“ in Frankfurt-Ostend

Frankfurt - Er ragte in die Gegenwart hinüber aus einer Welt, die es nicht mehr gab. Am Ostermontag ist Dieter Enge l gestorben, an seinem 83. Geburtstag. Von 1971 bis 2013 hatte der gebürtige Kölner in Frankfurt das älteste Bordell der Stadt geführt, das „Sudfass“ auf dem Grundstück Oskar von Miller-Straße 3 am nördlichen Mainufer. 

Bordell-Besitzer Engel war von Kommunalpolitik in Frankfurt anerkannt

Heute finden sich dort teure Luxuswohnungen, so verdichtet sich die Entwicklung des Ostends auf engstem Raum. „Er war ein sehr korrekter Typ und er war sehr sozial“, sagt der Schriftsteller und Drehbuchautor Peter Zingler über Engel. Zingler, dem ehemaligen Millionendieb, hatte es der Bordell-Betreiber 1985 ermöglicht, in einem seiner Häuser im Ostend in Frankfurt die „Romanfabrik“ zu gründen, einen Ort für Lesungen und Konzerte.

Tatsächlich schlug Engel eine Brücke zwischen dem Milieu und der bürgerlichen Gesellschaft. Er erwarb sich die Anerkennung der Kommunalpolitik. Die „Romanfabrik“ im Haus Uhlandstraße 21 wurde vom damaligen Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann (SPD) gefördert und von der Stadt finanziell unterstützt. Die frühere Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) schickte dem Unternehmer zu seinem 70. Geburtstag einen Blumenstrauß.

Frankfurt: Bordell-Besitzer Engel war Vorkämpfer gegen „katholischen Muff“

Es war eine erstaunliche Karriere für den früheren Fliesenleger. Er sah sich als Vorkämpfer gegen „katholischen Muff“ und Doppelmoral. Deshalb, so behauptete Engel gerne, sei er aus dem konservativen Köln ins liberale Frankfurt gekommen. Er nahm für sich in Anspruch: „Ich war der erste, der das Ficken menschlich gestaltet hat.“ 

Tatsächlich zahlte er seinen Prostituierten Kranken- und Rentenversicherung und bestritt den Vorwurf, dass er Frauen in Not ausbeutete. Taxifahrer bekamen Prämien, wenn sie Kunden ins „Sudfass“ brachten. Die „Sudfass“-Sommerfeste mit Hunderten von prominenten Gästen pflegten stets mit einem Feuerwerk zu enden.

Bordell-Besitzer Engel aus Frankfurt stirbt mit 83 Jahren

In den Räumen des Edelbordells häufte Engel eine riesige Sammlung erotischer Kunst an. Es gab prachtvolle Deckengemälde mit üppigen Nackten und holzgetäfelte Sado-Maso-Räume. Nach der Schließung des „Sudfass“ eröffnete der Kaufmann in Köln mit den Sammlungsstücken ein Erotik-Museum, in dem auch Schuhe der Frankfurter Edel-Prostituierten Rosemarie Nitribitt zu sehen waren. 

Im Wohnhaus Uhlandstraße 21, in dem Peter Zingler, die Cartoonistin und Autorin Doris Lerche und der Journalist Adolf Heinzelmeier die „Romanfabrik“ ins Leben gerufen hatten, entstand auch die Bar „Venusberg“. Mehr als 150 Lesungen zählte man dort, bevor die Räume bei einem Unglück ausbrannten. Der Schriftsteller Zingler widmete dem „Sudfass“ 2010 einen wehmütigen Nachruf in Buchform, „Rotlicht im Kopf“.

Von Claus-Jürgen Göpfert

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